. Präeklampsie

Hoher Blutdruck in der Schwangerschaft ist ein Alarmsignal

Ein ansteigender Blutdruck in der Schwangerschaft ist sehr gefährlich. Blutdrucksenkende Medikamente werden bei Schwangeren aber nur mit großer Zurückhaltung eingesetzt. Im Notfall hilft nur die Geburt, sagen Frauenärzte.
Bluthochdruck in der Schwangerschaft: im Extremfall muss die Geburt eingeleitet werden, um Mutter und Kind zu schützen

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Im Extremfall muss die Geburt eingeleitet werden, um Mutter und Kind zu schützen

Wenn der Blutdruck in der Schwangerschaft zu steigen beginnt, sind Frauenärzte alarmiert. Der Blutdruckanstieg kann nämlich durch eine unzureichende Sauerstoffversorgung der Plazenta ausgelöst werden.  Um das ungeborene Kind vor möglichen Schäden zu schützen, schüttet die Plazenta Stoffe aus, die den Blutdruck der Mutter erhöhen. Dadurch kann das Blut besser durch den Mutterkuchen fließen, so dass über die Nabelschnur auch die Versorgung des Babys mit Sauerstoff und lebenswichtigen Baustoffen vorübergehend verbessert wird.

Doch auch die werdende Mutter selbst ist Gesundheitsgefahren ausgesetzt: Ein Schwangerschafts-Bluthochdruck (Präeklampsie) tendiert dazu, im Lauf der Zeit immer stärker zu werden. Dadurch kann es nicht nur zu spürbaren Symptomen wie Kopfschmerzen kommen. Auch die Nieren werden belastet, so dass zunehmend wichtiges Eiweiß und Salz verlorengeht, was zu auffälligen Wassereinlagerungen führt. Steigt der Blutdruck ungebremst immer weiter, können Schwangere auch Herzprobleme, Sehstörungen und im Extremfall Krampfanfälle bekommen.

Therapie der Präeklampsie schwierig

Das Problem ist die Therapie. Früher versuchte man, bereits einen leicht erhöhten Blutdruck in der Schwangerschaft mit Arzneimitteln wieder abzusenken. Dabei wurde beobachtet, dass im Anschluss der Mutterkuchen geringer durchblutet wurde und das Kind in eine Notlage kam. Darum verordnen Ärzte heute erst ab einem Wert von150/100 mm Hg blutdrucksenkende Medikamente.

„Auf keinen Fall sollte an Flüssigkeit gespart werden“, sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Besonders wichtig sei auch die Kontrolle des Babys: „Man kann im Rahmen der Schwangerenvorsorge das Risiko für eine Störung in der Plazenta durch Laboruntersuchungen feststellen, die leider noch keine Kassenleistung sind.“

Bei einem entsprechenden Verdacht zeigen typische Laborwerte schon sehr früh – deutlich vor der 16. Schwangerschaftswoche, ob ein Risiko für eine sogenannte Präeklampsie besteht. In solchen Fällen wird der Blutfluss mit speziellen Ultraschall-Geräten mit der Doppler-Methode gemessen. Besteht das Risiko für eine frühe Plazenta-Störung, kann und sollte sehr niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) verordnet und eingenommen werden. Dieses Arzneimittel kann verhindern, dass schwere Komplikationen in der späteren Schwangerschaft auftreten.

Oftmals tritt ein Bluthochdruck erst in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf. "Wichtig sind deshalb in jeder Schwangerschaft das regelmäßige Messen des Blutdrucks sowie die Untersuchung des Urins. Im Urin kann eine krankhafte Eiweißausscheidung sicher festgestellt werden. Bei Auffälligkeiten gilt es zunächst engmaschig zu kontrollieren“, sagt Albring.

 

Bei einer schweren Blutdruck-Krise hilft nur die Geburt

Doch was, wenn der Bludtdruck immer weiter steigt? Dann hilft manchmal nur ein kaiserschnitt. „Die einzige Behandlung, die praktisch immer und sofort wirkt, den Blutdruck wieder senkt und nahezu alle Symptome verschwinden lässt, ist die Geburt“, betont Dr. Albring. Die aktuelle Behanldungsleitlinie empfiehlt, dass bei einer schweren Blutdruckkrise und bei einer ausgeprägten Wachstumsverzögerung des Babys wenn irgend möglich das Ende der 34. Schwangerschaftswoche abgewartet werden sollte. Eine stationäre Überwachung ist in dieser Situation zwingend, damit extreme Blutdruckanstiege mit Blutungen in den Augen und im Gehirn sowie epileptische Krampfanfälle nicht auftreten beziehungsweise rechtzeitig erkannt werden. „Die Geburt, auch notfalls als Kaiserschnitt in einem Perinatalzentrum, hilft Mutter und Kind innerhalb von wenigen Minuten aus der Gefahrenzone.“ 

Risikofaktoren für einen Bluthochdruck in der Schwangerschaft sind Übergewicht, Diabetes, ein Bluthochdruck schon vor der Schwangerschaft, sowie ein Alter über 40 Jahre. Auch bei Mehrlingsschwangerschaften und einem Schwangerschaftsdiabetes ist das Risiko erhöht.

Foto: © Adobe Stock/Andrey Popov

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schwangerschaft
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bluthochdruck in der Schwangerschaft

| Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat zu hohe Blutdruckwerte. Eine Gemeinschaftsstudie von 16 deutschen Universitäten und Instituten bestätigt jetzt, dass arterielle Hypertonie ein eigenständiger Risikofaktor auch für schwere COVID-19-Verläufe ist – vor allem, wenn sie nicht medikamentös behandelt wird.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Die EU-Kommission hat eine wichtige koordinierende Funktion zwischen den EU-Mitgliedsstaaten in der Coronakrise. So hat beispielsweise die EU Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 für alle Mitgliedsstaaten bestellt. Über die Rolle der EU in der Corona-Pandemie, die Diskussion um Grenzschließungen und die gemeinsame Impfstoffbeschaffung der EU sprach Gesundheitsstadt Berlin in einem Podcast mit dem langjährigen Mitglied des Europäischen Parlaments, Elmar Brok.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.