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Herzschwäche kann Hirnleistung mindern

Kognitive Defizite gelten im Alter in gewisser Weise als normal. Patienten mit Herzschwäche scheinen aber schon in jüngeren Jahren ein höheres Risiko für Gedächtnisstörungen zu haben. Eine aktuelle Studie bestätigt nun den Zusammenhang.
Herzschwäche, Gehirn

Zu wenig Sauerstoff fürs Gehirn: Herzschwäche kann fatale Folgen haben

Wenn das Herz nicht mehr richtig pumpt, sinkt die Lebensqualität rapide. Menschen mit einer chronischen Herzschwäche leiden an Atemnot, Wassereinlagerungen und ihre allgemeine Leistungsfähigkeit sinkt. Auch die Gedächtnisleistung nimmt ab, wie jetzt eine aktuelle Herz-Hirn-Studie der Universität Würzburg bestätigt. Demnach wies knapp die Hälfte der untersuchten Personen (46%) Defizite im verbalen Gedächtnis auf und 41 Prozent zeigten ein verlangsamtes Reaktionsvermögen. Der Fund spiegelte sich auch in MRT-Aufnahmen wieder: Im Vergleich zu herzgesunden Personen hatten Herzinsuffizienz-Patienten eine stärkere Atrophie des Temporallappens. Der für die Gedächtnisbildung wichtige Gehirnteil war also kleiner bzw. geschrumpft.

Probanden ausführlich untersucht

An der Studie „Cognition.Matters-HF“ nahmen 148 Patienten des Uniklinikums Würzburg mittleren Alters teil, bei denen mindestens zwei Jahre zuvor eine Herzschwäche diagnostiziert worden war. Alle Teilnehmer mussten sich an zwei Tagen zahlreichen kardiologischen, neurologischen und neuropsychologischen Tests unterziehen. Dazu zählten neben dem EKG und der Echokardiographie, also dem Herzultraschall, auch Herz-Kreislaufuntersuchen inklusive 6-Minuten-Gehtest sowie neurologische Untersuchungen mit Ultraschall der Halsgefäße, neuropsychologischen Tests und eine Kernspintomografie des Gehirns. Diese Untersuchungen wurden nach einem Jahr, drei Jahren und fünf Jahren wiederholt. Inzwischen haben gut ein Drittel der Patienten bereits die 5-Jahres-Untersuchung abgeschlossen.

 

Therapietreue bei Herzschwäche großes Problem

Nach Ansicht von Studienleiter Professor Georg Ertl befinden sich Herzschwäche-Patienten in einem Dilemma: „Eine Herzschwäche erhöht aufgrund des komplexen Therapieplans mit regelmäßiger Prüfung der Vitalwerte, konsequenter Einnahme der Medikamente und Beschränkung der Trinkmenge die kognitiven Anforderungen“, sagt er. Demgegenüber stünden die verminderten kognitiven Fähigkeiten. „Viele Patienten können aus diesem Grund den Therapieplan schlichtweg nicht einhalten“, so Ertl. Das habe zur Folge, dass sich sowohl die Lebensqualität als auch die Erkrankung zunehmend verschlechterten. Den Untersuchungen zufolge droht den Herzinsuffizienzpatienten mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion und Defiziten in verschiedenen kognitiven Domänen das Risiko, innerhalb des ersten Jahres nach Studienbeginn zu versterben.

Gehirn kann, aber muss nicht betroffen sein

Mitautorin Anna Frey warnt unterdessen vor Vorurteilen. „Immerhin haben wir bei 32 Prozent aller Studienteilnehmer mit Herzinsuffizienz keine Auffälligkeiten im Gehirn gefunden. Lediglich 16 Prozent unserer Patienten hatten ernsthafte kognitive Störungen“, sagte die Wissenschaftlerin. 

Die Studienergebnisse wurden kürzlich im „Journal of the American College of Cardiology: Heart Failure“ (JACC: Heart Failure) veröffentlicht.

Bei der chronischen Herzschwäche nimmt die Pumpkraft des Herzens soweit ab dass nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu Organen wie Gehirn, Nieren oder Muskeln gepumpt wird. Das hat schwerwiegende Folgen für den gesamten Körper. In Deutschland wird die Zahl der Patienten mit Herzschwäche auf zwei bis drei Millionen geschätzt. Fast 50.000 Menschen sterben jedes Jahr an dieser Krankheit.

Foto:  © georgerudy - Fotolia.com

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Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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