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Immer mehr Angestellte greifen zu Gehirndoping

Immer mehr Angestellte greifen zum Gehirndoping: Sie putschen sich mit Medikamenten auf, um beruflichen Stress zu meistern und der Arbeitsbelastung standzuhalten. Der Missbrauch kann zur Sucht führen.
Manch einer greift zur Pille, um dem Arbeitsalltag standzuhalten

Angestellte unter Leistungsdruck - manche greifen zu Gehirndoping

Dem unlängst veröffentlichten DAK Gesundheitsreport zu Folge stieg der Anteil der Beschäftigten, die Gehirndoping - auch Neuro Enhancement oder Neurodoping genannt - betreiben, innerhalb von sechs Jahren von 4,7 auf  6,7 Prozent. Das Thema ist relevant – und wird daher auch auf dem Fach-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) vom 25. bis 28. November in Berlin diskutiert.

Bereits Studenten greifen heutzutage zu bestimmten Wirkstoffen, um etwa die Arbeitslast vor der Abgabe von Klausuren besser zu bewältigen. So nehmen einige Aufputschmittel wie das ADHS-Medikament Ritalin - und rauchen dann zum Entspannen Cannabis.

Gehirndoping um leistungsstark zu bleiben

Wer in der Arbeitswelt zu Aufputschmitteln greift, will funktionieren, sich zwischen lauter Leistungsträgern beweisen oder zumindest nicht versagen, heißt es weiter. Für Führungskräfte gilt das besonders. Darauf weisen die Oberbergkliniken in einer Pressemitteilung hin.

„Sie erfüllen eine sehr verantwortungsvolle Position, müssen hohen inneren und äußeren Erwartungen gerecht werden, schlafen viel zu wenig und haben oft nur wenig Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen. Um all dem standzuhalten, ist Gehirndoping ein vermeintlich einfacher Weg“, sagt Christoph Middendorf, medizinischer Geschäftsführer der Oberbergkliniken, die unter anderen auf Abhängigkeits-Erkrankungen spezialisiert sind.

Gehirndoping: Betablocker für die Nerven, Ritalin gegen die Müdigkeit

Ein paar Betablocker vor der nächsten Vorstandssitzung, um weniger aufgeregt zu wirken. Ein wenig Ritalin gegen den Schlafmangel und für die volle Konzentrationsfähigkeit in der nächsten Verhandlungsrunde. „Doch der Schritt vom Medikamenten-Missbrauch zur -Sucht ist schneller gemacht, als viele denken“, sagt Middendorf,  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, in der Klinik-Mitteilung.

Wer Neurodopingmittel über einen längeren Zeitraum einnimmt und dann absetzt, kann Entzugserscheinungen entwickeln: Kopfschmerzen, Übelkeit, innere Unruhe. Das unbedingte Verlangen nach dem Medikament wird immer größer. Das chemische Hilfsmittel wird zum Lebensmittelpunkt, die Gedanken drehen sich um die „erlösende“ Wirkung des Stoffs.

Auch Beruhigungsmittel stehen hoch im Kurs. Zum Beispiel hilft eine Dosis Diazepam Betroffenen, um nach nächtelanger Arbeit wieder entspannen zu können.

Ausweg aus dem Leistungsdruck: Grenzen anerkennen

Damit es erst gar nicht erst zu einer Abhängigkeit  kommt, empfiehlt Middendorf, die eigenen Grenzen anzuerkennen: „Wer immer wieder von Neuem versucht, diese zu überschreiten, entwickelt irgendwann das Bedürfnis zu dopen.“ Können sich Betroffene selbst nicht mehr aus ihrer kritischen Lage zwischen Leistungszwängen und Leistungspushern befreien, bietet eine ambulante oder auch stationäre Behandlung Hilfe, sagt der Mediziner.

Foto: Picture Factory

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