Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Herzkrank und schwanger: Was die neue Leitlinie empfiehlt

Dienstag, 28. August 2018 – Autor:
Herzerkrankungen und Kinderwunsch schließen sich nicht aus. Dennoch ist eine Schwangerschaft Stress fürs Herz. Nun sind neue europäische Leitlinien erschienen. Darin wird herzkranken Schwangeren vor allem zu einer Maßnahme geraten.
Herzkrank, Schwangerschaft

Neue ESC-Leitlinien zu Herz-Kreislauf-Krankheiten in der Schwangerschaft: Nach 40 Schwangerschaftswochen Geburt einleiten

Die neuen ESC-Leitlinien zum Management von Herz-Kreislauf-Krankheiten in der Schwangerschaft sind erschienen. Besonders ein Punkt wurde auf dem Europäischen Kardiologiekongress in München hervorgehoben: die Dauer der Schwangerschaft. In der neuen Leitlinie wird Schwangeren ausdrücklich empfohlen, Geburten nach der 40. Schwangerschaftswoche zu vermeiden. Setzen bis dann keine Wehen ein, sollte die Geburt künstlich eingeleitet werden.

 

 

Nach der 40. Woche sollte Schluss sein

„Eine Schwangerschaft ist eine Risikoperiode für herzkranke Frauen, weil sie zusätzlichen Stress für das Herz bedeutet“, sagte Professor Jolien Roos-Hesselink, Ko-Vorsitzender der „Guidelines Task Force“ und Kardiologe in Rotterdam (NL). Die Guideline empfehle deshalb eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt in der 40. Woche. Der Herzspezialist fügte hinzu: „Nach der 40. Woche bringt eine Schwangerschaft dem Baby keinen zusätzlichen Nutzen und kann sogar Nachteile haben.“

Jungen Frauen mit angeborenem Herzfehlern empfiehlt die Leitlinie vorgeburtliche Risikoabschätzungen und Beratung durch entsprechende Herzspezialisten. Jene mit einem mittleren bis hohen Komplikationsrisiko sollten von einem Schwangerschafts-Herzteam mit Kardiologen, Geburtshelfer, Gynäkologen und Anästhesisten untersucht werden.

Zwillinge zu riskant

Die Leitlinie beinhaltet darüber hinaus auch Empfehlungen zur In-vitro-Fertilisation (IVF), Empfängnisverhütung und Beendigung der Schwangerschaft bei herzkranken Frauen. Bei In-vitro-Fertilisation werden häufig hohe Hormondosen eingesetzt, die das Risiko einer Thrombose und einer Herzschwäche erhöhen. Frauen mit einer Herzkrankheit benötigen deshalb die Bestätigung eines Kardiologen, dass die gewählte Methode für sie sicher ist. Da das Austragen von mehr als einem Baby für das Herz zusätzlichen Stress bedeutet, wird herzkranken Frauen bei IVF dringend empfohlen, nur einen Embryo auszutragen.

Herzkranke Frauen haben im Vergleich zu gesunden ein100 fache Sterbe- oder Herzschwäche-Risiko. Eine Schwangerschaft ist meist kein Problem, doch das Risiko für Komplikationen ist erhöht, etwa für vorzeitige Wehen oder starke Blutungen nach der Geburt. Auch der Nachwuchs von herzkranken Müttern hat häufiger Probleme als der gesunder Frauen. Experten schätzen, dass jedes vierte bis fünfte Neugeborene mit Komplikationen zur Welt kommt.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System , Herzinsuffizienz , Schwangerschaft
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzerkrankungen

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Die Pandemie hat das Bewegungs- und Sportverhalten bei vielen verändert. Das Homeoffice gilt als „Bewegungskiller“, Städter schwitzen vorm Youtube-Video im eigenen Wohnzimmer, Landbewohner treibt es ins Freie – und Yoga ist jetzt beliebter als Fußball.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin