. Koronare Herzkrankheit (KHK)

Herz-CT manchmal Alternative zum Herzkatheter

Bei Verdacht auf Koronare Herzkrankheit (KHK) wird meist eine Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt. Eine Studie der Charité gibt nun Aufschluss, wann eine Herz-CT den invasiven Eingriff ersetzen kann.
Herz-CT, Alternative, Herzkatheter

Patient in der Röhre: Eine Herz-CT kann Patienten mit geringem KHK-Risiko die Herzkatheter-Untersuchung ersparen

Schmerzen in der Brust oder ein Gefühl der Beklemmung können Anzeichen einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) sein. Hierbei wird das Herz aufgrund von Engstellen in den Koronargefäßen schlecht durchblutet. Patienten mit Koronarkrankheit sind stark gefährdet, einen Herzinfarkt zu erleiden oder am sogenannten plötzlichen Herztod zu versterben. Eine rasche Abklärung ist darum wichtig. In der Regel wird die Diagnose mit einer Herzkatheter-Untersuchung gestellt. Mit dem Katheter spüren Ärzte nicht nur die Engstellen auf, sie können sie auch gleich mit einem Ballon erweitern und Stents implantieren, die die verengten Gefäße offenhalten.

Herzkatheter ist Diagnostik und Therapie zugleich

Allerdings ist der invasive Eingriff nicht ohne Risiko und wird von vielen Patienten als unangenehm empfunden. Schließlich sind sie wach, während der Katheter über die Leiste oder den Arm bis ins Herz vorgeschoben wird. Hinzukommt, dass bei mehr als jedem zweiten Eingriff gar kein Gefäß aufgedehnt werden muss.

Dass eine Computertomografie (CT) des Herzens manchmal eine Alternative zum Herzkatheter sein kann, das haben nun Wissenschaftler der Charité in einer Studie zeigen können. „Bei bestimmten Patientinnen und Patienten liefert die CT eine ebenso verlässliche Diagnose“, kommentiert Studienleiter Prof. Marc Dewey von der Klinik für Radiologie am Campus Charité Mitte die Ergebnisse.

 

Methode richtet sich nach KHK-Wahrscheinlichkeit

Für die Studie nutzte das Team um Dewey Daten von mehr als 5.300 Patienten aus 65 abgeschlossenen Studien. Die statistische Auswertung ergab, dass sich die Herz-CT dann als Diagnosemethode eignet, wenn die Betroffenen eine geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeit haben, an einer KHK zu leiden. Die KHK-Wahrscheinlichkeit können Ärzte anhand von individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht und der Art des Brustschmerzes bestimmen. „Liegt diese Wahrscheinlichkeit bei 7 bis 67 Prozent, lässt sich mithilfe der CT zuverlässig ermitteln, ob Gefäßverengungen vorliegen oder nicht“, sagt Dewey. Bei höheren Wahrscheinlichkeiten sei dagegen eine Herzkatheter-Untersuchung indiziert, „weil voraussichtlich therapeutisch eingegriffen werden muss.“

Kardio-CT ist schonender

Anders als die Katheter-Untersuchung handelt es sich bei der Herz-CT um einen nicht invasiven Eingriff. Dabei werden tausende Röntgenaufnahmen des Herzens zu einer 3D-Abbildung verrechnet. Patienten bekommen ein Kontrastmittel gespritzt, das die Herzkranzgefäße auf den Röntgenbildern klar sichtbar macht. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Obwohl Röntgenstrahlen und Kontrastmittel zum Einsatz kommen, ist die Herz-CT schonender für den Patienten als die Herzkatheter-Untersuchung.

„Wie unsere Arbeit zeigt, lassen sich Engstellen bei Frauen und Männern mit einer Herz-CT gut erkennen“, sagt Robert Haase, Erstautor der Studie und Doktorand in der Arbeitsgruppe um Prof. Dewey.

Mehr Standards bei KHK-Diagnostik erwünscht

Mit den Studienergebnissen wollen die Charité-Forscher Ärzten die Einschätzung erleichtern, in welchen Fällen die Diagnose KHK auch ohne invasiven Herzkatheter gesichert werden kann. „Wir hoffen außerdem, dass die Studie auch zu einer Vereinheitlichung der medizinischen Leitlinien beiträgt. Diese raten in unterschiedlichen Ländern bisher noch zu verschiedenen Vorgehen bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit", betont Herz-CT-Spezialist Dewey.

Die Studie „Diagnosis of obstructive coronary artery disease using computed tomography angiography in patients with stable chest pain depending on clinical probability and in clinically important subgroups: meta-analysis of individual patient data” ist soeben in der Fachzeitschrift The BMJ erschienen.

Foto: Dewey/Charité

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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