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HIV-Selbsttests: Fehlerquote höher als gedacht

HIV-Schnelltests kann jetzt jedermann erwerben. Das Risiko für ein falsch positives Ergebnis ist jedoch größer als viele denken. Die Unstatistik des Monats warnt jetzt vor falschem Alarm.
HIV-Selbsttests, Fehlerquote

HIV-Selbsttests sind weniger genau als sie auf den ersten Blick scheinen, jedenfalls wenn das Ergebnis „HIV positiv“ lautet. Das ist beruhigend und beunruhigend zugleich

Wer seinen HIV-Status kennen möchte und dabei lieber anonym bleiben will, kann seit Oktober einen HIV-Schnelltest in der Drogerie oder Apotheke kaufen. Ein Pieks in den Finger, Blut ins Teströhrchen gefüllt und nach 15 Minuten ist das Testergebnis fertig. Fällt es negativ ausfällt, ist erst einmal alles gut. Schließlich wollen die Tests mit hundertprozentiger Sicherheit eine HIV-Infektion erkennen, wenn die Ansteckung mindestens drei Monate zurückliegt.

Was aber ist, wenn es heißt „Sie sind wahrscheinlich HIV-positiv?“ Kann sich ein zugelassener und als extrem sicher geltender Test vielleicht auch irren?  

Fehlalarm wird unterschätzt

Wissenschaftler um den Berliner Psychologen Gerd Gigerenzer und den Dortmunder Statistiker Walter Krämer haben jetzt das Risiko falsch positiver Alarme von HIV-Selbsttests analysiert. Danach kann sich der Test durchaus irren, und zwar öfter als in den Gebrauchsanweisungen der Hersteller suggeriert wird. Die Ergebnisse wurden jetzt als Unstastik des Monats veröffentlicht.

Warum Unstatistik? In den Beipackzetteln von Test-Sets, die unter anderem von der Deutschen AIDS-Hilfe empfohlen werden, ist von 100 Prozent „Sensitivität“ und von 99,8 Prozent „Spezifität“ die Rede. Unterstellt, die Angaben stimmen, wird der Test demnach eine vorliegende HIV-Infektion mit hundertprozentiger Sicherheit erkennen (Sensitivität 100%) - und nur in 0,2 Prozent der Fälle ein falsch positives Ergebnis anzeigen (Spezifität 99,8 %).

 

Von 13 positiven HIV-Tests stimmt nur einer

Anhand einer Überschlagungsrechung zeigen die Wissenschaftler auf, dass die zunächst so harmlos erscheinende Fehlalarm-Rate von 0,2 Prozent gar nicht so gering ist. Die Rechnung geht so: Rein statistisch ist in Deutschland einer von 6.000 Erwachsenen mit HIV infiziert. Diese Person wird mit Sicherheit positiv getestet. Aber: Von den verbleibenden 5.999 Personen werden weitere zwölf (das sind 0,2 % von 6.000) ebenfalls ein positives Testergebnis erhalten, obwohl sie gar nicht mit HIV infiziert sind. „Das heißt, dass von insgesamt 13 Personen, die positiv testen, nur einer tatsächlich infiziert ist“, sagt Statistiker Walter Krämer.

Unklare Kommunikation

Das Testergebnis „Sie sind wahrscheinlich HIV-positiv“ bedeute also, dass die Wahrscheinlichkeit tatsächlich infiziert zu sein, bei nur etwa 8 Prozent liege. Krämer drückt es noch einmal andersherum aus: „Die Wahrscheinlichkeit beträgt 92 Prozent, dass man nicht infiziert ist, wenn man im Schnelltest positiv testet.“

Er geht noch weiter und rechnet vor, dass bei Heterosexuellen ohne Risikoverhalten, dem größten Teil der Deutschen, die Wahrscheinlichkeit infiziert zu sein, nochmals deutlich kleiner sei. „Sie liegt unter 5 Prozent", so Krämer. 

Die Statistiker kritisieren in der Unstatistik des Monats, dass dieser Sachverhalt nicht klar kommuniziert werde. Dabei hätten sich schon Menschen wegen positiver Testergebnisse umgebracht. „HIV-Schnelltests können sinnvoll sein“, meint Krämer. „Zum verantwortungsvollen Umgang mit ihnen gehört aber, den Menschen verständlich zu erklären, was ein positives Testergebnis wirklich bedeutet.“

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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