. Grundlagenforschung

Hochdosiertes Kortison bei MS-Schub: Vitamin D könnte sich als Wirkverstärker erweisen

Vitamin D kann möglicherweise die Kortisontherapie von MS-Patienten verbessern. Zu diesem Ergebnis sind Schweizer Forscher gelangt. Es handelt sich jedoch bislang nur um vorklinische Experimente.
MS, Kortison, Vitamin D

Forscher finden Hinweise, dass Vitamin D die Kortisontherapie bei MS-Schüben verbessern könnte

Vitamin D wird schon seit längerem in Zusammenhang mit Multipler Sklerose diskutiert. Forscher der Universität Bern (Schweiz) haben nun den Effekt des Sonnenvitamins auf die Kortisontherapie untersucht. Kortison-Präparate werden bei akuten Schüben eingesetzt, um die Entzündung zu lindern und so bleibende neurologische Beeinträchtigungen zu verhindern. Jedoch wirkt das Kortison oft nicht ausreichend.

Ob sich die antientzündliche Wirkung des Kortisons durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D verbessern lässt, haben die Schweizer Forscher nun in einem experimentellen Versuchsaufbau erforscht. Dabei kamen menschliche Zellen von MS-Patienten als auch künstlich krank gemachte Mäuse zum Einsatz. Tatsächlich zeigte die Labor-Studie: Vitamin D kann die entzündungshemmende Wirkung der Kortison-Therapie verbessern.

Vitamin D hemmt einen Signalweg

Zudem konnte das Team um Robert Hoepner die Mechanismen dieser Wirkungsverstärkung identifizieren – eine Hemmung des mTOR-(mammalian target of rapamycin)-Signalweges. Dieser neu entdeckte Mechanismus könnte die Möglichkeit eröffnen, noch wirksamere und spezifischere Medikamente zur Schubbehandlung von MS zu entwickeln, schreiben die Autoren im Fachjournal Acta Neuropathologica, wo die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit jetzt erschienen sind.

 

Klinische Studien müssen Hinweise erhärten

Ist es also sinnvoll, MS-Patienten bei aktuellen Schüben neben hochdosiertem Kortison auch Vitamin D zu geben? Es handle sich lediglich um erste Hinweise, die sich in klinischen Studien verdichten müssten, meinen die Studienautoren. Wenn sich die Hinweise jedoch bestätigten, könnten sie einen ersten Schritt für die Verbesserung der gegenwärtigen MS-Schubtherapie darstellen, für die sonst zur Intensivierung hauptsächlich Plasmaaustauschverfahren zur Verfügung stünden. Zusätzlich wäre denkbar, schreibt das Autorenteam weiter, mithilfe dieser Ergebnisse auch andere Autoimmunerkrankungen, in denen heute bereits Kortison-Präparate eingesetzt werden, noch wirksamer zu behandeln.

An der Studie „Vitamin D increases glucocorticoid efficacy via inhibition of mTORC1 in experimental models of multiple sclerosis” waren neben den Forschern des Neurozentrums am Inselspital Bern auch Zentren in Deutschland, Australien und den USA beteiligt.

Krankheit mit 1.000 Gesichtern

Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung des Nervensystems. Neben Epilepsie zählt sie zu den häufigsten neurologischen Krankheiten bei jungen Erwachsenen. Die fortschreitende Erkrankung greift die Markscheiden der Zellen im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) an und kann zu neurologischen Ausfallerscheinungen führen. Die Verläufe und das Therapieansprechen sind jedoch höchst unterschiedlich, so dass MS auch als die „Krankheit mit 1.000 Gesichtern“ bezeichnet wird.

Foto: © Magryt - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose , Kortison , Vitamin D
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

| Nach mehreren Fällen schwerer Nebenwirkungen hat die EMA ein Eilverfahren zur Überprüfung des Multiple-Sklerose-Wirkstoffes Daclizumab eingeleitet. Kurz danach gab der Hersteller bekannt, das Mittel eigenverantwortlich weltweit vom Markt zu nehmen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.