. Studie aus Kanada

Hitchcock wirkt bei Wachkoma-Patienten

Wachkoma-Patienten können ihre Umgebung offenbar bewusst wahrnehmen. Darauf lässt ein Studie schließen, die jüngst an der Western University in Ontario durchgeführt wurde.

Was nehmen Wachkoma-Patienten wahr? Eine Studie gibt Aufschluss darüber.

Was den Neurowissenschaftlern in Ontario, Kanada, gelungen ist, klingt selbst wie die Handlung eines Films: Mit Hilfe hochentwickelter Gehirn-Scanner und eines Kurzfilms von Alfred Hitchcock konnten die Forscher nachweisen, dass Wachkoma-Patienten ihre Umgebung tatsächlich wahrnehmen können.

Was wie eine Geschichte aus einem Hitchcock-Film klingt, ist tatsächlich wahr

Das Forscherteam von Lorina Naci und ihren Kollegen Rhodri Cusack, Mimma Anello und Adrian Owen zeigte einem Patienten, der seit 16 Jahren keinerlei Bewusstsein mehr gezeigt hatte, einen extrem spannenden Kurzfilm von Alfred Hitchcock - während er unter einem Kernspintomographen lag, welcher die Reaktionen seines Gehirns im Verlauf der Handlung aufzeichnete. Die Aktivitäten, die das Gehirn des Wachkoma-Patienten zeigte, ähnelten sehr stark jenen, die bei gesunden Testpersonen beobachtet wurden. Für die Wissenschaftler deutet dies darauf hin, dass der Patient nicht nur den Film wahrnehmen konnte, sondern dass er der Handlung aktiv folgte, heißt es in einer Pressemitteilung.

Einer von fünf Wachkoma-Patienten wird falsch diagnostiziert

„Zum ersten Mal konnten wir nachweisen, dass Patienten mit unbekanntem Bewusstseinszustand ihre Umgebung auf die gleiche Art sehen und analysieren können, wie gesunde Menschen“, sagt die leitende Forscherin, Lorina Naci. Das sei insofern auch von großer Bedeutung, das man heute schon wisse, dass einer von fünf Wachkoma-Patienten als bewusstlos fehldiagnostiziert wird. Die neue Technologie könnte dazu beitragen, diese Zahl zu senken, hoffen die Wissenschaftler aus Ontario nun.

Die Studie, die nach den Angaben der Forscher die erste ihrer Art ist, wurde unter dem Titel „A common neural code for similar conscious experiences in different individuals“ kürzlich in der Zeitschrift The Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) publiziert.

Foto: Coloures-pic - Fotolia

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorie: Medizin

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