. Malariabekämpfung

Hoffnung für 200 Millionen Malariakranke

Malariamedikamente sind teuer. Forscher aus Berlin und Potsdam haben jetzt einen Weg entdeckt, wie man den wirksamsten Wirkstoff "Artemisinin" preiswert und in grossen Mengen herstellen kann.
Malariamedikamente sind teuer

P. H. Seeberger

Eine wirksame Therapie gegen Malaria gibt es zwar, aber längst nicht für alle der mehr als 200 Millionen Erkrankten weltweit. Millionen von Infizierten können sich das effektive Kombinationspräparat, das als wesentlichen Bestandteil Artemisinin enthält, nicht leisten. Mehr als eine Million Menschen sterben jedes Jahr an der tückischen Infektionskrankheit.

Artemisinin einfach und in großen Mengen herstellbar

Das könnte sich nun ändern. Denn Peter H. Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut in Potsdam und Chemie-Professor an der Freien Universität Berlin, und seine Mitarbeiter haben einen denkbar einfachen Weg gefunden, das chemisch sehr anspruchsvoll gebaute Molekül Artemisinin, das bislang aus Beifuss isoliert wird, zu synthetisieren. "Somit ist die Produktion des Wirkstoffs nicht länger von der Gewinnung aus Pflanzen abhängig", sagt Peter Seeberger.

Als Ausgangsstoff verwenden die Chemiker Artemisininsäure - eine Substanz, die bei der Isolierung von Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuss als bislang ungenutztes Nebenprodukt anfällt, und zwar in der zehnfachen Menge des Wirkstoffs. Zudem lässt sich Artemisininsäure leicht in gentechnisch veränderter Hefe erzeugen, weil sie eine viel einfachere Struktur besitzt als Artemisinin. "Wir verwandeln die Artemisininsäure in einem einzigen Schritt in Artemisinin", sagt Peter Seeberger.

Kosten für das Malaria-Medikament könnten gesenkt werden

Dafür haben die Wissenschaftler eine einfache Apparatur entwickelt, die es erlaubt, grosse Mengen sehr kontrolliert herzustellen. Sie nutzen umgebaute Fotoreaktoren, in denen sie die chemische Umwandlung in Gang setzen.  "Wir gehen davon aus, dass 800 unserer einfachen Fotoreaktoren reichen, um den weltweiten Bedarf an Artemisinin zu decken", sagt Peter Seeberger. Der Chemiker schätzt, dass die neuartige Synthese in etwa sechs Monaten in die technische Anwendung gelangen könnte, um den weltweiten Engpass an Artemisinin zu beseitigen und den Preis für entsprechende Medikamente deutlich zu senken.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Malaria , Forschung , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Malaria

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.