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28.05.2020

Herzschwäche geht auch aufs Gehirn

Bei einer Herzschwäche wird auch das Gehirn unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Forscher des Max-Planck-Instituts haben nun herausgefunden, dass darunter auch die graue Hirnsubstanz leidet. Langfristig kann das die Entstehung einer Demenz begünstigen.
Herzschwäche, Gehirn

Ein schwaches Herz kann auch die graue Hirnsubstanz schrumpfen lassen

Bei einer Herzinsuffizienz kommt es zu einem fortschreitenden Leistungsabfall des Herzens. Verantwortlich dafür können zum Beispiel jahrelanger Bluthochdruck oder eine koronare Herzkrankheit sein. Betroffene bemerken zunächst eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, sind schneller erschöpft und klagen bei Belastungen über Atemnot. Doch auch das Gehirn kann betroffen sein. Wie genau es dazu kommt, war bisher unklar. Nun haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig belegt, dass durch Herzschwäche die Dichte der grauen Hirnsubstanz sinkt.

Je schwächer das Herz, desto geringer die graue Hirnsubstanz

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen grauer Substanz und Herzfunktion bei 80 Patienten untersucht, die im Herzzentrums Leipzig vorstellig geworden waren. Dabei wurde ihr Gehirn mittels Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht sowie die Blutmenge, die bei einem Herzschlag ausgestoßen wird, und die Konzentration eines bestimmten Hormons in der Blutbahn analysiert. Dabei zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Grad der Herzinsuffizienz und den Veränderungen in der grauen Substanz. Als besonders groß erwies sich der Schaden für das Gehirn nach einem Herzinfarkt.

„Je schwächer das Herz, desto geringer die Dichte der grauen Substanz“, fasst Matthias Schroeter, Leiter der Forschungsgruppe für Kognitive Neuropsychiatrie am MPI CBS, die Ergebnisse der Studie zusammen. Besonders betroffen seien dabei das mittlere Stirnhirn und der sogenannte Precuneus innerhalb der Großhirnrinde sowie der Hippocampus. Diese Regionen verarbeiten vor allem Aufmerksamkeitsprozesse und Gedächtnisinhalte. Und nicht nur das: „Ein Abbau von grauer Substanz in diesen Bereichen kann die Entstehung von Demenz begünstigen“, so Schroeter.

 

Herzfunktion stärken, geistigen Abbau entgegenwirken

Als graue Substanz bezeichnet man im Gehirn die Gebiete, die vorwiegend aus den Zellkörpern der Nervenzellen bestehen. Die langen Enden der Nervenzellen, die Nervenfasern, bilden hingegen die weiße Substanz. Der bekannteste Teil der grauen Substanz ist die Großhirnrinde, die das Gehirn als äußerer, zwei bis fünf Millimeter dicker Mantel mit seinen zahlreichen Windungen umgibt. Hier werden die eigentlichen höheren geistigen Fähigkeiten des Menschen verarbeitet – von den Sinneseindrücken über Sprache bis zu Kreativität.

„Bei einer Herzschwäche muss also auch bedacht werden, dass dabei die Hirnstruktur geschädigt wird“, so Schroeter. Frühere Studien hatten gezeigt, was dem geistigen Abbau am besten entgegenwirkt: Sport und soziale Aktivitäten. Doch auch die verminderte Herzfunktion selbst muss behandelt werden. Dazu gehört es, Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes und Übergewicht zu bekämpfen.  

Foto: © Adobe Stock/Adiano

Autor: anvo
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