. HIV

HIV: Spritze könnte Medikamenten-Einnahme ersetzen

HIV-Patienten müssen täglich mehrere Medikamente einnehmen. Forscher testen jetzt eine länger wirkende Behandlungsmethode: Eine Spritze mit einem Antikörper muss nur einmal in der Woche verabreicht werden.
HIV, Aids, HIV-Therapie

Bei der HIV-Therapie könnte eine wöchentliche Spritze die tägliche Medikamenten-Einnahme ersetzen

HIV-Patienten müssen im Rahmen ihrer antiretroviralen Therapie täglich mehrere Medikamente einnehmen, um das Virus zu unterdrücken. In einer Phase-2-Studie testeten Forscher um Dr. Chang-Yi Wang eine längerwirkende Behandlungsmethode, die für die Betroffenen komfortabler wäre und weniger Nebenwirkungen hat.

Den Probanden wurde in Abständen von ein oder zwei Wochen eine Spritze mit einem Antikörper verabreicht. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Wöchentliche Infusion mit dem Antikörper UB-421

An der in Taiwan durchgeführten Studie nahmen 29 Freiwillige mit gut kontrolliertem HIV teil, die bis zu dem Zeitpunkt täglich Medikamente eingenommen hatten. Sie stoppten die Behandlung und erhielten stattdessen Infusionen mit dem Antikörper UB-421.

Vierzehn Studienteilnehmer erhielten acht Wochen lang eine wöchentliche Spritze mit einer Dosis von 10 mg pro kg Körpergewicht, 15 Probanden erhielten 16 Wochen lang jede zweite Woche eine Spritze mit einer höheren Dosis von 25 mg pro kg Körpergewicht.

 

HIV: Spritze könnte Medikamenten-Einnahme ersetzen

Am Ende der 8- oder 16-wöchigen Behandlungsperiode nahmen die Probanden die Tabletten-Therapie wieder auf. Vor, während und nach der Studie wurde ihr HIV-RNA-Plasmaspiegel untersucht. Es zeigte sich, dass die HIV-Unterdrückung (unter 20 Virus-Kopien pro ml Blut) auch während der Infusionstherapie funktionierte

Bei 28 Prozent der Teilnehmer kam es zu kurzfristigen Ausschlägen nach oben, der Pegel sank aber wieder auf ein niedriges Niveau. Ein Teilnehmer brach die Studie wegen eines milden Hautausschlags ab.

Die Spritze könnte die Medikamenten-Einnahme ersetzen, sofern sie sich in künftigen Untersuchungen bewährt. Da die vorliegende Studie keine Vergleichsgruppe enthielt, die eine Placebo-Infusion erhielt, sind weitere Studien in Taiwan und Thailand geplant, um die Sicherheit und Wirksamkeit von UB-421 als HIV-Behandlung zu bewerten.

Antikörper-resistente Virenstämme machten Therapie unwirksam

Bei früheren Versuchen wurden andere Antikörper injiziert, die HIV unterdrückten, indem sie auf Proteine des Virus  abzielten. Es kam aber rasch zu Mutationen des HI-Virus zu antikörper-resistenten Stämmen, was die Behandlung unwirksam machte. UB-421 umgeht dieses Risiko, indem es auf ein menschliches Protein abzielt, das das Virus verwendet, um T-Zellen zu infizieren. In dieser Studie wurde keine Resistenz gegen UB-421 beobachtet.

In einer ähnlichen Studie testen taiwanesische Forscher derzeit die Sicherheit regelmäßiger Infusionen von zwei hochwirksamen Antikörpern, die die Entwicklung resistenter HIV-Stämme verhindern können, indem sie auf zwei verschiedene Bereiche des Virus abzielen.

Foto: alexkich/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: HIV
 

Weitere Nachrichten zum Thema HIV

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
 
. Weitere Nachrichten
Kopflausbefall ist europaweit die häufigste Parasiten-Erkrankung im Kindesalter. Fälschlicherweise wird der Befall oft auf mangelnde Hygiene zurückgeführt. Betroffene schämen sich und schweigen. Dabei ist es wichtig, über das Tabuthema offen zu sprechen und die Parasiten so schnell es geht zu behandeln. Sonst können sie weitere Familienmitglieder, Mitschüler oder Freunde befallen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.