Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Immer mehr Mund-Rachen-Tumore durch HPV

Sonntag, 2. September 2012 – Autor:
Humane Papillomviren (HPV) stehen im Verdacht, einen Grossteil der Tumore in Mund und Rachen auszulösen. Besonders junge Menschen sind immer häufiger betroffen.
Immer mehr Mund-Rachen-Tumore

Immer mehr Mund-Rachen-Tumore

Bei Tumoren in Mund und Rachen werden immer häufiger Humane Papillomviren nachgewiesen. Eine 2011 im "Journal of Clinical Oncology" veröffentlichte Studie aus den USA zeigt, dass sich zwischen 1984 und 2004 die Häufigkeit HPV-positiver Tumoren von Mund und Rachen in der amerikanischen Bevölkerung mehr als vervierfacht hat. Die Häufigkeit HPV-negativer Tumoren nahm dagegen ab, weil immer weniger Menschen rauchen und so der Einfluss "klassischer" Risikofaktoren zurückging. Die Forscher konnten in etwa 16 von 100 Proben aus den 1980er Jahren HPV nachweisen, nach 2000 fanden sich dagegen in etwa 72 von 100 Proben humane Papillomviren.

Jeder vierte Krebs in der Mundhöhle HPV-positiv

Bis vor einigen Jahren gingen Experten noch davon aus, dass vor allem erhöhter Alkohol- und Tabakkonsum Tumore im Kopf- Hals-Bereich auslösen. "Studien zeigen jedoch, dass - ähnlich wie beim Gebärmutterhalskrebs - Humane Papillomaviren auch diese Krebsart verursachen können", erläutert Professor Dr. med. Jens P. Klussmann, Direktor der Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Universitätsklinikum Giessen. "HPV löst wahrscheinlich jeden zweiten Krebs im Mundrachen und jeden vierten Tumor der Mundhöhle aus."

Auch für Deutschland rechnen HNO-Ärzte mit einer Verdopplung der Erkrankungsfälle bis zum Jahr 2020 und sprechen bereits von einer Virusepidemie, die Krebs auslösen kann. Die Ursache für die erhöhte Virusinfektion vermuten die Experten in einem veränderten Sexualverhalten mit besonderer Bedeutung oraler Sexualpraktiken. HPV-positive Tumoren treten Jens Klussmann zufolge eher bei jüngeren Männern auf und scheinen mit der Infektion als Auslöser und damit mit dem Sexualverhalten in Beziehung zu stehen. Insgesamt erkranken jedes Jahr rund 10.000 Männer und 3.800 Frauen an Tumoren in Mund und Rachen (RKI Krebs in Deutschland 2012).

HPV-Impfung könnte Krebsrisiko senken

Unterdessen gehen Experten davon aus, dass die HPV-Impfung das Risiko für Tumore in Mund und Rachen senken könnte. Noch liegen allerdings keine gesicherten Daten dazu vor. "Wir vermuten aber, dass in den geimpften Bevölkerungsgruppen auch andere HPV-induzierte Tumoren deutlich zurückgehen werden", sagt der HPV-Experte PD Dr. Andreas Kaufmann von der Charité Berlin. In Deutschland wird die HPV-Impfung derzeit für 12- bis 17-jährige Mädchen zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und seiner Krebsvorstufen empfohlen. Anders in den USA: dort gilt die Impfempfehlung inzwischen auch für Jungen. Zugelassen ist der HPV-Impfstoff für beide Geschlechter ab einem Alter von neun Jahren.

*Die Wissenschaftler werteten Daten und Proben des Programms "Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER)" des US-amerikanischen Krebsforschungszentrums (National Cancer Institute) aus.

Foto: obs/proDente e.V.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: HPV , HPV-Impfung , Krebs , Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema HPV

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Viele gesundheitsbewusste Verbraucher wissen genauso wie Diabetiker um die dick- und krankmachende Wirkung von Zucker. Deshalb richtet sich deren Hoffnung auf Süßstoffe. Doch obwohl sie zuckerfrei und zumindest kalorienarm sind, machen auch sie offenbar dick.


Ist die Infektion abgeklungen, ist Covid-19 für viele Patienten keineswegs vorbei – es geht nur anders weiter. Die AOK hat ein neues Beratungsportal geschaltet: damit Long-Covid-Patienten diese neue Krankheit besser verstehen und leichter mit ihr umgehen können.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin