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Immer mehr Intensivstationen melden sich ab

Das Personal auf Intensivstationen ist knapp. Der Personalmangel führt dazu, dass immer öfter Betten gesperrt und Rettungswagen abgewiesen werden. Jetzt liegen Zahl aus Bremen und Niedersachsen vor.
Bettensperrungen in der Intensivmedizin sind ein zunehmendes Problem.

Bettensperrungen in der Intensivmedizin sind ein zunehmendes Problem.

Recherchen des NDR Politikmagazins "Panorama 3" zeigen, welche Ausmaße der Personalmangel auf norddeutschen Intensivstationen angenommen hat. In diesem Fall hatten die Reporter Einblick in ein internes Kommunikationssystem zwischen Rettungsleitstellen und Kliniken bekommen. Die Kommunikation zwischen Leitstelle und Krankenhäusern lenkt Rettungswagen zu jenen Häusern mit freien Kapazitäten. Doch immer mehr Intensivstationen melden sich ab, das heißt sie können keine weiteren Patienten aufnehmen.

Bremen Spitzenreiter bei Versorgungsengpässen

Nach der Auswertung haben die sieben Kliniken der Stadt Bremen zusammengenommen eine Abmeldequote für die Intensivstationen von mittlerweile 66 Prozent. Das bedeutet, dass alle Intensivstationen der sieben Kliniken in Bremen in dem erhobenen Zeitraum von vier Monaten 66 Prozent der Auswertungszeit auf Rot standen, also abgemeldet waren. Im Vorjahr 2018 lag die Quote noch bei etwa 50 Prozent.

Auch in der Region Hannover hat sich demnach die Situation verschlechtert: Hier lag die Abmeldequote für die chirurgischen Intensivbetten bei 32 Prozent, im Bereich der internistischen Intensivbetten bei zusammengerechnet 53 Prozent. Diesen Zahlen aus 2019 stehen Abmeldequoten von 25 bzw. 40 Prozent aus 2018 gegenüber.

Manchmal geht auch gar nichts mehr. In Bremen haben sich an mehr als jedem dritten Tag alle Intensivbereiche der Kliniken gleichzeitig abgemeldet. An elf Tagen sogar länger als acht Stunden. In dem Auswertungszeitraum hatten sich an einem Tag alle Kliniken sogar 20 Stunden lang abgemeldet.

 

Bettensperrungen, weil Personal fehlt

Schuld sind nicht etwa fehlende Betten, sondern fehlendes Personal. So können nach den Recherchen der "Panorama 3"-Reporter in manchen Krankenhäusern bis zu einem Drittel der vorhandenen Intensivbetten nicht belegt werden, da die notwendigen Intensivpflegekräfte fehlen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft spricht von einem bundesweiten Problem, das durch die vorgeschriebenen Personaluntergrenzen noch verschärft worden sei. Die Untergrenzen führten dazu, dass "zusätzliche Versorgungskapazitäten abgemeldet werden und Versorgungsengpässe entstehen", sagte Georg Baum, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Die Daten der Auswertung stammen aus dem Onlinesystem "Ivena", das im Norden von den Bundesländer Bremen und Niedersachsen genutzt wird. "Panorama 3" konnte zwischen August 2019 bis Januar 2020 über vier Monate hinweg auf die "Ivena"-Daten von 84 Kliniken mit Intensivstationen in Niedersachsen und Bremen zugreifen. Der Datenauswertung Ende 2018 lagen Daten von Anfang November bis Anfang Dezember 2018 zugrunde.

"Panorama 3" wurde am Dienstagabend, 11. Februar im NDR Fernsehen ausgestrahlt.

© Adobe Stock/saengsuriya13

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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