. Urologie

Hypospadie: Experten raten zur frühen Urethroplastik

Von Hypospadie betroffene Jungen sollten möglichst in den ersten eineinhalb Lebensjahren operiert werden – das geben die Leitlinien vor. Eine aktuelle Studie bestätigt nun, dass Komplikationen und Harnwegsprobleme bei späteren Operationen deutlich häufiger auftreten.
Hypospadie früh operieren

Eine falsche Lage der Harnröhrenöffnung sollte möglichst früh operiert werden

Die Hypospadie ist eine der häufigsten angeborenen Missbildungen des äußeren männlichen Genitale. Dabei befindet sich die Harnröhrenöffnung nicht an der Eichelspitze, sondern auf der Penisunterseite. Die Leitlinie der Europäischen Urologenvereinigung EAU rät bei dieser Anomalie zu einem operativen Eingriff innerhalb der ersten sechs bis 18 Lebensmonate. Das ist vor allem bei einer sehr starken Verschiebung der Harnröhrenöffnung ratsam, die beispielsweise zu Problemen beim Urinieren führen kann. Dass ein früher Eingriff sinnvoll ist, bestätigt nun eine aktuelle Untersuchung französischer Forscher. Sie konnten zeigen, dass Komplikationen und Harnwegsprobleme bei späteren Eingriffen häufiger auftreten.

Weniger Komplikationen bei frühem Eingriff

Die Kinderurologen um Dr. Sarah Garnier vom Hôpital Lapeyronie in Montpellier hatten sich für ihre Studie nicht nur auf den Erfolg der Operation selbst, sondern auch auf die Raten an Komplikationen und späteren Problemen konzentriert. Dafür werteten sie die Daten von 464 Jungen aus, die sich aufgrund einer Hypospadie in einem Zeitraum von 12 Jahren einer Urethroplastik unterzogen hatten. Bei zwei Drittel der Betroffenen lag die Harnröhrenöffnung glandulär oder im vorderen Penisbereich, 21 Prozent trugen sie in einer mittleren Penislage, bei den übrigen lag sie weiter posterior oder skrotal.

Die Forscher analysierten nun die Komplikationsraten nach den Eingriffen und setzten sie ins Verhältnis zum Zeitpunkt des Eingriffs. Dabei teilten sie die Kinder in zwei Gruppen ein: In der ersten Gruppe fand die Urethroplastik in den ersten beiden Lebensjahren statt, in der zweiten Gruppe später, nämlich im Durchschnitt nach 67 Monaten. Der Schweregrad der Hypospadie war in beiden Gruppe vergleichbar und auch in den angewandten Operationsmethoden gab es keine Unterschiede. Dennoch zeigte sich, dass es nach Operationen im jüngeren Lebensalter zu einer signifikant geringeren Komplikationsrate kam (26 Prozent versus 41 Prozent).

 

Ab einem Alter von sechs Monaten kann operiert werden

Zu den Komplikationen gehörten vor allem Fisteln (13 Prozent), Stenosen (acht Prozent) und Harnwegsbeschwerden (fünf Prozent). Wundheilungsstörungen und Hautnekrosen traten bei 1,9 Prozent der operierten Jungen auf, größere Hämatome oder Blutungen bei 0,9 Prozent. Immerhin 23 Prozent der Betroffenen mussten aufgrund der Probleme erneut operiert werden. Nach Ansicht der Forscher bestätigen die Ergebnisse die Empfehlungen zur möglichst frühen Operation bei Hypospadie. Allerdings sollte in den ersten sechs Monaten nicht operiert werden, da hier das Risiko für Schäden durch die Narkose sowie für Blutungen erhöht ist.

In der Regel wird eine Hypospadie in drei Stufen durchgeführt: Penisschaftaufrichtung, Formierung einer neuen Harnröhre und die Positionierung in die Eichelspitze. Meistens wird dabei gleichzeitig eine Beschneidung durchgeführt, da die Vorhautschürze zur Harnröhrenrekonstruktion gebraucht wird. Der Eingriff dauert rund zwei bis drei Stunden, und in der Regel können die Kinder nach fünf Tagen wieder nach Hause.

Foto: © Marco Herrndorf - Fotolia.com

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