Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Hyposensibilisierung: Geht das noch in der Heuschnupfenzeit?

Mittwoch, 20. April 2022 – Autor:
Eine „Hyposensibilisierung“ ist eine Art Impfung gegen Allergien. Diese besondere Form von Immuntherapie kann sich über einen Behandlungszeitraum von etwa drei Jahren hinziehen und soll die Symptome dauerhaft beseitigen. Kann man damit auch beginnen, wenn die Heuschnupfensaison schon läuft? Oder ist das riskant?
Mädchen mit weißem Schnupftuch im Löwenzahnfeld.

Gegen Heuschnupfen helfen kurzfristig Antihistaminika – und langfristig eine sogenannte Hyposensibilisierung. – Foto: DAK-Gesundheit/Wigger

Die Augen tränen und jucken, die Nase läuft und kitzelt, manchmal fühlt es sich an, als würden 1.000 Ameisen auf einmal im Kopf herumkrabbeln: Immer mehr Menschen reagieren im Frühjahr auf Blütenpollen und leiden an den lästigen Symptomen des Heuschnupfens (fachsprachlich: saisonale allergische Rhinitis). Inzwischen sind bereits 20 Prozent der Erwachsenen und 13 Prozent der Kinder von einer Pollenallergie betroffen, heißt es beim Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Bei manchen Patienten kommen asthmatische Beschwerden hinzu: eine allergiebedingte Verengung der Atemwege mit erhöhtem Atemwiderstand.

Akute Heuschnupfenprobleme: Antihistaminika helfen

Wenn die Symptome wie jetzt im Frühjahr unerträglich werden, weil etwa die von vielen gefürchteten Birkenpollen in der Luft unterwegs sind, braucht es Medikamente, die schnell und spürbar wirken. Antihistaminika sind hier das Mittel der Wahl: Das sind Arzneimittel, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin abschwächen oder aufheben, der bei Abwehrreaktionen des Körpers eine Rolle spielt. Angeboten werden sie in Form von Tabletten, Augentropfen oder Nasensprays.

 

Langfristige Abhilfe: Die „Hyposensibilisierung“

Der zweite Weg, den Heuschnupfen erträglicher zu machen, ist die sogenannte Hyposensibilisierung. Bei dieser speziellen Form von Immuntherapie bekommen Patienten winzige Mengen der Substanz, auf die das Abwehrsystem übersensibel reagiert (beispielsweise aufbereiteter Blütenstaub), vom Arzt unter die Haut gespritzt. Zu Beginn der Hyposensibilisierung wird die Dosis langsam gesteigert. Auf diese Weise lernt der Körper, auf dieses bestimmte Allergen nicht mehr überschießend zu reagieren. „Es ist in etwa so, als würde man gegen die eigene Allergie ‚geimpft‘“, heißt es dazu in einer Patienteninformation des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Ziel der Hyposensibilisierung: Allergiesymptome verschwinden komplett

Ziel dieser Therapiestrategie ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zumindest spürbar zu verringern. Eine Besserung von Niesreiz, verstopfter Nase, Augenjucken und -tränen ist schon im ersten Jahr möglich. Im besten Fall verschwinden die Allergiesymptome während der Behandlungsdauer komplett. Auch kann eine Hyposensibilisierung verhindern, dass sich aus einem bloßen Heuschnupfen im Laufe der Zeit im tieferen Teil der Atemwegeein allergisches Asthma entwickelt.

Hyposensibilisierung: Wirkt langfristig, braucht aber Zeit und Geduld

Diese auf eine langfristige und im Idealfall dauerhafte Wirkung angelegte Behandlungsform verlangt aber ihrerseits den Patienten Zeit und Geduld ab. Bis die Erhaltungsdosis erreicht ist, finden die Termine mit der Spritze wöchentlich, danach alle vier bis sechs Wochen statt. Die Dauer einer Hyposensibilisierung richtet sich danach, wie lange das Immunsystem beim einzelnen Patienten braucht, um sich an die bislang als schädlich empfundene Substanz zu gewöhnen. In der Regel dauert es aber mindestens zwei bis drei Jahre, bis die Behandlung ihre volle Wirkung zeigt.

Wie riskant ist ein Therapiebeginn in der Heuschnupfensaison?

Aber wann kann – oder sollte – so eine Hyposensibilisierungs-Therapie beginnen? Geht das auch jetzt, wo einen die Allergiesymptome schon plagen? Und wäre das überhaupt sinnvoll? „An sich sollte die Hyposensibilisierung einige Monate vor Beginn der jeweiligen Pollenflugsaison beginnen“, sagt Ludger Klimek, Präsident des Ärzteverbands der Deutschen Allergologen, im Patientenmagazin „Hausarzt". Als ideale Zeit dafür gilt Experten zufolge der Herbst. „Dann erhält der Betreffende genügend Extrakte mit Allergenen, sein Immunsystem kann sich optimal daran gewöhnen. Beginnt sie gleichzeitig mit der gefürchteten Heuschnupfensaison, könnte sie das Abwehrsystem vielleicht auch überfordern", erklärt der Allergologe aus Wiesbaden.  

Dem Magazin Hausarzt zufolge sind inzwischen aber einige Wirkstoffe zugelassen, mit denen Mediziner schon während der Heuschnupfensaison mit der Immuntherapie starten können. Diese sogenannten depigmentierten Allergoide sind demnach speziell aufbereitet und belasten den Körper nicht. Sie machen zwar nicht beschwerdefrei, aber die Betreffenden brauchen deutlich weniger Medikamente. „So kann es sein, dass jemand nur noch Nasenspray, aber keine Tabletten mehr benötigt", erklärt Allergiearzt Klimek. Ob diese speziellen Präparate infrage kommen, sollte man am besten mit seinem Allergologen besprechen.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Allergie , Heuschnupfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Allergien“

02.03.2022

Ist Milch gesund oder ungesund? Darüber gibt es kontroverse Ansichten in der Wissenschaft. Nun konnten MS-Forscher aus Bonn nachweisen, dass das Casein aus der Kuhmilch die Myelinschicht schädigt. Die Forscher gehen auch von Gefahren für Gesunde aus.

Sellerie, Senf, Erdnüsse: Zutaten von Lebensmitteln, die Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten sein können, müssen auf der Verpackung verpflichtend angegeben sein. Ein wichtiger und zuverlässiger Hinweis für Allergiker bei der Kaufentscheidung. Doch was bedeutet der Hinweis „Kann Spuren von Xy enthalten"?

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Viele gesundheitsbewusste Verbraucher wissen genauso wie Diabetiker um die dick- und krankmachende Wirkung von Zucker. Deshalb richtet sich deren Hoffnung auf Süßstoffe. Doch obwohl sie zuckerfrei und zumindest kalorienarm sind, machen auch sie offenbar dick.


Ist die Infektion abgeklungen, ist Covid-19 für viele Patienten keineswegs vorbei – es geht nur anders weiter. Die AOK hat ein neues Beratungsportal geschaltet: damit Long-Covid-Patienten diese neue Krankheit besser verstehen und leichter mit ihr umgehen können.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin