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Hitze: Alkohol als Durstlöscher nicht geeignet

Dienstag, 19. Juli 2022 – Autor:
Ein frisches Pils und der Durst ist gelöscht? Eine Illusion. Alkoholische Getränke sind bei Extremtemperaturen keine gute Lösung. Genauso wie die Sommerhitze entziehen auch sie dem Körper Wasser und Mineralien – und verstärken damit noch das Problem.
Junge Leute prosten sich an einem Sommerabend mit Bier in transparenten Plastikbechern zu.

Alkoholische Getränke: Man denkt, sie stillen den Durst – dabei entziehen sie dem Körper Flüssigkeit und außerdem noch Mineralien. – Foto: AdobeStock/minastefanovic

Menschen sind zwar keine Pflanzen und verwelken deshalb auch nicht innerhalb von einem Tag. Trotzdem spielt Wasser beim Menschen eine Rolle, die viele überrascht. Der menschliche Organismus besteht zu mehr als 50 Prozent aus Wasser, bei Säuglingen sind es sogar 70 Prozent. Schon unter Normalbedingungen verdunstet oder verliert der Mensch 24 Stunden am Tag Flüssigkeit: als Schweiß über die Haut; mit den Ausscheidungen über den Darm (Stuhl) und die Nieren (Urin); und als Feuchte in der Ausatemluft.

Sommerhitze: Flüssigkeitsbedarf kann sich verdoppeln

Deshalb muss – oder müsste – der Mensch genauso stetig Flüssigkeit aufnehmen, wie er sie unbemerkt verliert  – erst recht jetzt in der Sommerhitze. An einem kühlen Tag können zwei Liter ausreichen. Aber bei Temperaturen wie jetzt, jenseits der 30-Grad-Marke, kann sich der Bedarf schnell auf das Doppelte erhöhen, heißt es beim Deutschen Institut für Sporternährung – das entspräche damit sogar etwa vier Litern.

 

Wasser: Die wichtigste Betriebsflüssigkeit des Menschen

Im Körper erfüllt das Wasser viele unterschiedliche Funktionen. Es ist in jeder Körperzelle und allen Körperflüssigkeiten enthalten. Wasser ist unter anderem notwendig, um die Körperwärme zu regulieren (Schwitzen) oder den Antransport von Nährstoffen und den Abtransport von Stoffwechsel-Abfallprodukten aufrechtzuerhalten. Alle chemischen Reaktionen im Körper benötigen ebenfalls Wasser. Fehlt dem Körper Wasser, sind Kreislauf und Stoffwechsel schnell gestört. Mögliche Symptome oder Folgen können sein: Kopfschmerzen, schnellerer Herzschlag, reduzierte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, Verstopfung, Kreislaufkollaps.

Indem der Körper Wasser verliert oder abgibt, verliert er nicht nur ein Teilvolumen seiner wichtigsten Betriebsflüssigkeit, sondern auch wichtige Mineralstoffe. Beides gilt es durch Trinken wieder auszugleichen. Doch nicht alle Getränke, die wir lecker finden oder für die lautstark die Werbetrommel gerührt wird, sind hier wirklich hilfreich. Manche sind sogar kontraproduktiv. Ein Beispiel: alkoholhaltige Getränke.

Hitze: „Wer dann Alkoholhaltiges trinkt, tut genau das Falsche“

Ob am Feierabend, beim Baden oder im Urlaub – für viele gehören Bier, Wein oder Cocktails zur Sommerzeit dazu. Doch bei sommerlichen Temperaturen ist besondere Vorsicht im Umgang mit Alkohol geboten. „Wer dann Alkoholhaltiges trinkt, tut genau das Falsche“, warnt jetzt die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Der Grund: Sommerhitze führt zu vermehrtem Schwitzen, der Flüssigkeitsbedarf steigt. „Alkohol entzieht dem Körper aber weiteres Wasser und wertvolle Mineralstoffe. Der Körper wird ausgelaugt und läuft Gefahr auszutrocknen. Er kann nicht mehr genug Schweiß produzieren, um sich vor Überhitzung zu schützen – das kann zu einem Hitzschlag führen, bis hin zum Kreislaufkollaps.“

Alkohol und Hitze: Beide sorgen für weite Blutgefäße und Flüssigkeitsverlust und machen Kreislaufprobleme

Auch die Kombination von Alkohol und Hitze kann fatal sein. „Sowohl alkoholische Getränke als auch hohe Temperaturen erweitern die Blutgefäße“, heißt es bei der BZgA. „Der Blutdruck sinkt, und zudem verliert der Körper Flüssigkeit. Das kann zu Kreislaufproblemen bis hin zur Bewusstlosigkeit führen.“

Diese gesunden Durstlöscher helfen bei Sommerhitze

Die BZgA empfiehlt deshalb als Durstlöscher einfaches Wasser aus dem Hahn, ungesüßten Tee oder isotonische Getränke. Auch Obst – zum Beispiel gekühlte Wassermelone – könne Erfrischung bringen und den Wasser-Elektrolyt-Haushalt des Körper in der Balance halten.

Nicht alkoholisiert schwimmen oder baden gehen

Alkohol und Sommer können einen noch aus einem anderen Grund in riskante Situationen bringen: beim Baden im Meer, in Flüssen oder Seen. „Unter Alkoholeinfluss werden die eigenen Fähigkeiten überschätzt“, heißt es bei der BZgA. „Hinzu kommt, dass bereits bei einer geringen Konzentration von Alkohol im Blut Koordination und Wahrnehmung beeinträchtigt sind.“ Wer betrunken badet, kann bereits bei einer Wassertemperatur von 20 bis 22 Grad einen Kälteschock erleiden – im schlimmsten Fall droht Herzversagen. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) sieht einen klaren Zusammenhang zwischen Alkohol und Badeunfällen, vor allem bei Jugendliche und Heranwachsenden und beim männlichen Geschlecht. 80 Prozent der Badetoten sind laut DLRG Männer.

Wie viel Alkohol pro Tag ist vertretbar?

Frauen sollten laut Empfehlung der Bundeszentrale pro Tag maximal ein kleines Glas eines alkoholischen Getränks trinken. Das bedeutet: nicht mehr als 0,3 Liter Bier oder 0,125 Liter Wein. Für Männer gilt für den risikoarmen Umgang mit Alkohol die doppelte Menge als Richtwert: also nicht mehr als 0,6 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein. Und für alle gilt: Mindestens zwei Tagen in der Woche sollten alkoholfrei sein, damit es nicht zu einer Gewöhnung kommt.

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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