Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Hunderte neue Viren schlummern in Insekten

Freitag, 10. Januar 2020 – Autor:
Infektionsforscher haben Hunderte neuer Viren in Insekten entdeckt. Die Bedeutung für den Menschen ist noch nicht klar. Allerdings schließen die Forscher neue Infektionskrankheiten nicht aus.
Infektionsforscher haben in Insekten ein riesiges Reservoir an neuen Viren entdeckt

Wer sucht, der findet: Infektionsforscher haben in Insekten ein riesiges Reservoir an neuen Viren entdeckt

Tiere waren und sind ein Reservoir von Krankheitserregern, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Beispiele sind das von Mücken ausgehende Zika-Virus, die Vogelgrippe-Viren oder das Kamel-assoziierte MERS-Virus. Doch das ist nur die Spitze eines Eisbergs. Viele potenzielle Krankheitserreger sind noch gar nicht entdeckt. Das zeigt eine  Untersuchung von  Wissenschaftlern der Charité und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF).

Jedes Virus kann ein potenzieller Krankheitserreger sein

In Proben von mehr als 1.200 verschiedener Insektenarten haben die Forscher mindestens 20 neue Virusgattungen, bei einigen stehen noch die letzten Prüfungen aus. Insgesamt soll es sich um Hunderte bislang unentdeckter Viren handeln. „Jedes neue Virus, das wir finden, könnte eine bisher unerkannte Ursache von Erkrankungen sein, sowohl beim Menschen als auch bei Nutztieren“, erklärt DZIF-Forscher Prof. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte. Darum sei es wichtig, die potenziellen Krankheitserreger zu kennen. „Je mehr Viren wir kennen und in unserer Datenbank speichern, umso leichter können wir die Ursache von neu auftretenden ungewöhnlichen Erkrankungen erkennen“, so Drosten.

 

RNA-Viren im Fokus der Untersuchung

Für die aktuelle Studie haben die Infektionsforscher die weltweit größte Transkriptom-Datenbank genutzt, um Virusgenome bei Insekten zu untersuchen. Anders als üblich wurde das Augenmerk nicht allein auf Moskitos und andere blutsaugende Insekten gelegt, sondern auf alle Insektenarten.

Bei den untersuchten Viren konzentrierten sich die Forscher dagegen auf Viren mit sogenannter negativer einzelsträngiger Ribonukleinsäure (RNA). Zur Gruppe von RNA-Viren gehören unter anderem die Krankheitserreger von Ebola, Masern, Tollwut und Lungeninfektionen.

Infektionsursachen schneller aufspüren

Die neu gefundenen Viren wurden bereits in Datenbanken gespeichert. Diese Informationen sind dann wichtig, wenn seltene und ungewöhnliche Erkrankungen beim Menschen auftreten, also etwa alle Symptome auf eine Virusinfektion hinweisen, ein Virus jedoch nicht nachgewiesen werden kann. „Wir benutzen dann Hochdurchsatz-Sequenziermethoden, um nach allen Viren zu fahnden, die in den Patientenproben vorkommen“, erklärt Virologe Droste. Sei das entsprechende Virus in der Datenbank hinterlegt, werde der Krankheitsverursacher auch gefunden. „Mit der Erweiterung um die neuen Insektenviren steigen die Erfolgschancen bei der Suche.“

Die Informationen sollen auch helfen, Epidemien zu verhindern. Im Rahmen des DZIF-Projektes „Virusnachweis und Pandemieprävention“ wollen sich die Wissenschaftler auch in den kommenden Jahren weiter auf neu auftretende Viren vorbereiten.

Die aktuelle Arbeit „Reassessing the diversity of negative strand RNA viruses in insects“ wurde soeben in der Fachzeitschrift PLOS Pathogens* veröffentlicht.

Foto: pixabay

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Viren , Insekten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Viren

11.12.2019

Vogelgrippe, Schweinegrippe – die Namen besagen, dass Grippeviren vom Tier auf den Menschen springen können. Doch bevor eine Pandemie daraus wird, muss eine Übertragung von Mensch zu Mensch gegeben sein. Und hier gibt es offenbar eine natürliche Bremse, wie Forscher jetzt an Vogelgrippeviren vom Typ Influenza A zeigen konnten.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Der Klimawandel sorgt nicht nur für heißere Temperaturen und Unwetter. Er wird auch Mücken nach Europa treiben, die Krankheitserreger wie Malaria übertragen. Ein Modell der Uni Augsburg zeichnet ein düsteres Szenario bis Ende des Jahrhunderts.
 
Weitere Nachrichten

Ist die Infektion abgeklungen, ist Covid-19 für viele Patienten keineswegs vorbei – es geht nur anders weiter. Die AOK hat ein neues Beratungsportal geschaltet: damit Long-Covid-Patienten diese neue Krankheit besser verstehen und leichter mit ihr umgehen können.

 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin