Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
27.06.2017

Hyaluronsäure-Spritzen to go: Gefährliches Geschäft mit den Falten

Die Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure ist ein Millionengeschäft. Doch wer darf den beliebten Füller eigentlich spritzen? Das WDR-Magazin „Markt“ hat Unglaubliches aufgedeckt.
Da geht noch was: Viele Frauen lassen sich die Falten mit Hyaluronsäure wegspritzen. Doch Vorsicht vor zu preiswerten Angeboten

Da geht noch was: Viele Frauen lassen sich die Falten mit Hyaluronsäure wegspritzen. Doch Vorsicht vor zu preiswerten Angeboten

Hyaluronsäure hat die Eigenschaft, sehr viel Wasser im Gewebe zu binden. Mit dem Alter nimmt die natürliche Substanz des Körpers jedoch ab. Das Gewebe wird schlaff und faltig, zum Leidwesen vieler Frauen. Während der Nutzen von hyaluronsäurehaltigen Cremes fragwürdig ist, ist der Effekt von einer Faltenunterspritzung unmittelbar zu sehen. Lippen werden voller, Falten glatter – kurz, das Gesicht wirkt jünger. 

Hyaluronsäure-Spritzen sind mittlerweile ein Millionengeschäft. Vor allem Hautärzte verdienen daran, aber auch Plastische Chirurgen und andere Facharztgruppen. Anders als bei Botox, das ausschließlich von Ärzten gespritzt werden darf, dürfen in Deutschland auch Heilpraktiker Hyaluronsäure spritzen. Doch offenbar interessieren sich noch ganz andere Berufsgruppen dafür. Wie das WDR-Magazin „Markt“ jetzt aufgedeckt hat, besuchen auch Kosmetikerinnen, Nageldesignerinnen und Fußpflegerinnen Seminare, wo sie die Kunst der Faltenunterspritzung in 120 Minuten erlernen. Die Kurse werden von Heilpraktikern geleitet, geübt wird an echten Patienten.

Fußpflegerinnen machen Crash-Kurse bei Heilpraktikern

„Der WDR hat unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt“, sagt Prof. Raymund E. Horch, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). „Wenn Laien nach nur zwei Stunden Theorie Spritzen in das Gesicht einer Patientin setzen, ist dies verantwortungslos und gefährlich.“

Mediziner brauchen Jahre um zu lernen, wo Muskeln, Blutgefäße und Nerven verlaufen und wie die Haut aufgebaut ist. Schon bei Heilpraktikern ist fraglich, wie gut sie wirklich die Gesichtsanatomie kennen. Aber was weiß eine Nageldesignerin nach zwei Stunden Seminar?

Sparen kann teuer werden

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte 2012 bestätigt, dass Kosmetikerinnen und Kosmetiker keine Hyaluronsäure unterspritzen dürfen. Aus gutem Grund: „Wenn Sie Hyaluronsäuren aus Versehen in ein Blutgefäß oder in einen Nerv spritzen, kann dies ernste Folgen haben. Teile des Gesichts können absterben – oder Sie können erblinden“, warnt Horch. Ein Laie könne die Gefahren weder abschätzen noch die Folgen einer fehlerhaften Unterspritzung behandeln. Darum betrachte man auch die zahlreichen Heilpraktiker-Angebote mit Sorge. „Das günstige Hyaluronsäure-Angebot kann für den Patienten schnell zu einer großen Gefahr werden“, sagte der Mediziner mit Blick auf Dumpingangebote, die Kunden mit Rabatten von bis zu 70 Prozent anlocken. Dass hinter diesen Angeboten nicht immer eine medizinische Ausbildung steht, lässt sich erahnen.

Foto: © Lydie - Fotolia.com

 
Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Plastische Chirurgie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kosmetische Medizin

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Wolfgang Brittner, Facharzt für Neurologie an der Neuropraxis 38 - Schwerpunktpraxis für Kopfschmerz, Schmerz und Multiple Sklerose - über chronische Migräne, die Wirkung von Botox und Erfolge in der Schmerztherapie.
 
Weitere Nachrichten

Mit einer steilen These hat sich der Berliner Infektionsschutzexperte Klaus-Dieter Zastrow in die laufende Debatte über Wege aus den Lebensbeschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie eingeschaltet. „Warum desinfizieren wir uns nicht die Mundhöhle, da wo das Virus sitzt?", sagte Zastrow im TV-Sender Phoenix. Wenn man das befolge, könnten Schulen, Geschäfte, Restaurants und Kulturstätten in Kürze wieder öffnen.

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
 
Kliniken
Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.

Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin