Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Hodenkrebs: Zweitmeinung verbessert die Therapie

Sonntag, 28. Januar 2018 – Autor:
Jeder dritte Patient mit Hodenkrebs erhält eine andere Therapie als ursprünglich vorgesehen, wenn der Arzt eine Zweitmeinung einholt. Das Verfahren verbessert also die Behandlung.
hodenkrebs, krebs, krebsfrüherkennung, onkologie

Hodenkrebs-Patienten profitieren davon, wenn ihr Arzt eine Zweitmeinung einholt – Foto: ©momius - stock.adobe.com

Jeder dritte Patient mit Hodenkrebs erhält eine andere Therapie als ursprünglich vorgesehen, wenn der behandelnde Arzt nach der Diagnose eine Zweitmeinung bei einem ausgewiesenen Experten einholt. Das berichtet die Techniker Krankenkasse (TK). Sie verweist dabei auf Daten aus dem bundesweiten Zweitmeinungs-Netzwerk Hodentumor, das von der Kasse unterstützt wird.

Hodenkrebs zählt mit bundesweit jährlich rund 4.200 diagnostizierten Neuerkrankungen zu den seltenen Krebsarten. Richtig behandelt ist sie gut heilbar. Bei den unter 50-jährigen Männern ist er die häufigste bösartige Tumorerkrankung. Studien zeigen, dass die Behandlungs-Erfahrung der Ärzte - gemessen an der Zahl der Hodentumor-Fälle - einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Therapie hat. In dem Online-Zweitmeinungsportal bieten fast 40 Experten der Deutschen Hodentumor-Studiengruppe an, die Erstdiagnose und geplante Therapieplanung beratend zu unterstützten.

Zweitmeinung verbessert Therapie bei Hodenkrebs

„Die zweite Meinung hilft, unnötige oder belastende Behandlungen zu vermeiden und verbessert so die Versorgung für die Versicherten deutlich", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Die behandelnden Ärzte können den Aufwand für das Einpflegen der pseudonymisierten Patientendaten mit der TK abrechnen, auch die Arbeit des Zweitmeinungs-Experten und die Nachsorgedokumentation werden von der TK honoriert.

Zurzeit ziehen Urologen bei jedem vierten neu diagnostizierten Hodentumor-Fall einen Spezialisten aus dem Zweitmeinungsportal der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Deutschen Hodentumor Studiengruppe (GTCSG) hinzu. Klinikärzte und niedergelassene Urologen geben ihre Befunde im Onlineportal ein. Innerhalb von 48 Stunden erhalten sie von einem Spezialisten ihrer Wahl eine Rückmeldung zu ihrem Therapieplan. In 40 Prozent dieser Fälle konnte die Dosis der Chemotherapie reduziert werden, was die Lebensqualität der Patienten deutlich verbesserte. Einem Viertel der Patienten wurde zu einer intensiveren Behandlung geraten.

 

Online-Expertenrat macht die Behandlung sicherer

"Wenn die Zweitmeinungsberatung als Sicherheitsmaßnahme verstanden wird und nicht als Bevormundung, dann profitieren alle Beteiligten - am meisten der Patient - von diesem ergänzenden Arbeitsschritt", sagt Dr. Gerson Lüdecke, Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Gießen und einer der Online-Experten.

Prof. Mark Schrader, Leiter des Zweitmeinungsprojekts und Chefarzt Urologie im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: "Wenn noch mehr Ärzte die vereinte Expertise der Urologie-Spezialisten nutzen, werden wir die Versorgungsqualität bei Hodentumoren weiter verbessern. Patienten können flächendeckend mit Expertenrat versorgt werden, ohne dass sie sich selbst Expertenrat suchen müssen."

Foto: momius/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hodenkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hodenkrebs

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, dass auch Mitteleuropa verwundbar ist. Wie real ist die Gefahr durch militärisch oder terroristisch missbrauchte Krankheitserreger? Und wer könnte sie einsetzen? Der Chef-Virologe der Bundeswehr zeichnet im Interview mit uns ein Lagebild.


 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin