Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Immunsystem schützt Affen vor AIDS

Donnerstag, 11. Januar 2018 – Autor:
HIV hat seinen Ursprung in Immundefizienzviren (SIV) afrikanischer Affen. Warum bei einigen Affenarten AIDS trotz einer SIV-Infektion nicht ausbricht, haben nun Wissenschaftler untersucht. Der Unterschied liegt offenbar im Immunsystem.
Einige Affenarten können eine AIDS-Erkrankung dauerhaft verhindern, obwohl sie mit Verwandten des HI-Virus infiziert sind

Einige Affenarten können eine AIDS-Erkrankung dauerhaft verhindern, obwohl sie mit Verwandten des HI-Virus infiziert sind

HIV ist ein Erreger, der vermutlich schon vor rund 200 Jahren von afrikanischen Affen auf den Menschen übergesprungen ist. Affen wurden gejagt und gegessen. Dementsprechend sind die ursprünglichen Immundefizienzviren (SIV) eng mit dem menschlichen HIV verwandt. Während HIV beim Menschen unbehandelt zwangsläufig zu AIDS führt, erkranken bei weitem nicht alle Affenarten an der Immunschwächekrankheit, obwohl sie nachweislich mit SIV infiziert sind. Die Gründe für den unterschiedlichen Verlauf haben nun Virologen der Universitätsklinikum Ulm gemeinsam mit amerikanischen Kollegen der Emory University nun untersucht. Dabei wurde das Erbgut der Rußmangabe (Affe, der nicht an AIDS erkrankt) vollständig entschlüsselt und mit dem Genom des Menschen sowie anderer Primatenarten verglichen. Die Antwort des Rätsels liegt demnach im Immunsystem.

Veränderte TLR4-Rezeptoren

„Wir haben große Unterschiede in einigen Proteinen des Immunsystems entdeckt, die den gutartigen Infektionsverlauf von SIV in Rußmangaben erklären könnten“, berichtet Erstautor Dr. David Palesch, der nach seiner Promotion in Ulm an der Emory University forscht. Besonders auffällig ist eine Veränderung im so genannten TLR4-Rezeptor der Affenart. Dieses zelluläre Eiweiß spielt eine wichtige Rolle bei der Aktivierung des Immunsystems durch Bakterien. Bei HIV-infizierten Menschen trägt die chronische Aktivierung des Immunsystems – beispielsweise durch Bakterien, die nach einer infektionsbedingten Darmschädigung ins Blut gelangen – entscheidend zum Ausbruch von AIDS bei.

Die Forscher konnten mittels verschiedener Methoden nachweisen, dass der TLR4-Rezeptor der Rußmangabe nur eine geringe Aktivität aufweist. „Dies könnte der Grund sein, weshalb diese Affen nicht mit einer unkontrollierten Abwehrreaktion auf eine SIV-Infektion reagieren und keine Immunschwäche entwickeln“, erläutert Daniel Sauter, Juniorprofessor am Ulmer Institut für Molekulare Virologie. „Auf diese Weise kann die Rußmangabe offenbar eine gesunde Anzahl von Immunzellen aufrechterhalten und den Erreger lebenslang tolerieren.“

Veränderungen im TLR4-Rezeptor fanden die Forscher auch bei der Grünen Meerkatze und dem Angola-Stummelaffen, beide sind Wirte von SIV. Bei nicht-natürlichen Wirten wie dem Menschen oder Rhesusaffen, die beide eine chronische Immunreaktion zeigen und an AIDS erkranken, ist sie hingegen nicht vorhanden.

 

Immunschwäche verhindern

„Wir vermuten, dass die natürlichen Wirte von SIV im Laufe ihrer Evolution Veränderungen im TLR4-Gen entwickelt haben, die eine friedliche Koexistenz mit Immundefizienzviren ermöglichen – ganz ohne eine Immunschwäche zu entwickeln“, erklärt Professor Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie.

Die Erkenntisse, die jetzt in „Nature“ veröffentlicht wurden, sollen dazu beitragen, den Ausbruch von AIDS bei HIV-Infizierten Menschen zu verhindern. Dazu muss es den Forschern gelingen, die unkontrollierte Abwehrreaktion zu unterdrücken. 

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: AIDS , HIV
 

Weitere Nachrichten zum Thema AIDS / HIV

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
 
Weitere Nachrichten


Die Pandemie hat das Bewegungs- und Sportverhalten bei vielen verändert. Das Homeoffice gilt als „Bewegungskiller“, Städter schwitzen vorm Youtube-Video im eigenen Wohnzimmer, Landbewohner treibt es ins Freie – und Yoga ist jetzt beliebter als Fußball.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin