Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
18.09.2019

Herzklappen-Ersatz per TAVI: Für wen ist das Verfahren geeignet?

Für die Implantation einer neuen Herzklappe steht neben der klassischen Operation auch das minimalinvasive TAVI-Verfahren zur Verfügung. Obwohl dieses den Organismus zwar zunächst schont, ist es nicht für jeden geeignet.
Herzklappe, Aortenklappe, TAVI

Vor einer Herklappen-OP muss die Operationsmethode genau erwogen werden

Die Aortenstenose, eine Verengung der Aortenklappe, zählt zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen in Deutschland. Etwa drei bis vier Prozent der 60- bis 70-Jährigen sowie bis zu zehn Prozent der über 80-Jährigen leiden darunter. Ist die Herzklappe so stark verengt, dass es zu Luftnot bei Belastung oder sogar in Ruhe kommt, wird in der Regel zu einem Ersatz geraten. Für die Implantation der neuen Herz- oder Aortenklappe stehen zwei Methoden zur Verfügung: eine klassische Operation, bei welcher der Brustkorb geöffnet wird, sowie die kathethergestützte Aortenklappen-Implantation, kurz TAVI. Letztere ist vor allem für ältere Menschen und bestimmte Hochrisiko-Patienten sinnvoll, wie die Deutsche Herzstiftung mitteilt.

TAVI für Patienten über 75 vorteilhaft

Obwohl die TAVI selbst die schonendere Methode ist, bringt sie doch einige Risiken mit sich. So treten bei dem Kathetereingriff häufiger Schlaganfälle auf. Auch eine Undichtigkeit der Klappe und Gefäßverletzungen kommen unter TAVI häufiger vor. Daher muss genau abgewogen werden, für wen die Kathetermethode geeignet ist.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung besagen Studien, dass die TAVI für Patienten über 75 Jahren Vorteile bietet. „Während bei den herkömmlichen, operativen Verfahren eine Vollnarkose und der Einsatz einer Herz-Lungenmaschine nötig sind, kann der kathetergestützte Aortenklappenersatz mit dem TAVI-Verfahren ohne Herz-Lungenmaschine durchgeführt werden. Auch eine Vollnarkose ist häufig nicht mehr erforderlich und der Eingriff wird in örtlicher Betäubung und mit einer leichten Sedierung vorgenommen“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Ärztlicher Direktor des AGAPLESION Bethanien Krankenhaus und Kardiologe im Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) in Frankfurt am Main. Die Patienten erholen sich daher in der Regel schneller und können oft schon am nächsten Tag aufstehen.

 

Genaue Abwägung der Operationsmethode wichtig

Allerdings fehlen nach wie vor verlässliche Daten zur Langzeithaltbarkeit der TAVI-Prothesen. Das ist einer der Gründe, warum für jüngere Patienten, die ein mittleres oder niedriger Operationsrisiko haben, nach wie vor der operative Aortenklappenersatz als Standardtherapie gilt. „TAVI sollte bei Patienten unter 75 Jahren nur dann eingesetzt werden, wenn sie inoperabel oder Hochrisiko-Patienten sind“, so Voigtländer.

Wichtig sei bei der Therapie der Aortenklappenstenose die sorgsame Indikationsstellung. Vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und in den europäischen Leitlinien wird vorgegeben, dass ein Team aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten endgültig entscheidet, welches Verfahren die beste Prognose für den Patienten bietet.

Im internationalen Vergleich werden in Deutschland die meisten TAVI-Prozeduren durchgeführt. Im Jahr 2017 wurden hierzulande laut Deutschem Herzbericht rund 29.000 Aortenklappen ersetzt, rund 20.000 davon mittels TAVI.

Foto: © peterschreiber.media - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herzklappe , Operation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzklappen-Operation

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin