. Selbstzahlerleistungen für Patienten

IGeL: Krankenkassen sehen oft den Nutzen nicht

Viele Selbstzahlerleistungen, die in Arztpraxen angeboten werden, haben für Patienten keinen Nutzen. Das findet der Medizinische Dienst der Krankenkassen.
Viele IGeL fallen beim Medizinischen Dienst durch.

Der Ultraschall von Eierstöcken wird von den Kassen kritisch gesehen.

Seit drei Jahren bietet der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) Informationen zu den Selbstzahlerleistungen an. Auf dem Internet-Portal www.igel-monitor.de werden die Arzt-Angebote, die nicht zu den Kassenleistungen gehören und die Patienten deswegen aus eigener Tasche zahlen müssen, beschrieben und auch nach ihrem Nutzen bewertet. 37 Selbstzahlerleistungen finden sich inzwischen auf der Webseite, das Spektrum reicht von der Augeninnendruck-Messung zur Glaukom-Erkennung über die professionelle Zahnreinigung bis hin zum PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Keine dieser sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) hat der MDS bisher mit „positiv“ bewertet. Nur  vier IGeL sieht der MDS immerhin als „tendenziell positiv“ an: Dazu gehören die Akkupunktur zur Migräneprophylaxe, die Laser-Behandlung von Krampfadern, die Lichttherapie bei „Winterdepression“ und die Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz.

Vier IGel-Leistungen bekommen schlechte Noten

16 der aufgeführten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden gibt der MDS nur die Bewertung „negativ“ oder „tendenziell negativ“. Am schlechtesten schneiden aktuell die Bestimmung des Immunglobulin G bei Nahrungsmitteln, die Colon-Hydro-Therapie, der Toxoplasmose-Test bei Schwangeren sowie der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung ab. Bei 13 Leistungen findet der MDS den Nutzen „unklar“. 

Als aktuelles Beispiel nennt der Medizinische Dienst die Kombinationsuntersuchung aus Augenspiegelung und Messung des Augeninnendrucks, mit der der Grüne Star frühzeitig erkannt werden soll. „Der Nutzen der Kombinationsuntersuchung wäre gegeben, wenn Sehbeeinträchtigungen verhindert werden könnten. Dafür konnten wir in den wissenschaftlichen Studien keine ausreichenden Hinweise identifizieren“, so Dr. Michaela Eikermann vom MDS. Die Bewertung für die Kombi-Untersuchung laute deshalb „tendenziell unklar“.

MDS will Transparenz schaffen

Mit dem IGeL-Monitor, der von Ärzteseite kritisiert wird, will der MDS nach eigenen Angaben „Transparenz in einen undurchsichtigen Markt“ bringen. Man biete den Versicherten eine wissenschaftliche fundierte und dennoch leicht verständliche Entscheidungshilfe.

Laut Medizinischer Dienst besuchen bis zu 1500 Interessierte am Tag das Informations-Portal. An Boom-Tagen seien es bis zu 10.000 Besucher.

 © Stefan Merkle – fotolia.com

Autor: Julia Frisch

Weitere Nachrichten zum Thema Privatleistungen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.