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27.11.2017

HIV-Zahlen sinken nicht

Im Jahr 2016 haben sich etwa 3.100 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert. Damit bleibt die Zahl der Neuinfektionen genauso hoch wie im Vorjahr. Könnte eine Tablette helfen, die Infektionsraten zu senken?
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen geht nicht zurück. Hoffnung macht die neu eingeführte Prä-Expositions-Prophylaxe

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen geht nicht zurück. Hoffnung macht die neu eingeführte Prä-Expositions-Prophylaxe

Deutschland gelingt es nicht, die Zahl der HIV-Neuansteckungen zu senken. So haben sich 2016 abermals etwa 3.100 Menschen mit HIV infiziert. Das sind genauso viele wie 2015. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) gibt es aber eine Verschiebung. So stecken sich inzwischen weniger homosexuelle Männer mit HIV an (2.100 versus 2500 in 2013), unter Drogensüchtigen und Zuwanderern aus Osteuropa nimmt die Neuinfektionsrate dagegen zu. Darunter sind auch immer mehr Heterosexuelle.

 

 

Homosexuelle Männer stecken sich seltener an

„Die sinkende Infektionszahl bei der größten Gruppe von Betroffenen, den Männern, die Sex mit Männern haben, ist eine gute Nachricht“, erklärte RKI-Präsident Lothar H. Wieler. Aber bei Heterosexuellen seien die geschätzten Neu-Infektionszahlen seit 2010 auf jetzt 750 im Jahr 2016 gestiegen. Große Sorge macht dem Wissenschaftler, dass geschätzt etwa 12.700 Menschen mit HIV leben, ohne es zu wissen. Bei dieser Gruppe der sogenannten „Late Presenter“ wird HIV erst spät erkannt. Oft leiden sie bei der Diagnose dann schon an AIDS. Rund 460 Menschen starben 2016 an der Immunschwächekrankheit.

„Vor allem heterosexuellen Personen ist ihr HIV-Infektionsrisiko häufig nicht bewusst, was zu geringerer Testhäufigkeit und späten HIV-Diagnosen beiträgt“ sagt Wieler. Niedergelassene Ärzte sollten daher einen Test auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen entsprechend den Leitlinien anbieten.

Dass sich weniger schwule Männer Infizieren, dafür haben Experten eine Erklärung: Therapierte HIV-Patienten geben das Virus seltener weiter. Grund ist, dass die Viruslast durch die Tabletten so niedrig ist, dass eine Ansteckung des Sexualpartners verhindert wird. In San Francisco sind die HIV-Infektionen seit 2012 jedes Jahr um 17 Prozent gesunken, Washington DC und Australien melden für das vergangene Jahr 42 Prozent weniger Neudiagnosen.

Prä-Expositions-Prophylaxe könnte HIV-Zahlen senken

Möglicherweise hat auch die Einführung der Prä-Expositions-Prophylaxe – kurz PrEP –schon dazu beigetragen. Die Tablette Truvada kann sowohl von Infizierten als HIV-Therapie als auch von Gesunden zur Prophylaxe eingenommen werden.

Wie berichtet, läuft in Deutschland ein Pilotprojekt mit einem Nachahmerpräparat, das statt 800 Euro nur 51 Euro pro Monat kostet. Das Projekt wurde vom Apotheker Erik Tenbergen initiiert und wird seit Oktober vom Essener Institut für HIV-Forschung wissenschaftlich begleitet. Dessen Leiter Prof. Hendrik Streeck bescheinigt PrEp ein großes Potenzial. „Wir sind sehr, sehr gespannt, inwieweit die Prophylaxe hilft, die HIV-Neuinfektionen zu senken“, so Streeck.

Parallel forscht der Professor für HIV-Forschung an einem HIV-Impfstoff. Eine klinische Phase III Studie mit dem besten Kandidaten soll Ende 2022 beginnen. Seiner Ansicht nach ist eine HIV-Impfung die beste Lösung, um die HIV-Epidemie global einzudämmen.

Foto: © beermedia.de - Fotolia.com

Autor: ham
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