Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Herzkranke Diabetiker profitieren von Bypass-OP

Donnerstag, 6. Dezember 2012 – Autor:
Diabetespatienten mit mehrfach verengten Herzkranzgefäßen sollten sich eher einer Bypass-Operation unterziehen als sich mit Stents behandeln zu lassen. Dies zeigen Daten einer internationalen Studie.
Herzkranke Diabetiker profitieren von Bypass-OP

Stents haben in der Studie schlechter abgeschnitten als Bypass-Operationen

Eine in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ erschienene Vergleichsstudie hat gezeigt, dass Diabetespatienten nach einer Bypass-OP deutlich länger leben als Diabetespatienten mit einem Stent (Gefäßstütze). Nach einem Beobachtungszeitraum von fünf Jahren traten Todesfälle und Herzinfarkte insgesamt deutlich seltener nach einer Bypass-Operation auf.

Für die Studie teilten Ärzte aus 140 internationalen Behandlungszentren – darunter USA, Spanien, Kanada, Brasilien, Indien, Frankreich und Australien - die Patienten nach dem Zufallsprinzip in zwei Behandlungsgruppen ein. Einer Gruppe legten Herzchirurgen bei einer offenen Herzoperation Bypässe, um die verstopften Herzkranzgefäße zu überbrücken. Die zweite Gruppe unterzog sich einer perkutanen Koronarintervention mit Medikamenten freisetzenden Stents. Bei diesem Eingriff schieben Herzspezialisten über einen Katheter eine kleinen Metall-Stent bis zur Engstelle vor, um das Gefäß zu weiten. Die Medikamente sollen zusätzlich verhindern, dass sich die Arterie wieder verschließt. Zum Zeitpunkt des Eingriffs waren die Patienten im Schnitt 63 Jahre alt. Bei den meisten waren die Herzkranzgefäße an drei Passagen verengt. Insgesamt 1.900 Patienten nahmen an der Studie teil.

Doppelt so hohe Herzinfarkt-Rate in der Stent-Gruppe

Während innerhalb von fünf Jahren 10,9 Prozent der Patienten in der Bypass-Gruppe verstarben, betrug die Rate der Todesfälle in der Stent-Gruppe 16,3 Prozent. Einen Herzinfarkt hatten sechs Prozent der Bypass-Patienten erlitten, bei den Stent-Patienten waren es dagegen 13,9 Prozent. Lediglich bei den Schlaganfällen kam die Stent-Gruppe besser weg: Nur 2,4 Prozent der Patienten mit einer koronaren Gefäßstütze bekamen innerhalb von fünf Jahren einen Schlaganfall, bei den Bypass-Patienten waren dies 5,2 Prozent.

„Herzkranke Diabetespatienten sollten dies bereits vor einer geplanten Katheteruntersuchung erfahren, damit sie eine informierte Entscheidung für Bypass oder Stent treffen können“, kommentierte Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Tübingen, die Studie. Nur so werde sichergestellt, dass der Patient ausreichend Zeit habe, seine Therapieentscheidung mit seiner Familie und den behandelnden Ärzten zu besprechen. In Anbetracht der Studienergebnisse müsse man wohl davon ausgehen, dass viele herzkranke Diabetespatienten derzeit nicht richtig behandelt würden.

Während die Zahl der Bypass-Operationen in Deutschland rückläufig ist, werden immer mehr Stents bei Herzpatienten eingesetzt. Einer der Gründe dafür ist, dass bei einer koronaren Katheteruntersuchung Diagnostik und Therapie in einer Sitzung erfolgen.

Foto: Biotronik

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herzinfarkt , Bypass , Diabetes , Stent
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzinfarkt

21.08.2018

Millionen Menschen nehmen täglich ASS zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen ein. Eine neue Studie zeigt nun, dass die Standarddosis die meisten Menschen nicht schützt. Offenbar wurde das Körpergewicht bislang unterschätzt.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Husten gehört zu den Symptomen einer virale Atemwegsinfektion. Er kann mehrere Wochen andauern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Forscher stellten fest, dass ein Extrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gegen Husten hilft.

Finden Sie Krebsvorsorge sinnvoll? Ja, sagen 94 Prozent der Deutschen. Nur: Viele schieben sie dennoch vor sich her. Dabei können die Krebsfrüherkennungsangebote der gesetzlichen Krankenkassen viel Leid verhindern und Leben retten.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin