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28.03.2015

Impfung drängt plötzlichen Kindstod zurück

Je höher die Impfquote, desto seltener der plötzliche Kindstod. Diesen Fund haben Wissenschaftler der Berlin School of Public Health gemacht, nachdem sie Langzeitstudien aus den USA ausgewertet haben.
Impfung drängt plötzlichen Kindstod zurück

Plötzlicher Kindstod deutlich seltener, wenn Babys gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten geimpft sind

Der plötzliche Kindstod ist der Alptraum aller Eltern. Besonders gefährdet sind Säuglinge im ersten Lebenshalbjahr. Genau in diesen Zeitraum fallen die Impfungen gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung und Haemophilus influenzae. Während Impfskeptiker ihre Kinder oft nicht impfen lassen, weil sie den plötzlichen Kindstod als fatale Nebenwirkung befürchten, zeigen Berliner Wissenschaftler nun, dass es genau umgekehrt ist: Bei steigenden Impfquoten sinken die Fälle von plötzlichem Kindstod. Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler der Berlin School of Public Health (BSPH) der Charité zahlreiche Langzeitstudien aus den USA der letzten 40 Jahre ausgewertet. »Unsere Untersuchung ist als Hinweis zu sehen, dass die klassischen Impfungen im Säuglingsalter gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenzae nicht mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Kindstod verbunden sind“, sagt BSPH-Sprecherin Prof. Jacqueline Müller-Nordhorn. „Sie scheinen sogar eher einen schützenden Effekt zu haben.“

Impfungen schützen offenbar vor plötzlichem Kindstod

In der Meta-Analyse hatten die Wissenschaftler nach allen möglichen Ursachen für den plötzlichen Kindstod gesucht, zum Beispiel auch Studien zur Schlafposition von Säuglingen einbezogen. Am augenscheinlichsten war offenbar der zeitlich Kontext zur  Impfquote, die in den USA je nach gesellschaftlicher Stimmungslage und den aktuellen Impfempfehlungen stark schwankt. So sind in den 1970er und 80er Jahren die Impfquoten stark zurückgegangen, zeitgleich die Sterblichkeit durch Kindstod um 27 Prozent zwischen 1968 und 1971 und um 47 Prozent zwischen 1971 und 1974 gestiegen. Eine  zehn Prozent höhere Quote in einer Bevölkerung, hier am Beispiel USA, verringert die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes um fast zehn Prozent, so das Fazit der Studie.

 

Zusammenhang zwischen Keuchhustenimpfung und plötzlichem Kindstod in Deutschland

Für Deutschland konnten die Forscher eine ähnliche Beobachtung machen. In den 70er und 80er Jahren wurde die Keuchhustenimpfung zeitweise aus den Impfempfehlungen herausgenommen, weil die Impfung mit Hirnschäden in Zusammenhang gebracht wurde. Da diese Annahme jedoch widerlegt werden konnte, wird die Impfung seit 1991 wieder empfohlen. „Unsere Zahlen belegen: Parallel zur Wiederaufnahme der Keuchhusten-Impfung sinkt auch hier die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes“, sagt Müller-Nordhorn. Die Befürchtung vieler Eltern, sie könnten mit den Impfungen ihren Kindern mehr schaden als nutzen, sieht die Expertin nun als widerlegt. »Besonders tragisch wäre es, wenn Eltern die Impfungen hinauszögerten, um ihre Kinder vermeintlich zu schützen und damit möglicherweise das Gegenteil bewirken“. Die Ergebnisse der Studie im Fachmagazin BMC Pediatrics veröffentlicht.

© Alexandr Vasilyev - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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