. Zoonotische Erkrankungen / Atemwegsinfektionen

Impfstoff gegen MERS-Coronavirus jetzt im klinischen Test

So schnell geht es selten: 2012 wurde das MERS-Coronavirus entdeckt, das schwere Atemwegserkrankungen verursachen kanns. Jetzt ist ein Impfstoff im klinischen Test.
Klinische Studie zu Impfstoff gegen MERS-Coronavirus

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung entwickelt einen Impfstoff gegen MERS-Coronavirus.

Bereits seit Jahresanfang wird im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) unter der Leitung von Professorin Marylyn Addo der Impfstoff gegen MERS-Coronavirus mit dem wissenschaftlichen Kürzel MVA-MERS-S in einer klinischen Studie getestet. Er ist der erste aussichtsreiche Impfstoffkandidat und funktioniert auf der Basis eines abgeschwächten Pockenvirus, das mit einem Bestandteil des MERS-Virus versehen wurde. „Der Pockenvektor als Grundlage für einen Impfstoff ist ein erprobtes Verfahren“, erklärt Addo. In die Studie werden 24 freiwillige Testpersonen eingeschlossen. Ziel ist es, die Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs zu prüfen.

Was ist das MERS-Coronavirus?

Das MERS-Coronavirus löst den Angaben zufolge bei Menschen schwere Atemwegserkrankungen aus. Die Erkrankung beginnt demnach mit grippeähnlichen Symptomen und kann wie eine herkömmliche Grippeinfektion vor allem bei chronisch kranken und älteren Patienten schwerwiegend verlaufen. Dann können laut DZIF auch Lungenentzündung und Atemnotsyndrom auftreten.

Das MERS-Coronavirus wurde laut DZIF 2012 entdeckt. Seitdem sind über 2000 Erkrankungsfälle bestätigt, teilte das bundesweite Forschungszentrum mit. MERS steht für Middle East Respiratory Syndrom. Der Erreger stammt den Angaben zufolge ursprünglich aus Saudi-Arabien und angrenzenden Regionen. Dort tritt er laut DZIF vor allem bei Dromedaren auf. Das Virus wird nach Angaben der Wissenschaftler von Dromedaren auf den Menschen übertragen. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist demnach möglich. Das hat laut DZIF in Kliniksituationen schon zu mehreren Ausbrüchen geführt. Den Angaben zufolge kommt das Virus durch Reisende in den letzten Jahren immer wieder auch in Europa und in Deutschland vor.

Impfstoff gegen MERS-Coronavirus schnell entwickelt

Die Entwicklung des Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus bezeichnet das DZIF als eine Erfolgsgeschichte. Denn um einen Impfstoff am Menschen zu prüfen, muss er sehr sicher sein, und das nimmt laut DZIF oft mehr als zehn Jahre in Anspruch. Bei dem Impfstoff gegen MERS-Coronavirus sind bisher gerade einmal sechs Jahre vergangen.

Professor Christian Drosten und sein Team aus Bonn haben das Coronavirus im September 2012 als neues Virus identifiziert, das nicht dem SARS-Virus entspricht. Die von ihnen entwickelte Nachweismethode wird den Angaben zufolge heute als Standardmethode weltweit verwendet.

Ein Jahr später meldeten Wissenschaftler aus dem DZIF bereits die Entwicklung eines möglichen Impfstoffs. Im Juni 2014 teilte das DZIF dann mit, dass die Tests des Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus im Tiermodell erfolgreich verlaufen sind. Im Dezember 2015 wurden junge Dromedare von den DZIF-Forschern Professor Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität München erfolgreich geimpft.

Foto: sharryfoto – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Medizin
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