. Studie der Uni Freiburg

Immungedächtnis schützt viele vor neuer Corona-Infektion

Das Uniklinikum Freiburg gilt als Forschungsschwerpunkt für Immunantworten des Körpers auf Infektionskrankheiten. Ein Forscherteam des Klinikums, das COVID-19-Patienten behandelt und nach überstandener Krankheit weiter betreut, kommt jetzt zu dem Schluss: Das Immungedächtnis schützt die Mehrheit der Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, vor einer Neuinfektion.
T-Zellen des Immunsystems im Modell (blau)

Gedächtnis-T-Zellen: Freiburger Forscher sind zuversichtlich, dass diese bei der Erstinfektion gebildeten Immunzellen des Körpers viele Menschen vor einer erneuten Infektion mit dem Coronavirus schützen können.

Bisher war unklar, ob eine überstandene SARS-CoV-2-Infektion beziehungsweise eine COVID-19-Erkrankung zu einem anhaltenden immunologischen Gedächtnis führt und das Patienten vor einer erneuten Infektion schützen kann. So hatten mehrere Studien gezeigt, dass coronavirus-spezifische Antikörper bei vielen Menschen mit überstandener COVID-19-Erkrankung nur über wenige Monate nachweisbar sind und daher möglicherweise auch nur einen zeitlich begrenzten Schutz vor einer erneuten Infektion bieten können. Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Freiburg konnte jetzt zeigen: Nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion werden Immunzellen gebildet, die im Körper erhalten bleiben und bei einer erneuten Infektion eine schnelle Immunantwort vermitteln könnten. Einen deutlichen Schutz erwarten die Freiburger Wissenschaftler auch von den aktuell getesteten Impfstoffen.

Schutz vor Neuinfektion dank „Gedächtnis-T-Zellen“

„Diese sogenannten Gedächtnis-T-Zellen sehen nach einer SARS-CoV-2-Infektion ähnlich aus wie Gedächtnis-T-Zellen nach einer echten Grippe. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass bei der Mehrheit der Menschen nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion ein gewisser Schutz vor einer erneuten COVID-19-Erkrankung besteht“, erklärt Maike Hofmann, Wissenschaftlerin an der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg. Optimistisch ist auch Christoph Neumann-Haefelin, Leiter des Leberzentrums am Klinikum: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass nach einer Infektion eine Immunität gegen SARS-CoV-2 erreicht werden kann. Ähnlich könnten auch Impfstoffe, die aktuell in Studien getestet werden, einen deutlichen Schutz gegen SARS-CoV-2 vermitteln.“

 

Spezialgebiet: Entschlüsselung komplexer Immunantworten

Im Uniklinikum Freiburg werden Patienten mit COVID-19-Erkrankung nicht nur behandelt, sondern nach Ausheilung der Infektion in einer speziellen Ambulanz auch weiter betreut. Ein Spezialgebiet des Klinikums ist zudem die Analyse von Immunzellen bei Virusinfektionen und die Entschlüsselung komplexer Immunantworten. Eine besonders enge Vernetzung von Behandlung und Forschung in Freiburg biete die Basis dafür, innerhalb weniger Monate nach Auftauchen des Coronavirus bereits zu belastbaren Forschungsergebnissen zu kommen, heißt es aus dem Klinikum. Diese sogenannte translationale Forschung zu Virusinfektionen in Freiburg wird unter anderem durch das Land Baden-Württemberg und die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Studie aus Österreich ähnlich optimistisch

Ob Menschen nach überstandener Corona-Infektion zumindest fürs Erste gegen das Virus immun sind, ist in der Wissenschaft nach wie vor umstritten. Zu ähnlich optimistischen Ergebnissen wie jetzt in Freiburg kam vor wenigen Wochen eine österreichische Privatuniversität. Dieser Studie der „Danube Private University Krems“ (DPU) zufolge können sich corona-spezifische Langzeit-Antikörper offenbar länger im menschlichen Organismus halten als bisher gedacht.

Foto: AdobeStock/brainwashed 4 you

Autor:
Hauptkategorien: Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Forschung , Infektionskrankheiten , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Immunsystem und Corona

| COVID-19 gut überstanden – und dann erst mal dagegen immun? Und wenn ja: wie lange? Diese Frage ist in der Wissenschaft nach wie vor umstritten. Eine Studie aus Österreich kommt zu dem Schluss: Die corona-spezifischen Langzeit-Antikörper halten sich im menschlichen Organismus offenbar länger als gedacht. Das nährt die Hoffnung auf bleibende Immunität.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.