Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Höhere Temperaturen begünstigen postoperative Wundinfektionen

Nach Operationen kommt es häufig zu Wundinfektionen. Forscher haben nun untersucht, ob der Klimawandel – insbesondere die steigenden Temperaturen – mit steigenden Wundinfektionsraten assoziiert ist. Dazu analysierten sie die Daten aus 17 Jahren Krankenhaus-Infektions-Surveillance.
Wundinfektionen, Klimawandel, Temperatur

Bei höheren Temperaturen heilen infizierte Wunden schlechter

Um postoperativen Wundinfektionen vorzubeugen, ist es wichtig, die Faktoren zu identifizieren, die deren Auftreten begünstigen. Neben bekannten patientenbedingten Risikofaktoren, wie männliches Geschlecht, Übergewicht, Diabetes mellitus und hohes Alter, sowie operationsbedingten Risikofaktoren, wie Implantate, hohe Wundkontamination und Hypothermie, sind in den letzten Jahren zunehmend weitere Risikofaktoren in den Fokus der Forschung gerückt. Verschiedene Studien konnten dabei insbesondere einen Einfluss von Jahreszeit und Außentemperatur auf das Auftreten von Wundinfektionen zeigen. Grundsätzlich sind dabei höhere Temperaturen beziehungsweise wärmere Witterung mit einem vermehrten Auftreten dieser Ereignisse assoziiert.

Wundinfektionen nehmen bei höheren Temperaturen zu

Um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchten, hatten Forscher die Raten postoperativer Wundinfektionen aus den Jahren 2000 bis 2016 mit Daten des Deutschen Wetterdiensts über Außentemperatur, Niederschlag sowie weitere meteorologische Parameter verglichen. Dabei zeigte sich, dass bei Temperaturen über 20 Grad Celsius signifikant mehr Wundinfektionen auftraten als bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius.

Die Forscher stellten diesen Zusammenhang bei grampositiven und noch ausgeprägter bei gramnegativen Erregern fest. Nach Adjustierung für die im Modell verwendeten Faktoren zeigte sich zudem, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Wundinfektion pro ein Grad Celsius Temperaturanstieg um rund ein Prozent zunahm.

 

Präventionsstrategien anpassen

Die Autoren schließen daraus, dass es einen Zusammenhang zwischen Klimafaktoren und Wundinfektionsraten gibt. Da im Rahmen des Klimawandels ein weiterer weltweiter Anstieg der Temperaturen prognostiziert wird, gehen sie auch von einem vermehrten Auftreten von Wundinfektionen aus. Präventionsstrategien sollten ihrer Meinung nach daher verstärkt in den Fokus der Mediziner rücken. So könnte es nach Ansicht der Forscher beispielsweise sinnvoll sein, bestimmte elektive Operationen in kühleren Monaten durchzuführen beziehungsweise antimikrobielle Prophylaxen und präoperative Dekolonisationsmaßnahmen an saisonale Erregerschwankungen anzupassen.

Wundinfektionen im Krankenhaus häufig

Postoperative Wundinfektionen gehören zu den häufigsten nosokomialen Infektionen an deutschen Krankenhäusern. Vergleichbare Studien aus anderen Staaten zeigen ähnliche Ergebnisse. Schätzungen zufolge treten jedes Jahr etwa 800.000 Wundinfektionen in europäischen Krankenhäusern auf. Die beschriebene Studie wurde im Jahr 2019 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Quelle:
Aghdassi SJS, Schwab F, Hoffmann P, Gastmeier P: The association of climatic factors with rates of surgical site infections—17 years‘ data from hospital infection surveillance. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 529–36. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0529

Foto: © tpap8228 - Fotolia.com

Autor: anvo
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nosokomiale Infektion , Krankenhauskeime , Klimawandel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Klimwandel und Gesundheit

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin