. Klimawandel und Gesundheit

Hitzetote – Wie lässt sich ihre Zahl bestimmen?

Den „Hitzetod“ gibt es eigentlich gar nicht – zumindest in der Todesursachenermittlung des Statistischen Bundesamts. Dennoch kann große Hitze durchaus lebensbedrohlich werden und zum Tode führen. Einen einzelnen Fall jedoch konkret auf die Hitzeeinwirkung zurückzuführen, ist gar nicht so einfach.
Hitzetote, Klimawandel, Hitzewelle, Herzinfarkt

Bei Hitze nimmt die Anzahl der Herzinfarkte zu

„Tausende Tote durch Hitzewelle“ – So oder ähnlich lauten in letzter Zeit so manche Schlagzeilen. Doch eine konkrete Angabe, wie viele Menschen tatsächlich in Folge der Hitze sterben, ist sehr schwierig. Denn im Einzelfall ist es oft kaum möglich, den Tod tatsächlich auf die Hitze zurückzuführen. Dennoch bringt die wachsende Anzahl von Extremwetterlagen und Hitzewellen auch gesundheitliche Probleme mit sich, die sogar tödlich enden können.

Doch bei der Angabe von Todesursachen auf dem Totenschein kommt Hitze in der Regel nicht vor. Dort werden hingegen meistens die möglichen Hitzefolgen wie Herz- oder Kreislaufversagen angegeben. Und bei der Klassifizierung der Todesursachenermittlung des Statistischen Bundesamtes existiert der Hitzetod gar nicht.

Zahl der Hitzetoten nur schätzbar

Um die tatsächliche Anzahl von Hitzetoten herauszufinden, eignen sich die oben genannten Instrumente also nicht. Eine Schätzung ist dennoch möglich. So können Forscher zum Beispiel die Todeszahlen in bestimmten Bundesländern in Bezug zur Wochenmitteltemperatur setzen und dann die Unterschiede feststellen. So lag beispielsweise die geschätzte Zahl hitzebedingter Todesfälle in Deutschland bisher im Sommer 2003 mit 7600 Fällen am höchsten, gefolgt von den Sommern 2006 und 2015 mit 6200 beziehungsweise 6100 Todesfällen. So ist also durchaus von einem signifikanten Anstieg von Todesfällen an besonders heißen Tagen auszugehen. Den Hitzetoten gibt es dennoch nicht.

 

Hitze bringt viele gesundheitliche Probleme mit sich

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt in ihrer "Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten" (ICD) folgende Schäden zu den durch Hitze und Sonne ausgelösten gesundheitlichen Problemen:

  • Hitzschlag und Sonnenstich
  • Hitzesynkope
  • Hitzekollaps
  • Hitzekrampf
  • Hitzeerschöpfung durch Salz- und Wasserverlust und andere Ursachen
  • Passagere Hitzeermüdung
  • Hitzeödem
  • Sonstige Schäden durch Hitze und Sonnenlicht

Infektionskrankheiten und Atemwegserkrankungen nehmen zu

Auch das Deutsche Ärzteblatt befasst sich verstärkt mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels. Einigen dort veröffentlichten Studien zufolge häufen sich durch die Klimaveränderungen Infektionskrankheiten, Wundinfektionen, aber auch nichtübertragbare Krankheiten. So konnte eine Studie von Forschern um Dr. Seven Johannes Sam Aghdassi von der Charité zeigen, dass Wundinfektionen temperaturabhängig zunehmen.

Aufgrund der steigenden Luftverschmutzung wird ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunehmen. Und auch psychiatrische Störungen infolge traumatisierender Extremwetterereignisse sind möglich.

Erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Hitze

Wie sich die Erderwärmung auf das Risiko für Herzinfarkte auswirkt, haben Forscher um Dr. Kai Chen vom Helmholtz Zentrum München berechnet. Als Beispiel wählten sie die Region Augsburg. Ihre Studie konnte zeigen, dass das Risiko, aufgrund erhöhter Außenlufttemperaturen einen Herzinfarkt zu erleiden, in den letzten Jahren signifikant angestiegen ist. Das Risiko in Bezug auf Kälte hat sich über die Zeit nicht signifikant verändert. Die Forscher sind der Auffassung, dass - hochgerechnet auf die Bundesrepublik Deutschland - mehr als 1000 Herzinfarktereignisse pro Jahr vermeidbar wären, wenn die globale Erderwärmung nur 1,5 Grad statt 3,0 Grad betrüge. Je wärmer es werde, desto mehr Tote werde es geben.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation geht für die Jahre 2030 bis 2050 mit jährlich durch die Erderwärmung bedingten 250.000 zusätzlichen Todesfällen in Folge von nichtübertragbaren Erkrankungen, wie beispielsweise Herzinfarkten, aus.

Foto: © madrolly - Fotolia.com

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