. Hüftsonografien bei Säuglingen

Hüftgelenksdysplasien bei Säuglingen: Ultraschall sorgt für Klarheit

Drei Prozent aller Kinder kommen mit einer Hüftgelenksdysplasie zur Welt. Ärzte, die Säuglingshüften per Ultraschall untersuchen, müssen sich jetzt einer Qualitätsprüfung unterziehen.
Hüftgelenksdysplasien bei Säuglingen: Ultraschall sorgt für Klarheit

Früherkennung von Hüftgelenksdysplasien

In Deutschland sollte jeder Säugling im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U3, in der vierten bis fünften Lebenswoche, auf Hüftgelenksdysplasien untersucht werden. "Dennoch treten immer wieder Fälle auf, in denen die Fehlstellung der Hüftgelenke nicht richtig und rechtzeitig erkannt und behandelt wird", erklärt Dr. med. Rainer Berthold, niedergelassener Facharzt für Orthopädie in Wetzlar und Sprecher des Arbeitskreises Bewegungsorgane der Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Die Experten der Fachgesellschaft begrüssen deshalb die Neuregelung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), wonach Ärzte, die Hüftsonographien bei Säuglingen durchführen, sich seit 1. April 2012 einer "Initialprüfung" unterziehen müssen. Die ersten zwölf Hüftsonografien, die sie abrechnen, müssen sie zur Prüfung einreichen. Auch nach bestandener "Initialprüfung" müssen die Ärzte in regelmässig die Qualität ihrer Diagnostik nachweisen: eine Stichprobenprüfung findet zwei Jahre nach der Zulassung und anschliessend im Fünfjahresabstand statt.

Unbehandelt können Hüftgelenksdysplasien zu Arthrose führen

Ursache einer Hüftgelenksdysplasie ist die verzögerte Verknöcherung der knorpeligen Hüftgelenkspfanne. Dadurch verschiebt sich der Kopf des Oberschenkelknochens, der sogar aus der Pfanne herausrutschen kann. Für die sonografische Beurteilung einer Säuglingshüfte existieren klare Vorgaben: Anhand verschiedener Checklisten können Ärzte den Verknöcherungszustand und damit den Grad der Dysplasie exakt bestimmen und sofort eine Behandlung einleiten. "Wird dieses Verfahren nicht oder falsch angewendet, kann dies für den Patienten schwerwiegende Folgen haben", Professor Dr. med. Peter Haber, Leiter der pädiatrischen Sonografie der Universitätskinderklinik Tübingen und Vertreter der DEGUM-Sektion Pädiatrie.

Unbehandelt führt die Fehlstellung der Hüftgelenksknochen zu Schmerzen, einem zunehmend hinkenden Gangbild und als Spätfolge zu einer Hüftgelenksarthrose. Wird die Erkrankung in den ersten Lebenswochen richtig diagnostiziert, kann sie mittels spezieller Wickeltechniken, Beugebandagen oder einem Beuge-Spreizgips behandelt werden. "Nur in seltenen Fällen ist heute noch eine Operation notwendig", erläutert Haber.

Ultraschall bei Säuglingen

Viele Geburtskliniken bieten eine Ultraschalluntersuchung in den ersten Lebenstagen an. "Dieser frühe Untersuchungstermin ist deshalb so wichtig, weil die Verknöcherungsgeschwindigkeit in den ersten sechs Lebenswochen sehr hoch ist und sich langsam bis zum vierten Lebensmonat vermindert", erklärt Kinderorthopäde Dr. med. Hans Dieter Matthiessen aus Dortmund. "Je früher mit der biomechanische Behandlung begonnen werden kann, desto besser. Heute ist es durchaus möglich, eine dezentrierte Hüfte bis zum dritten Lebensmonat in eine altersentsprechend gut entwickelte Hüfte zu überführen", so der Experte.

Foto: © Kraftprotz/pixelio

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