. Lebensmittelmonitor 2016

Immer mehr Masthähnchen mit Campylobacter belastet

Die Belastung von Masthähnchen durch Campylobacter-Keime ist stark gestiegen. Die Erreger sind mittlerweile am häufigsten für bakterielle Durchfallerkrankungen verantwortlich und haben darin sogar Salmonellen abgelöst.
Campylobacter

Genuss ohne Reue? Das ist bei Masthähnchen nicht garantiert

Es könnte vielen Deutschen den Appetit auf Hähnchenfleisch verderben: Immer mehr Masthähnchen sind mit dem Campylobacter-Keim kontaminiert. Das zeigen jüngste Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Campylobacter ist demnach mittlerweile die häufigste Ursache für bakterielle Durchfallerkrankungen. Der Präsident des Bundesamtes, Helmut Tschiersky, übte bei der Vorstellung des Berichts in Berlin Kritik: „Geflügelfleisch ist zu häufig mit Campylobacter belastet.“

Drei Viertel aller Hähnchenproben waren mit Campylobacter belastet

Seit Jahren bemängeln Experten die hohe Kontaminationsrate von Geflügelfleisch mit Campylobacter. Bereits im Jahr 2013 wurden die Erreger in mehr als 52 Prozent der Proben gefunden. Und diese Zahl hat sich jetzt noch erhöht: Für den neuen Lebensmittelmonitor wurden 130 Halshautproben bei Masthähnchen auf das Vorkommen von Campylobacter untersucht. In 100 Fällen wurde der Erreger nachgewiesen, das sind fast 77 Prozent.

Außerdem wurden bei 274 Proben Keimgehaltsbestimmungen durchgeführt. Bei etwa einem Viertel der Proben lagen die Campylobacter-Keimzahlen über dem ab nächstem Jahr EU-weit geltenden Prozesshygienekriterium von 1.000 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KbE/g). Das Prozesshygienekriterium für Campylobacter wird eingeführt, um die hohe Kontaminationsrate in der Geflügelfleischkette zu senken. Künftig müssen Betriebe, deren Schlachtkörper eine Campylobacter-Keimzahl oberhalb von 1.000 KbE/g aufweisen, geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung der Prozesshygiene einleiten.

 

Hygienemaßnahmen sollen Infektionszahlen senken

BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky zeigte sich zuversichtlich, dass die Einführung des europaweiten Prozesshygienekriteriums zu einer verbesserten Hygiene bei Hähnchenfleisch führen werde. „Bei Salmonellen in der Geflügelfleischkette konnten mit den EU-weiten Bekämpfungsmaßnahmen in den Haltungsbetrieben bereits deutliche Erfolge erzielt werden“, so Tschiersky. Waren im Jahr 2011 noch 17,8 Prozent der getesteten Halshautproben von Masthähnchen Salmonella-positiv, betrug deren Anteil fünf Jahre später nur noch 6,7 Prozent. Dieser Rückgang wirkte sich auch positiv auf die Salmonellose-Erkrankungen beim Menschen aus, die im selben Zeitraum ebenfalls rückläufig waren.

Lebensmittelkeime wie Campylobacter und Salmonellen können beim Menschen Durchfallerkrankungen auslösen und bei geschwächten Personen zu schweren Komplikationen führen. Beide Erreger sind nicht hitzeresistent. Verbraucher sollten Hähnchenfleisch deshalb nur gut durchgegart verzehren.

Foto: © akf - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hygiene , Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Campylobacter

| Listerien, EHEC-Erreger, Campylobacter – in Fleisch und Wurstprodukten stecken jede Menge Krankheitserreger. Das Zoonosen-Monitoring 2017 zieht eine unappetitliche Bilanz. Dabei wurden nur Stichproben ausgewertet. Die Wahrheit könnte noch viel schlimmer sein.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.