. Gerinnungs-Selbstmanagement

Immer mehr Menschen messen ihre Gerinnungswerte selbst – Patientenkongress bietet umfassende Information

Mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland nehmen dauerhaft Gerinnungshemmer ein und müssen regelmäßig zur Blutkontrolle. Neuerdings können Betroffene ihre Werte auch selber messen. Ein kleiner Pieks in den Finger soll auch auf Reisen mehr Sicherheit bieten.
Immer mehr Menschen messen ihre Gerinnungswerte selbst – Patientenkongress bietet umfassende Information

Alles im Griff: Das Gerinnungs-Selbstmanagement bedeutet für viele mehr Lebensqualität

Sie gehören zum täglich Brot von rund 1,1 Millionen Menschen in Deutschland: Blutverdünnende Medikamente, so genannte Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar. Insbesondere Menschen mit eine künstlichen Herzklappe, Vorhofflimmern oder eine verstärkten Thrombose- bzw. Embolie-Neigung sind auf die tägliche Einnahme der Gerinnungshemmer angewiesen. Die Betroffenen müssen beim Arzt alle vier bis sechs Wochen ihre Gerinnungswerte kontrollieren lassen. Viele empfinden die häufigen Kontrolltermine jedoch als lästig. Eine Alternative bietet ein kleines mobiles Messgerät, zum Beispiel das CoaguChek XS, das ähnlich wie die Blutzuckermessung bei Diabetes funktioniert: Für die Blutentnahme genügt ein kleiner Pieks in den Finger.

Schulungen bringen Patienten das Gerinnungs-Selbstmanagement bei

Das CoaguChek XS System von Roche Diagnostics wird bereits von 200.000 Menschen in Deutschland genutzt. An bundesweit rund 1.200 Schulungseinrichtungen lässt sich das so genannte Gerinnungs-Selbstmanagement (GSM) erlernen. Der Berliner Internist und Transfusionsmediziner PD Dr. med. Christoph Sucker ist einer der Schulungsleiter und bringt Patienten bei, wie sie nicht nur ihre Werte bestimmen, sondern auch die Tablettendosis eigenmächtig anpassen können. „Patienten, die darin geübt sind, führen ein selbstbestimmteres Leben und fühlen sich im Alltag sicherer“, sagt Sucker und verweist auf Studien, in den die Sicherheit und Wirksamkeit des Selbstmanagements untersucht wurde. „In zahlreichen Studien hat sich gezeigt, dass bei Gerinnungs-Selbstmanagern der Gerinnungswert konstanter ist als bei Patienten, die ihren Wert in 4 bis 6-wöchigem Abstand vom Arzt messen lassen“, erläutert der Leiter des LaboMed Gerinnungszentrums in Berlin. Das führe dazu, dass die Risiken einer Blutung oder eines Blutgerinnsels deutlich minimiert würden. Zudem könnten diese Patienten bei Schwankungen individueller reagieren.

Auf Reisen können die Patienten schneller reagieren

Dem Experten zufolge erleichtert das Gerinnungs-Selbstmanagement auch das Reisen. Ein verändertes Klima oder eine andere Ernährung können nämlich auch Einfluss auf die Blutgerinnung haben, müssen aber nicht. „Ein kleiner Pieks in den Finger ist für einen Gerinnungs-Selbstmanager kein großer Aufwand, bringt aber enorm viel Sicherheit“, sagt Blutgerinnungsspezialist Sucker. Wer zu Hause gelernt habe, auf Schwankungen zu reagieren, der könne dies dann auch unter Palmen oder in den Bergen tun. Allerdings: Bei dramatischen Veränderungen des Gerinnungswerts sollte immer ein Arzt vor Ort aufgesucht werden, so der Expertenrat.

Gute Erfahrungen mit dem Selbstmanagement hat etwa Heike Sichmann gemacht. Sie hat das mobile Messgerät überall dabei. „Ich messe wann und wo ich will und kann die Medikamentendosis selbstständig anpassen“, sagt sie „Das Gerinnungs-Selbstmanagement gab mir viel Sicherheit und Lebensqualität.“

Der Berliner Patientenkongress „Besser leben mit Gerinnungshemmern“ am 11. Oktober befasst sich einen ganzen Tag lang mit dem Thema. Auch Experte Dr. Sucker hält einen Vortrag, wie man zum Gerinnungs-Selbstmanager werden kann. Außerdem können sich die Besucher persönlich beraten lassen, und ein Ernährungsexperte bereitet live ein herzgesundes Menü inklusive Verkostung zu. Näheres zu der Veranstaltung gibt es unter www.patientenkongress.berlin oder unter der Servicetelefonnummer 030. 609 813 202. Dort können sich Interessierte kostenfrei anmelden.

Autor: red
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