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Herzinfarkt: Opioide erhöhen Komplikationsrate nicht

Mittwoch, 6. Januar 2016 – Autor:
Treten bei einem Herzinfarkt Schmerzen und Ängste auf, ist eine Opioid-Spritze die empfohlene Behandlung. Doch manche Ärzte scheuen die Therapie aus Sorge um Komplikationen. Eine aktuelle Studie gibt nun Entwarnung.
Opioide bei Herzinfarkt sinnvoll

Ein Herzinfarkt ist meist von großen Schmerzen und Ängsten begleitet – Foto: Robert Kneschke - Fotolia

Ein Herzinfarkt geht meist mit starken Schmerzen, Ängsten und Atemnot einher. Opioide können die Symptome wirksam bekämpfen. Denn sie wirken stark schmerzlindernd und zudem angstlösend. Bei der Schmerzbehandlung von Patienten mit akutem Lungenödem oder Herzinfarkt hat sich eine Injektion mit Opioiden daher als sinnvoll erwiesen. Sie hat zusätzlich den Effekt, die Sympathikusaktivierung zu dämpfen und dadurch Vasokonstriktion und kardiale Last zu senken. Doch in jüngster Zeit haben sich die Hinweise vermehrt, nach denen sich die Gabe von Opioiden negativ auf die Wirksamkeit bestimmter Thrombozytenaggregationshemmer auswirken könnte, die beispielsweise nach einem Herzinfarkt gegeben werden, um das Risiko für weitere Blutgerinnsel zu verhindern. Der Erfolg der Behandlung nach einem Infarkt wäre damit gefährdet.

Sterblichkeit durch Opioide nicht erhöht

Bisher gab es kaum wissenschaftliche Studien, welche die Wirkung und Sicherheit von Opioiden nach einem Herzinfarkt überzeugend belegen konnten. Nun hat ein Forscherteam um Dr. Etienne Puymirat von der Université Paris Descartes die Wirkung der prästationären Gabe von Opioiden bei Herzinfarkt-Patienten untersucht. Unter anderem analysierten sie die Daten von 2400 Patienten, die im Jahr 2010 mit schwerem Herzinfarkt (ST-Hebungsinfarkt, STEMI) ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. 453 von ihnen, also 19 Prozent, hatten prästationär Morphin erhalten.

Wie sich zeigte, unterschied sich die Komplikationsrate während des Klinikaufenthalts zwischen der Gruppe, die das Opioid erhalten hatte, und der, die nicht auf diese Weise behandelt worden war, nicht. Weder Schlaganfälle, Re-Infarkte, Thrombosen, Blutungen oder gar Todesfälle traten bei der Opioid-Gruppe häufiger auf als bei den anderen Patienten. Auch die Ein-Jahres-Überlebensraten unterschieden sich mit 94 Prozent (mit Opioid) gegenüber 89 Prozent (ohne Opioid) kaum. „Im Rahmen der ärztlichen Routine“, so die Studienautoren „war der Einsatz von Morphin bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt nicht mit vermehrten Komplikationen verbunden, Stentthrombosen und Ein-Jahres-Mortalität eingeschlossen.“

 

Schmerzen bei Herzinfarkt weiterhin mit Opioiden behandeln

Dass nur etwa jeder fünfte Herzinfarkt-Patient prästationär ein Opioid erhalten hatte, obwohl dies eigentlich empfohlen wird, ist erstaunlich. Selbst Notärzte injizierten nur bei jedem vierten Patienten Morphine. Die Forscher vermuten, dass dies am Mangel an spezifischen Studien zum Wirknachweis liege. Sie empfehlen, weiterhin den Leitlinien zu folgen und Patienten mit schweren Brustschmerzen ein Morphin zu spritzen.

Bei längerfristigem Gebrauch von Opioiden ist jedoch Vorsicht geboten. Leicht kann es zu einer physischen oder psychischen Abhängigkeit kommen. Zudem hat sich gezeigt, dass bei älteren Menschen ein langfristiger Einsatz von Opioiden mit einer erhöhten Rate von Knochenbrüchen und Herzinfarkten einhergeht. Eine Studie, die im Jahr 2010 in den Archives of Internal Medicine erschienen war, hatte sogar ein erhöhtes Sterberisiko ergeben. Richtig eingesetzt können Opioide aber durchaus auch über längere Zeit angewendet werden und die Lebensqualität der Betroffenen signifikant erhöhen.

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

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