Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Hilfe bei infizierten Gelenkprothesen

Mittwoch, 30. September 2015 – Autor:
Infektionen von Gelenkprothesen sind eine ernsthafte Komplikation. Ärzte der Charité haben nun ein Behandlungskonzept entwickelt, das bei periprothetischen Infektionen Heilungsraten von über 90 Prozent verspricht.
Hilfe bei infizierten Gelenkprothesen

Hohe Heilungsraten nach Infektion am künstlichen Gelenk: Neues Behandlungskonzept der Charité zieht Patienten aus ganz Deutschland an

Künstlicher Gelenkersatz etwa an Knie oder Hüfte ist heute medizinische Routine. Immer wieder kommt es jedoch zu Infektionen an den Gelenkprothesen, die äußerst schwierig und langwierig zu behandeln sind. In einzelnen Fällen endet so eine periprothetische Infektion sogar tödlich. Abhilfe verspricht nun ein neues interdisziplinäres Behandlungskonzept der Charité, das Chirurgen, Infektiologen und Mikrobiologen gemeinsam entwickelt haben.

Dreh- und Angelpunkt der Therapiestrategie ist eine differenzierte mikrobiologische Diagnostik. Mit modernen Methoden wie der Sonikation, einem Ultraschallbad der Prothese, ermitteln die Ärzte um welchen Erregertyp es sich genau handelt. Die aufwändige Spezial-Diagnostik ist nötig, damit der Patient mit dem passenden Antibiotikum behandelt werden kann. Zudem lassen sich die Bakterien, die sich in der Regel im Biofilm zwischen Implantat und natürlichen Gewebe verstecken, nicht einfach im Blut nachweisen. 

Periprothetische Infektionen: Mikrobiologische Diagnostik ermöglicht richtige Antibiotikatherapie

„Antibiotika sind keine Wundermittel, aber sie können bei periprothetischen Infektionen Wunder bewirken, wenn zwei Kriterien erfüllt sind: Man muss sie gezielt geben und man muss sie immer mit der passenden Chirurgie kombinieren“, sagt PD Dr. Andrej Trampuz, Sektionsleiter der Septischen Chirurgie am Centrum für Muskuloskelatale Chirurgie (CMSC) der Charité.

Bei chronischen Infektionen tauschen die Ärzte die Prothese komplett aus. Bei akuten Infektionen kann die Prothese sogar erhalten und nur die beweglichen Teile müssen ausgewechselt werden. Während die Patienten normalerweise sechs bis acht Wochen auf die neue Prothese warten müssen, sind es an der Charité meist nur zwei Wochen. „Dieser schnelle Prothesenwechsel scheint zu besseren Behandlungsergebnissen zu führen, insbesondere in Bezug auf den postoperativen Schmerz, die Funktion des Kunstgelenkes und die Lebensqualität der Patienten“, sagt CMSC-Leiter Prof. Carsten Perka.

 

Mehr als 90% der Patienten dauerhaft ohne Infektion

Die Kombination aus differenzierter Diagnostik, gezielter Antibiotikagabe und schnellem Prothesenwechsel führt seinen Angaben zufolge zu Heilungsraten von über 90 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt die Heilung solcher Infektionen dagegen bei nur etwa 60 bis 70 Prozent.

„Unsere Daten zeigen, dass wir eindeutig auf dem richtigen Weg sind. Die überwiegende Mehrheit unserer Patienten ist nach einer Behandlung dauerhaft ohne eine Infektion“, betont Prof. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité. Die Therapie sei jedoch nicht annähernd ausfinanziert. „Wir hoffen auf eine baldige Berücksichtigung im Vergütungssystem“, so Frei.

Da nur wenige Kliniken ein derartiges Therapiekonzept anbieten, kommen inzwischen Patienten aus dem ganzen Bundesgebiet zum Prothesenwechsel an die Charité. Laut CMSC-Leiter Prof. Carsten Perka sind rund 70 bis 80 der behandelten Patienten keine Berliner. 

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Hüftgelenk , Gelenke , Operation , Chirurgie , Orthopädie , Charité
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gelenkersatz

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Plötzlicher Herzstillstand: Für zufällig Anwesende oder Angehörige ist das selbst eine Extremsituation. Aus Aufregung oder aus Angst davor, etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht. Dabei kommt es hier wirklich auf Minuten an – und durch entschlossenes Handeln kann man Leben retten. Eine App der Deutschen Herzstiftung begleitet Laien dabei, im Herznotfall richtig zu reagieren.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin