. Dehydrierung

Hitzewelle – Viel trinken jetzt besonders wichtig

Viele Menschen leiden unter der Hitze und in den Kliniken neben dehydrierungsbedingte Notfälle zu. Dazu gehören Kreislaufprobleme, Herzrasen, aber auch akutes Nierenversagen. Jetzt ist es besonders wichtig, viel zu trinken. Dabei kommt es nicht nur auf das Wasser an, sondern vor allem auch auf die Mineralstoffe.
Hitzewelle, genügend trinken, Dehydrierung, Nierenversagen

Bei der aktuellen Hitze sollte auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Mineralstoffzufuhr geachtet werden

Die Hitzewelle hat uns im Griff, und viele Menschen leiden unter Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwächegefühl und Konzentrationsschwäche. Oft liegt es daran, dass sie nicht genügend trinken, weil sie den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen unterschätzen. Das Problem: Eine Dehydrierung wird oft erst spät bemerkt.

Auch Verdauungsbeschwerden können die Folgen des Flüssigkeitsmangels sein. In schweren Fällen drohen sogar Nierenschäden. Besonders auf letzteres macht nun die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN) aufmerksam.

Gefährliche Komplikation: Akutes Nierversagen

1,5 bis 2 Liter am Tag benötigt der menschliche Körper normalerweise - viele Menschen, gerade auch ältere, liegen aber deutlich darunter. Spätestens bei einer Hitzewelle, wie wir sie derzeit erleben, kann das zu gesundheitlichen Komplikationen führen. Der Körper verliert durch das Schwitzen Flüssigkeit und Mineralstoffe. Eine Zeitlang können die Nieren das zwar „abfangen“ – sie regulieren die Flüssigkeits- und Elektrolytpegel des Körpers –, früher oder später stellen sich aber Komplikationen ein. Es kann zum akuten Nierenversagen kommen: Die Nieren verweigern von heute auf morgen ihren Dienst, es wird kaum noch Urin ausgeschieden und es kommt zu schweren Vergiftungserscheinungen mit Übelkeit, Erbrechen und Wassereinlagerungen im Körper.

Lagert sich Wasser in der Lunge ein, kann das die Atmung erschweren und lebensgefährlich werden. „In den letzten Tagen haben wir in den Kliniken viele dehydrierungsbedingte Notfälle gesehen – wie Kreislaufprobleme, Herzrasen und auch akute Nierenversagen“, erklärt Professor Dr. Jan C. Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). „Wir möchten daher eindringlich die Empfehlung an die Öffentlichkeit bringen, genügend zu trinken“.

 

Ältere Menschen besonders gefährdet

Gerade ältere Menschen sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da bei ihnen das Durstempfinden häufig schwächer ausgeprägt ist. Ebenfalls besonders gefährdet sind Menschen, die bestimmte Medikamente, beispielsweise zur Blutdrucksenkung oder zur Behandlung anderer Krankheiten Entwässerungstabletten (Diuretika), einnehmen.

Warnzeichen für eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr sind:

  • wenn man deutlich seltener und weniger Wasserlassen muss als sonst,
  • wenn der Urin sehr dunkel ist,
  • wenn die Haut und Schleimhäute trocken sind,
  • wenn es zu Schwindel oder Herzrasen kommt,
  • wenn es zur raschen, sonst nicht erklärbaren Gewichtsabnahme kommt.

Auf Mineralstoffe achten

Doch was sollen wir trinken? „Neben der ausreichenden Flüssigkeitszufuhr sollte auf eine ausreichende Mineralstoffzufuhr geachtet werden, denn wir schwitzen auch wertvolle Mineralien aus. Leitungswasser, das mit Kohlensäure versetzt wird oder sogenannte Tafelwasser enthalten relativ wenige Mineralstoffe. Besser sind Mineralwasser – und ab und zu eine Apfelsaftschorle oder ein alkoholfreies Bier“, so Galle.

Von mit Zucker versetzten Limonaden rät der Experte grundsätzlich ab, bei Patienten mit vorgeschädigten Nieren außerdem von Cola. „Hier wird neben dem Zucker ein zweites 'Gift' zugeführt. Bei Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung führt Cola zum Anstieg von Phosphat im Blut und das wiederum kann die Nierenerkrankung beschleunigen. Da viele Patienten von ihrer leichtgradigen Nierenkrankheit nichts wissen, riskieren sie, ohne es zu ahnen, ihre Nierengesundheit, wenn sie viel Cola trinken.“

Nierenkranke sollten mit ihrem Arzt sprechen

Nun zu glauben, es sei grundsätzlich gut, ganz besonders viel zu trinken, stimmt den Experten der DGfN zufolge trotzdem nicht.  Bei Patienten mit Herz- oder Nierenerkrankungen sind Volumenüberladungen in der Regel eher nachteilig. Auch die Meinung, wer besonders viel trinke, spüle die Nieren und schütze sie, ist eine Mär. Eine randomisierte kontrollierte Studie aus Kanada zeigte im letzten Jahr, dass die Trinkmengen-Erhöhung um täglich 1 bis 1,5 Liter über zwölf Monate zu keinen Unterschieden gegenüber der Kontrollgruppe hinsichtlich Nierenfunktion, Eiweißausscheidung sowie dem Wohlbefinden führte.

Nach Angaben der DGfN sollten sich Gesunde bezüglich der Trinkmengen an die Empfehlung 1,5 bis 2 Liter bei Normaltemperaturen sowie 2 bis 3 Liter bei Hitze orientieren. Herz- oder Nierenkranke sollten mit ihrem Arzt sprechen; eine allgemeine Empfehlung kann für sie nicht gegeben werden.

Foto: © Ivan Kruk - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nieren , Alter , Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hitzewelle

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die HMU Health and Medical University Potsdam ist soeben staatlich anerkannt worden. Ab dem Wintersemester 2020 wird an der neu gegründeten Privat-Uni ein Medizinstudium angeboten. Partner für die Ausbildung der Medizinstudenten soll das Potsdamer Ernst von Bergmann Klinikum werden.
Amphetamine gehören zu den sogenannten Lifestyle-Drogen. Sie sind jedoch alles andere als harmlos. So können sie zu Krampfanfällen, Psychosen und dauerhaften Gedächtnisstörungen führen. Auch das Herz wird durch regelmäßigen Konsum geschädigt – bis hin zum plötzlichen Herztod.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.