Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

HPV: Antikörper könnten Krebsrisiko anzeigen

Humane Papillomviren (HPV) können verschiedene Tumorerkrankungen verursachen – unter anderem Krebs im Rachenraum. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums stellten nun fest, dass bestimmte Antikörper geeignet sein könnten, ein erhöhtes Risiko für Karzinome im Rachenraum anzuzeigen.
HPV, Rachenkrebs, Krebsrisiko, Antikörper

Humane Papillomaviren lösen nicht nur Gebärmutterhaltskrebs aus, sondern erhöhen auch das Risiko für Mund-, Rachen- und Analkrebs.

Das Humane Papillomvirus (HPV) ist vielen vor allem im Zusammenhang mit Gebärmutterhalskrebs bekannt. Doch die Viren – insbesondere der Hochrisiko-Typ HPV-16 – können auch andere Krebsarten auslösen, darunter Analkarzinome und Oropharynx-Karzinome, also Tumoren im Bereich des hinteren Drittels der Zunge sowie der Rachenmandeln. In Deutschland lassen sich fast die Hälfte der Oropharynx-Karzinome auf HPV zurückführen – mit steigender Tendenz. Betroffen sind vor allem Männer.

Wissenschaftler um Tim Waterboer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) wollten nun wissen, ob der Nachweis von Antikörpern gegen HPV für die Früherkennung von Rachenkrebs geeignet sein könnte. In Zusammenarbeit mit australischen Wissenschaftlern analysierten die DKFZ-Forscher daher Blutproben von insgesamt 617 Männern, die an einer prospektiven Studie zu HPV-bedingtem Krebs teilnahmen.

Zusammenhang zwischen Antikörpern und Krebsrisiko

Die Wissenschaftler suchten nicht nur nach Antikörpern gegen das Hüllprotein des Virus, sondern auch nach solchen, die sich gegen Proteine richten, die früh im Vermehrungszyklus von HPV entstehen. Diese können sich als Onkoproteine auswirken, also krebsfördernd sein. „Es ist bekannt, dass die meisten Betroffenen mit HPV-assoziierten Oropharynx-Karzinomen mehr dieser Antikörper gegen frühe Proteine im Blut haben als Menschen, die zwar infiziert sind, aber keine Tumore entwickeln,“ erklärt Waterboer die Vorgehensweise.

Wie sich zeigte, wiesen von den 617 Studienteilnehmern fast die Hälfte Antikörper gegen das HPV-Hüllprotein auf – nicht überraschend, da die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens irgendwann einmal eine HPV-Infektion durchmachen, oft ohne dies zu bemerken. Bei 13 der Männer wiesen die Wissenschaftler zusätzlich Antikörper gegen die frühen Proteine nach. Besonders auffällig war ein Mann, der hohe Antikörperlevel gegen gleich vier der frühen Proteine hatte. Bei zwei weiteren Probanden waren die Antikörper gegen zwei der frühen Proteine erhöht.

 

Weitere Studien notwendig

Anschließend kontaktierten die Wissenschaftler die betroffenen Männer, um sie auf mögliche Oropharynx-Karzinome zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass der Mann mit besonders auffälligem Antikörperstatus bereits infolge eines solchen Tumors verstorben war. „Außerdem wurde bei einem der Männer mit Antikörpern gegen zwei frühe Proteine ein Oropharynx-Karzinom entdeckt, das noch keine Symptome verursacht hatte und gut behandelbar war“, sagt Waterboer. Bei den übrigen auffälligen Probanden gab es keine Hinweise auf einen Tumor. Sie werden aber künftig engmaschig untersucht.

Waterboer geht davon aus, dass das Risiko für Oropharynx-Karzinome umso größer ist, je höher der Antikörperspiegel gegen frühe Proteine ist und je mehr frühe Proteine vom Immunsystem erkannt werden. Für einen endgültigen Beweis sind jedoch weitere Studien mit einer größeren Probandenzahl notwendig.

Hoffnung auf Früherkennung von Rachenkarzinomen

„Wir haben die Hoffnung, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen können, eines Tages für Hochrisikogruppen ein Screening zur Früherkennung von Oropharynx-Karzinomen zu entwickeln“, so Waterboer. Er betont in diesem Zusammenhang aber auch die Bedeutung der HPV-Impfung für beide Geschlechter. „HPV-Infektionen zu vermeiden kann nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs schützen, sondern auch vor anderen HPV-assoziierten Tumoren.“

Foto: Adobe Stock / Victor Moussa

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: HPV , Krebs , Gebärmutterhalskrebs , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema HPV

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin