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Immer mehr Kinder bekommen Magensäureblocker

Im Gegensatz zum Trend in der Gesamtbevölkerung bekommt die Generation der 10- bis 24-Jährigen verstärkt „Protonenpumpenhemmer“ (PPI) verschrieben – ein starkes, aber nicht nebenwirkungsfreies Medikament gegen massive Magenprobleme. Selbst den Jungen schlägt offenbar ein wachsender Druck im Leben auf den Magen. Das zeigt eine aktuelle Analyse der „Barmer". Am stärksten war der Zuwachs an PPI-Verordnungen bei Schulkindern.
Sitzendes Mädchen, roter Schein am Bauch: Magenschmerzen

Immer mehr junge Menschen bekommen Protonenpumpenhemmer (PPI) gegen massive Magenprobleme verschrieben.

Sodbrennen, Magenschleimhautentzündung, Magengeschwür: Das sind keine Krankheiten, die man mit jungen Menschen in Verbindung bringt. Ganz entgegen dem Trend in der Gesamtbevölkerung bekommt aber genau die junge Generation zwischen 10 und 24 Jahren sogenannte Protonenpumpenhemmer (PPI) immer häufiger verschrieben – offenbar weil ihr wachsender Leistungsdruck oder sozialer Stress auf den Magen schlagen. Das zeigt eine Analyse der Krankenkasse „Barmer“.

Säureblocker: 173 Prozent mehr Verschreibungen bei Kindern

Der stärkste Anstieg innerhalb der genannten Altersklasse ist in der Gruppe der 10- bis 14-Jährigen zu beobachten. Im Jahr 2019 bekamen schulpflichtige Kinder 173 Prozent mehr Magensäureblocker verschrieben als noch 15 Jahre zuvor, im Vergleichsjahr 2006. Bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 stieg die Zahl der PPI-Verschreibungen um 165 Prozent, bei den 20- bis 24-Jährigen „nur" noch um 123 Prozent.

 

„Junge Menschen fühlen sich häufig unter Druck“

„Die Zahl junger Menschen mit PPI-Verordnungen ist zuletzt zwar leicht gesunken. Dennoch sind die Betroffenenraten nach wie vor viel zu hoch", sagt Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer. „Ein Grund dafür könnte sein, dass sich junge Menschen häufig unter Druck fühlen, was ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt.“

PPIs: Starke Wirkung – starke Nebenwirkungen

Protonenpumpenhemmer – fachsprachlich: Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) – gelten als starkes und wirksames Medikament zur Behandlung von massiven Magenproblemen wie chronischem Sodbrennen, der Reflux-Krankheit,  Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüren. Allerdings kann die Einnahme von PPIs auch mit starken Nebenwirkungen verbunden sein. Vor allem ihr langfristiger Einsatz birgt Risiken in sich: „Er kann das Osteoporose-Risiko erhöhen sowie Nierenerkrankungen, Magnesiummangel und Darminfektionen fördern“, sagt Barmer-Ärztin Marschall weiter. Den steigenden Einsatz der PPI bei jungen Menschen hält sie auch deshalb für problematisch, weil für diese Altersgruppe wenig Erkenntnisse über die Folgen einer Langzeiteinnahme vorliegen, etwa ein gesteigertes Risiko für Osteoporose oder Niereninsuffizienz.

Trotz sinkender Zahlen: 61 Prozent mehr PPI-Rezepte als 2006

Anders als bei den jungen Menschen zeichnet sich – was die der Verschreibung beziehungsweise Einnahme von Protonenpumpenhemmern betrifft – in der Gesamtbevölkerung nach massiven Anstiegen über viele Jahre hinweg eine Trendwende nach unten ab. Im Jahr 2019 verordneten Ärzte 12,3 Millionen Bundesbürgern mindestens einmal diesen Typ Medikamente. Das sind 1,3 Millionen Betroffene weniger als noch im Jahr 2016 – aber immer noch 61 Prozent mehr als im Vergleichsjahr 2006 mit 7,6 Millionen Menschen.

Auffällig ist, dass deutlich mehr Einzeldosen verordnet werden – bei insgesamt sinkender Anzahl an Konsumenten. „Es scheint, dass inzwischen verstärkt die Personen Magensäureblocker verschrieben bekommen, die sie dringend benötigen", sagt Barmer-Ärztin Marschall. „Dabei kann es sich zum Beispiel um Menschen mit langwierigen oder chronischen Erkrankungen handeln, die pro Rezept eine größere Menge an Magensäureblockern verordnet bekommen.“ Grundsätzlich gilt: PPIs sollten niemals ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.

PPI-Verschreibungen: Nordrhein-Westfalen mit Abstand vorne

Gemessen in absoluten Zahlen bekommen Einwohner von Nordrhein-Westfalen mit Abstand am häufigsten diese starken Magenmedikamente verordnet. Mit einem Drittel weniger an Verschreibungen liegt Bayern auf Platz zwei. Auf Platz drei folgt Baden-Württemberg, wobei hier die Bewohner schon nur noch etwa halb so viel PPI verschrieben bekommen wie im erstplatzierten Nordrhein-Westfalen. Verschreibungen auf vergleichsweise niedrigem Niveau, die von Land zu Land immer weiter sinken, verzeichnen dahinter Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen auf den Plätzen vier bis sieben.

Foto: AdobeStock/jomkwan7

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Hauptkategorie: Medizin
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