. Psychische Erkrankungen

Hirnscan sagt Behandlungserfolg bei Depression voraus

Ob bei Depressions-Patienten Medikamente oder eine Psychotherapie besser wirken, konnte bisher nicht vorhergesagt werden. Nun haben US-Forscher herausgefunden, dass ein Hirnscan dazu beitragen kann, die richtige Entscheidung bei der Behandlung zu fällen.
Depression: Hirnscan sagt Behandlungserfolg voraus

Hirnaktivität lässt auf Behandlungserfolg von Therapien schließen.

Einige Patienten, die an einer schweren Depression leiden, sprechen eher auf eine Verhaltenstherapie an, andere auf Medikamente. Doch wer zu welcher Patientengruppe gehört, wissen Ärzte und Betroffene zunächst nicht. So muss oft lange – zum Teil über mehrere Monate – nach der geeigneten Therapie gesucht werden, bis ein Patient Besserung verspürt. Forscher haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich der Behandlungserfolg der verschiedenen Therapien möglicherweise voraussagen lässt.

Bereits in den vergangenen Jahren haben Forscher versucht, anhand von Symptomen, Labortests oder der Messung von Hirnströmen den Erfolg verschiedener Behandlungsmethoden vorherzusagen – bisher allerding ohne durchschlagendes Ergebnis. Doch Forscher der Emory Universität in Atlanta/Georgia scheinen jetzt einen Schritt vorangekommen zu sein. Sie konnten zeigen, dass durch eine nuklearmedizinische Untersuchung des Gehirns, die sogenannte Positronen-Emissions-Tomografie (PET), der Erfolg verschiedener Therapien vorhergesagt werden kann.

Hirnscan: Aktivität der Insula lässt auf Behandlungserfolg schließen

Die PET misst den Glukoseverbrauch und damit die Aktivität in den einzelnen Hirnregionen. Bei der Untersuchung werden den Patienten schwach radioaktiv markierte Zuckermoleküle in die Vene gespritzt, deren Verteilung im Gehirn ein PET-Scanner erfasst. Somit kann der Glucoseverbrauch im Gehirn und damit auch die Aktivität verschiedener Hirnregionen gemessen werden. Die Strahlenbelastung, die durch die Prozedur auftritt, entspricht dabei ungefähr der einer Röntgenuntersuchung. Das radioaktive Kontrastmittel scheidet der Körper nach wenigen Stunden wieder aus.

Die Forscher um Helen Mayberg hatten nun die Idee, bei den Aufnahmen auch die Aktivität in der sogenannten Insula zu beobachten – einer Region im Gehirn, die das Gefühlsleben beeinflusst. Dabei zeigte sich, dass ein verminderter Glukoseverbrauch in der Insula im Vergleich zum restlichen Großhirn mit guten Behandlungschancen einer kognitiven Verhaltenstherapie verbunden war. Patienten mit einem gesteigerten Glukoseverbrauch sprachen dagegen eher auf eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva an.

Zwei Varianten von Depressionen?

Nach Meinung von Experten könnte die gegensätzliche Aktivierung der Insula auch darauf hinweisen, dass es zwei Varianten der schweren Depression gibt, die unterschiedlich behandelt werden müssen und denen möglicherweise auch verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Darauf weist auch der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e. V. (BDN) hin. Vertretern des BDN zufolge könnte die neue Methode nicht nur die Behandlung von Menschen mit Depressionen verbessern, sondern auch zur Erforschung der Ursachen der Krankheit beitragen.

Die amerikanische Studie, die kürzlich im Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht wurde, war mit 67 Teilnehmern relativ klein. Sollten sich die Ergebnisse aber in weiteren Studien bestätigen, wären sie von großer Bedeutung für die Therapie von Depressions-Patienten sowie für das Verständnis der Erkrankung.

Foto: © Andrzej Wilusz - Fotolia.com

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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