. Folgen von Adipositas

Immer mehr Krebserkrankungen durch Übergewicht

Immer mehr Menschen erkranken an Krebs, weil sie übergewichtig oder adipös sind. Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) haben nun errechnet, dass weltweit knapp 500.000 Krebserkrankungen auf den Faktor Übergewicht zurückzuführen sind.
Übergewicht kann Krebs fördern

Die Zahl der Übergewichtigen nimmt immer mehr zu.

Verschiedene epidemiologische Studien haben bereits eine Assoziation zwischen Krebserkrankungen und Übergewicht oder Adipositas gezeigt. Die Gründe dafür sind plausibel. So entsteht bei Übergewicht häufig eine Insulinresistenz, die dann zu einer erhöhten Ausschüttung von Insulin führt. Insulin fördert jedoch die Zellteilung und konnte im Mausmodell als Faktor für beschleunigtes Tumorwachstum nachgewiesen werden.

Körperfett wirkt aber auch selbst wie eine Hormondrüse und setzt verschiedene Botenstoffe frei, wie beispielsweise das Hormon Leptin, das wiederum das Zell- und damit das Tumorwachstum fördert. Ein weiterer Mechanismus ist, dass bei Übergewicht vermehrt Immunzellen in das Fettgewebe einwandern und dort eine chronische Entzündung bedingen. Die dabei ausgeschütteten proinflammatorischen Botenstoffe können ebenfalls das Tumorwachstum beschleunigen.

Fast 500.000 Krebserkrankungen durch Übergewicht und falsche Ernährung

Experten vermuten daher, dass Übergewicht und falsche Ernährung in Zukunft sogar das Rauchen als Hauptursache von Krebserkrankungen ablösen könnten. Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), haben nun berechnet, dass im Jahr 2012 weltweit 481.000 neu entdeckte Krebsfälle auf Übergewicht und Adipositas zurückzuführen waren. Ihre Studie haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Lancet Oncology“ veröffentlicht.

Die Analyse berücksichtigt Daten aus 184 Staaten. Das Team um Melina Arnold vom IARC in Lyon setzte die Inzidenzen für Übergewicht und Adipositas in den einzelnen Ländern mit den Daten aus der internationalen Globocan-Krebs-Datenbank der IARC in Beziehung. Im Durchschnitt liegt demnach der Anteil der Krebserkrankungen, der auf Übergewicht zurückzuführen ist, bei 3,6 Prozent. In den Industriestaaten, in denen deutlich mehr Menschen übergewichtig oder adipös sind, liegt er bei 5,2 Prozent, in Osteuropa sogar bei 6,5 Prozent. Die mit Abstand meisten Fälle von Fettleibigkeit im Zusammenhang mit Krebserkrankungen wiesen jedoch die USA auf.

 

Übergewicht bald wichtigster Risikofaktor für Krebs?

Insgesamt kommen gewichtsbedingte Krebsdiagnosen bei Frauen häufiger vor als bei Männern. Dies liegt vor allem daran, dass Östrogen ein Wachstumsfaktor bei Brustkrebs und Gebärmutterkarzinom ist. Bei den Männern sind es vorrangig Darm- und Nierenkrebs, die auf Übergewicht zurückgeführt werden können.

Übergewicht ist nach Ansicht der Forscher auf dem Weg, der wichtigste Risikofaktor für Krebserkrankungen zu werden. „Die Verbreitung der Adipositas bei Erwachsenen hat sich seit 1980 weltweit verdoppelt", so Arnold. Wenn der Trend anhalte, werde die Zahl der Krebserkrankungen in Zukunft weiter steigen. Besonders in Südamerika und Nordafrika, wo die Fettleibigkeit in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe, sei mit einem Anstieg zu rechnen. Die Forscher weisen zudem darauf hin, dass sich viele dieser Krebserkrankungen durch einen gesünderen Lebensstil vermeiden ließen.

Foto: MartesiaBezuidenhout / Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
 

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