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06.07.2017

HLA-Gene neuer Risikofaktor für Kopf-Hals-Tumore

Rauchen, Alkohol und HPV gelten als die Risikofaktoren für Kopf-Hals-Tumore. Manche Menschen bringen aber eine genetische Veranlagung mit, die sogar noch schwerer wiegen soll, wie Wissenschaftler jetzt an HLA-Genen zeigen konnten.
Genetische Disposition für Kopf-Hals-Tumore aufgeklärt: Bei manchen Menschen ist die HLA-abhängige Immunantwort gestört

Genetische Disposition für Kopf-Hals-Tumore entdeckt: Bei manchen Menschen ist die HLA-abhängige Immunantwort gestört

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 18.000 Menschen an einem Kopf-Hals-Tumor. Dazu zählen alle Tumore im Mund, an der Zunge, an den Stimmbändern oder Kehlkopfkrebs. Raucher haben ein besonders hohes Risiko sowie Menschen, die viel Alkohol trinken. Neuerdings weiß man, dass auch HPV-Infektionen einen Großteil der Tumore aus dem HNO-Bereich auslösen. Jetzt konnten Wissenschaftler der Universitätsklinik Leipzig zeigen, dass es auch eine genetische Disposition gibt, die bislang so nicht bekannt war. Demnach bedingen sogenannte Humanen Leukozyten-Antigene, kurz HLA, eine Prädisposition für diese Tumorarten. Störungen in diesem Bereich führen offenbar dazu, dass entartete Zellen nicht mehr vom Immunsystem aussortiert werden und der Krebs ungehindert wachsen kann.

Nie geraucht und trotzdem Krebs

Die neuen Forschungsergebnisse seien auch ein Plädoyer gegen die Stigmatisierung vieler Krebspatienten, meint HNO-Professor Prof. Dr. Andreas Dietz vom Universitätsklinikum Leipzig. "Zu viel geraucht, zu viel getrunken - selbst schuld!", lautet meist die einfache Losung, durch die Patienten mit Kehlkopf-, Rachen- oder Zungenkrebs stigmatisiert werden“, sagt er. Viele Patienten litten psychisch unter dieser Zuschreibung. „Gerade junge Frauen, die immer einen gesunden Lebensstil gepflegt haben, fallen darunter“, so Dietz.

Die Wissenschaftler konnten sogar feststellen, dass die Genetik schwerer wiegt als die klassischen Risikofaktoren Rauchen, regelmäßig hoher Alkoholkonsum oder fortgeschrittenes Lebensalter der Patienten. „Somit greift die pauschale Zuweisung, der Patient trage die Schuld am Ausbrechen der Krankheit, zu kurz. Auch hier sind viele verschiedene Faktoren am Wirken“, berichtet Studienleiter Dr. Gunnar Wichmann mit Blick auf die neuen Erkenntnisse.

 

Gestörte Abwehr begünstigt Tumore

In der Studie untersuchten die Forscher das Blut von 90 Krebspatienten und analysierten molekulargenetisch die Erbinformation der weißen Blutkörperchen, den Leukozyten. Dabei wurde auch die Häufigkeit von sogenannten Humanen Leukozyten-Antigene, kurz HLA, erfasst. Diese Gene spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr, indem sie T-Lymphozyten aktivieren, die infizierte oder mutierte Zellen zerstören.

Diese HLA-abhängige Immunantwort und das Abtöten mutierter Zellen sind bei Patienten mit einer genetischen Prädisposition für Krebserkrankungen in der Kopf-Hals-Region jedoch gestört. Betroffen davon sind gewisse Allele. Allele bestimmen darüber, wie ein bestimmtes Gen ausgeprägt wird, ob ein Mensch beispielsweise braune oder blaue Augen hat. Für einige Allele des Gens HLA-B wiesen die Leipziger Wissenschaftler eine signifikant veränderte Frequenz nach. Wichmann erklärt: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die betroffenen HLA-B-Allele und deren Kombination mit Allelen von HLA-A und anderen Genorten des HLA-Genkomplexes, trotz fehlender Risikofaktoren Alkohol und Rauchen mit einem schlechteren klinischen Verlauf verbunden waren.“

Statistische Analysen ergaben, dass die identifizierten HLA-Merkmale stabiler den klinischen Verlauf prognostizieren als eine Reihe etablierter klinischer Faktoren wie Lebensalter, Rauchen, Alkoholkonsum, Tumorlokalisation, Tumorgröße oder Lymphknotenbefall. „Das hat uns sehr überrascht“, sagt Wichmann. „Das bedeutet, dass die Allele nicht mehr so miteinander zusammenwirken, dass letztlich alle entarteten Zellen erkannt und abgetötet werden können.“

Die Studie mit dem Titel HLA traits linked to development of head and neck squamous cell carcinoma affect the progression-free survival of patients",ist jetzt im fachmagazin "Oral Oncology" erschienen.

Foto: © kei907 - Fotolia.com

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Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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