. Finanzierungskrise

Hochschulambulanzen werden zur Kostenfalle

Universitätskliniken behandeln jedes Jahr bis zu sieben Millionen Patienten ambulant. Dabei bekommen sie einen Großteil ihrer Leistung gar nicht vergütet. Für immer mehr Häuser werden die Hochschulambulanzen zur reinsten Kostenfalle.
Hochschulambulanzen werden zur Kostenfalle

Hochschulambulanzen: Für Millionen Patienten sind sie unentbehrlich, doch den Unikliniken reißen sie riesige Löcher in den Haushalt

Wenn diese Woche die Universitätskliniken und die Medizinischen Fakultäten mit bundesweiten Aktion „Wir leisten mehr“ auf ihre Lage aufmerksam machen, dann geht es ums Eingemachte: 19 von 33 Unikliniken erwarten für dieses Jahr ein Defizit. Nur noch fünf Häuser rechnen mit einem positiven Jahresergebnis. „Es geht inzwischen um die Zukunft der universitären Medizin in Deutschland“, machte der Wissenschaftliche Vorstand der Unimedizin Greifswald Professor Reiner Biffar deutlich. Vielen der 33 Universitätsklinika und 37 Medizinischen Fakultäten drohe der wirtschaftliche Kollaps.

Zwar sind fast alle Krankenhäuser in Deutschland von Kostensteigerungen und sinkenden Investitionszuschüssen der Länder betroffen. Die Universitätskliniken haben aber noch ein weiteres Problem. Sie erbringen Sonderleistungen, die aus ihrer Sicht nicht angemessen vergütet werden.

Eine große Universitätsklinik betreut im Schnitt 200.000 Patienten ambulant

Universitätskliniken behandeln überdurchschnittlich viele so genannte Hochkostenfälle, also Patienten mit sehr schweren, komplexen oder seltenen Erkrankungen. Nebenbei müssen sie sich um Forschung Lehre kümmern und dazu noch in der ambulanten Versorgung einspringen. „Vielerorts stellen die Hochschulambulanzen die ambulante Krankenversorgung sicher, obwohl die Universitätsmedizin gesetzlich nur zur Behandlung von Patienten im Rahmen von Forschung und Lehre verantwortlich ist“, sagt Reiner Biffar. Dies treffe in besonderem Maße auf die Behandlung von schweren und seltenen Krankheitsbildern zu.

Der Verband der Universitätsklinika (VUD) schätzt, dass Universitätskliniken mittlerweile etwa sechs bis sieben Millionen Patienten pro Jahr ambulant behandeln, meist in Spezialambulanzen mit interdisziplinären Teams. Die aufwändigen Diagnosen und Therapien würden allerdings nicht annähernd kostendeckend finanziert. Mit bis zu 200.000 Patienten jährlich in den Hochschulambulanzen der großen Uniklinika ergeben sich dort enorme Fehlbeträge, meint VUD-Vorstand Gunter Gotal. „Pro Uniklinikum können diese bis zu zweistellige Millionen Euro-Beträge pro Jahr ausmachen.“

Patientenzahlen sind gedeckelt. Jeder Dritte wird umsonst behandelt

Ein Grund dafür sind die teilweise viel zu gering bemessenen Fallpauschalen. Zudem ist die Vergütung der Hochschulambulanzen durch feste Vorgaben von Patientenzahlen gedeckelt. Doch weil die Patienten-Nachfrage in der Regel die festgelegten Fallzahlobergrenzen um ein Vielfaches übersteigt, behandeln viele Hochschulambulanzen jedes Jahr Tausende Patienten, ohne einen Cent dafür zu bekommen.

„Auch in Greifswald hat sich die Unterfinanzierung der 17 Hochschulambulanzen zu einem großen Problem entwickelt“, betont Gunter Gotal, der zugleich kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinkums Greifswald ist. Im letzten Jahr wurden 40.287 Patienten in den Greifswalder Polikliniken behandelt. „Für lediglich 29.000 Patienten konnten wir die Leistungen abrechnen, aber auch nicht kostendeckend“, so Gotal.

Aktionswoche der Universitätskliniken

Mit der Aktionswoche „Wir leisten mehr“ wollen die Universitätskliniken genau auf solche Missstände hinweisen. Es könne nicht sein, dass auf der einen Seite die Hochschulambulanzen für die Patienten mit komplexen Erkrankungen unentbehrlich seien, meint Gotal. „Andererseits entwickelt sie sich für unsere Unimedizin zu einer dynamischen Kostenfalle.“

Foto: © Kurt Kleemann - Fotolia.com

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