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21.04.2020

Heuschnupfen oder COVID-19?

Deuten Schnupfen, Husten oder Atemnot auf Heuschnupfen oder sind es Symtome einer COVID-19-Erkrankung? Es gibt einfache Kriterien, das zu unterscheiden. Und wer an Allergien leidet, sollte auch in diesen Zeiten seine Medikamente weiternehmen.
Heuschnupfen, Pollenallergie, Pollenflug

Die Symptome einer Pollenallergie und einer COVID-19-Erkrankung lassen sich gut unterscheiden

Die Pollen fliegen wieder, Allergiker reagieren empfindlich. Doch deuten Schnupfen, Husten oder Atemnot auf Heuschnupfen, oder sind es Symtome einer COVID-19-Erkrankung? Es gibt einfache und sichere Kriterien mit denen eine Allergie von einer Virusinfektion zu unterscheiden ist, heißt es beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

Eine Allergie tritt plötzlich auf, meist haben sich in den Jahren zuvor schon Beschwerden gezeigt. Allergien treten mit Augenjucken, -tränen auf. Die Nase läuft und es zeigen sich regelrechte Niesattacken. Eine Niesattacke tritt bei der Allergie anfallsartig, meist bei Ortswechsel auf. Die Beschwerden sind draußen schlimmer als im Haus.

Heuschnupfen oder COVID-19?

Die unterschiedlichen Symptome von Heuschnupfen und COVID-19 hat die Deutsche Apothekerzeitung aufgelistet: Fieber tritt bei einer Allergie nicht auf, bei einer Corona-Infektion fast immer. Produktiver Husten ist bei Allergie und Corona selten. Reizhusten tritt bei Allergie häufig auf und bei Corona fast immer. Atemnot können bei Allergie und Corona häufig auftreten.

Schnupfen zeigt sich bei Allergie fast immer, bei Corona selten. Niesreiz tritt bei einer Allergie fast immer auf, bei Corona nicht. Gliederschmerzen sind nicht mit einer Allergie verbunden, bei Corona treten sie selten auf. Hals - und Kopfschmerzen sind bei einer Allergie selten, bei Corona möglich. Augenjucken ist bei einer Allergie fast immer vorhanden, bei Corona nicht.

 

Asthma-Patienten sollen weiter Cortison nehmen

Grundsätzlich haben ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Verlauf von COVID-19. Dies trifft auch für Patienten mit Asthma zu. Inwieweit Patienten mit Allergien betroffen sind, ist derzeit nicht bekannt. Das meldet der Allergieinformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München, der aktuelle Empfehlungen zum Allergie-Medikamenten gibt.

Nach Gerüchten, dass Menschen mit Asthma während der Corona-Pandemie ihre Medikamente absetzen sollten, weil sie die Immunabwehr hemmen, gab es jetzt eine Klarstellung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin. Sie raten, dass die Inhalationstherapie bei Asthma unbedingt fortgeführt werden soll - insbesondere auch Therapien mit Cortison-Spray.

Eine Unterbrechung oder Veränderung der Asthma-Behandlung kann die Symptome verschlechtern und dadurch unnötige Arztbesuche oder Krankenhausaufenthalte verursachen. Beim Arzt oder im Krankenhaus sei das Risiko, mit einer an COVID-19 erkrankten Person in Kontakt zu kommen, größer und damit eine Ansteckung wahrscheinlicher.

Spezifische Immuntherapie fortsetzen

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) empfiehlt Allergikern, eine laufende spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) nach dem gewählten Therapieschema fortzusetzen - sofern sie beschwerdefrei und gesund sind. Dies gilt sowohl für die sublinguale Immuntherapie (Tropfen, Tabletten) als auch für die subkutane Behandlungsform mit Spritzen.

Treten Symptome wie Fieber, unklarer Husten oder ein verschlechterter Allgemeinzustand auf, sollte eine spezifische Immuntherapie grundsätzlich unterbrochen werden - auch unabhängig davon, ob ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 beziehungsweise einer COVID-19-Erkrankung besteht.

Biologika bei Asthma weiter einnehmen

Allergisch bedingte Erkrankungen wie Asthma können auch mit Biologika (monoklonale Antikörper) wie Omalizumab, Mepolizumab, Reslizumab, Benralizumab und Dupilumab behandelt werden. Die DGAKI weist darauf hin, dass auch während der Corona-Pandemie mehr für eine Fortführung der Behandlung mit Biologika spricht als dagegen. Auch gegen den Beginn einer Biologika-Therapie spricht aus Sicht der Experten nichts.

Zwar gibt es für keines der Medikamente Erkenntnisse, ob sich Biologika auf das Ansteckungsrisiko mit SARS-CoV-2 oder den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung auswirken. Für die Biologika-Behandlung sprechen jedoch aus Sicht der Fachgesellschaft folgende Gründe:

  • Durch die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern könnten viele Patienten auf systemische Glukokortikoide (Cortison) verzichten, die sich möglicherweise ungünstig auf die Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 auswirken können.
  • Wird eine Biologika-Therapie abgesetzt, kann sich die Grunderkrankung verschlechtern. Dies kann sich wiederum negativ auf den Verlauf einer möglicherweise auftretenden COVID-19-Erkrankung auswirken - insbesondere bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma.
  • Virus-bedingte Verschlechterungen eines Asthma bronchiale kommen unter einer Behandlung mit Biologika seltener vor oder verlaufen milder.
  • Die immunologischen Prozesse, an denen die für die Behandlung allergisch bedingter Erkrankungen zugelassenen Biologika ansetzen, spielen für die Virus-Abwehr wahrscheinlich keine zentrale Rolle.

Allergiemedikamente und Corona

Ob und wenn ja in welchem Umfang lokal (zum Beispiel als Nasenspray, Augentropfen) oder systemisch (Tabletten, Infusionen) angewendete Allergiemedikamente einen Einfluss auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 und eine Erkrankung an COVID-19 haben, lässt sich momentan nicht abschätzen. Die Behandlung sollte daher nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden, so die DGAKI.

Foto: Adobe Stock/ Robert Kneschke

Autor: bab
Hauptkategorie: Corona
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