Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
27.02.2019

Hirnmetastasen bei Brustkrebs: Heilung durch Hochpräzisionsbestrahlung möglich

Wenn Brustkrebspatientinnen Hirnmetastasen bildeten, kam dies früher oft einem Todesurteil gleich. Heute ist das anders – dank der Hochpräzisionsbestrahlung. So kann der Krebs auch im fortgeschrittenen Stadium noch behandelt werden.
Brustkrebs, Metastasen, Hirnmetastasen, Strahlentherapie

20 bis 25 Prozent aller Brustkrebspatientinnen entwickeln Metastasen

Über 300.000 Frauen leben in Deutschland mit einer Brustkrebserkrankung, rund 70.000 erkranken jedes Jahr neu daran. Eine Heilung ist heute in 75 bis 80 Prozent der Fälle möglich. Bei fortgeschrittener Erkrankung bilden sich jedoch oft Metastasen, typischerweise in Knochen, Lunge und Leber – aber auch Hirnmetastasen sind relativ häufig.

„Wohingegen die Diagnose von Metastasen früher oft einem Todesurteil gleichkam, können heute Patientinnen mit Hirnmetastasierung relativ lange bei guter Lebensqualität überleben, auch eine Heilung kann noch möglich sein, wenn rechtzeitig mit einer adäquaten Therapie begonnen wird“, erklärt Professor Anca Grosu vom Universitätsklinikum Freiburg.

Moderne Strahlentherapie bei Hirnmetastasen effektiv

Bei Metastasen von HER2-positiven Tumoren spielt die Antikörpertherapie eine wichtige Rolle. Eine systemische Chemotherapie dagegen ist bei Hirnmetastasen häufig unwirksam, da die Substanzen nicht ausreichend bis zu den Krebszellen vordringen. Bei über zwei bis drei cm großen Hirnmetastasen ist eine Operation zu überlegen, insbesondere, wenn diese günstig für eine Operation liegen, so dass Folgeschäden unwahrscheinlich sind. Bei kleinen oder ungünstig gelegenen Herden ist die Strahlentherapie die Therapie der Wahl.

Die Strahlentherapie verfügt bei Hirnmetastasen über ein breites therapeutisches Spektrum und ermöglicht oft eine maximale Schonung gesunden Hirngewebes. Die Therapie ist nicht-invasiv und daher sicherer für die Patienten als eine Operation. Der Einsatz erfolgt auch in Hirnarealen, die operativ nicht gefahrlos erreicht werden können, zudem ist die Therapie schmerz- und bei kleinen Herden praktisch nebenwirkungsfrei. Moderne Bestrahlungsverfahren sind bei Hirnmetastasen oftmals die effektivste Behandlung.

 

Maximale Schonung von gesundem Hirngewebe

Abhängig von der Zahl der Hirnmetastasen stehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Die sogenannte Radiochirurgie (auch stereotaktische Hochpräzisionsbestrahlung) und die Ganzhirnbestrahlung „mit Hippocampus-Schonung“. Die Radiochirurgie ermöglicht eine punktgenaue, hochdosierte Bestrahlung einzelner Metastasen. Bei der stereotaktischen Hochpräzisionsbestrahlung wird eine hohe Strahlendosis für eine kurze Behandlungsdauer von ca. 20 Minuten eingesetzt.

Die hohe Effektivität der stereotaktischen Radiochirurgie konnte in einer Studie gezeigt werden – und dies sogar bei multiplen Hirnmetastasen bei Brustkrebspatientinnen. „Wir erreichen mit der Radiochirurgie eine lokale komplette Tumorkontrollrate von 50 bis 70 Prozent, bei maximaler Schonung von gesundem Hirngewebe“, so Anca Grosu. „Bei neu auftretenden Metastasen kann die Behandlung auch wiederholt werden.“

Studie soll weitere Erfolge bringen

Während bei einer kleineren Zahl (vier bis fünf) lokalisierter Metastasen die alleinige Radiochirurgie durchgeführt wird, so wird bei einer höheren Zahl oder wenn erneut immer wieder Metastasen auftreten, eher die Ganzhirnbestrahlung empfohlen. Zurzeit läuft die multizentrischen NOA-14/ARO 2015-3/HIPPORAD-Studie, die von der Deutschen Krebshilfe finanziert wird. Die Patienten werden dafür mit vier bis zehn Hirnmetastasen unterschiedlicher solider Tumore mit einer Hippocampus-schonenden Ganzhirnbestrahlung und mit zusätzlichem Boost auf die Metastasen behandelt.

Die Forscher vergleichen dabei die kognitiven Leistungen und morphologischen Hirnveränderungen der Patienten gegenüber einer Behandlung mit Ganzhirnbestrahlung und Boost, jedoch ohne Hippocampusschonung. „Wir erhoffen uns zwei Effekte“, so Prof. Grosu, „nämlich eine noch höhere Bestrahlungseffektivität auf die Metastasen bei gleichzeitig weniger neurokognitiven Nebenwirkungen“.

„Insgesamt können Brustkrebspatientinnen mit Hirnmetastasen heute in einer früher ausweglosen Situation durch die moderne Strahlentherapie behandelt werden und gewinnen deutlich an Lebenszeit“, fasst Prof. Wilfried Budach, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), zusammen. „In seltenen Fällen kann sogar eine Heilung erreicht werden. Durch die optimale Schonung gesunden Hirngewebes ist die Therapie nebenwirkungsarm.“

Foto: © peterschreiber.media - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Strahlentherapie , Brustkrebs , Radiologie , Metastasen , Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Corona-Pandemie und Lockdowns haben bei der Generation unter 30 Spuren hinterlassen. Das zeigt eine Studie der Betriebskrankenkasse Pronova BKK. Junge Menschen, die mit Geschwistern im Elternhaus leben, sind häufiger depressiv und aggressiv. Für 72 Prozent ist das Handy in der Coronakrise zur Haupt-Freizeitbeschäftigung geworden.

Corona sorgt für ein Allzeittief bei Arbeitsunfällen. Am dramatischsten sind Unfälle in der Schule zurückgegangen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben jetzt eine Bilanz für das Pandemiejahr 2020 vorgelegt.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin