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Herpes als Auslöser von Depressionen unter Verdacht

Bestimmte Herpesviren könnten eine Schlüsselrolle bei der Entstehung psychiatrischer Störungen wie schweren Depressionen und bipolaren Störungen spielen. Das legt eine deutsch/amerikanische Studie nahe. In Hirnbiopsien Erkrankter wurden auffällig oft Herpesinfektionen nachgewiesen.
Herpes, Depression

Herpesviren können Nervenzellen im Gehirn infizieren. Die Entzündung kann später zu schweren Depressionen führen

Dass Herpesviren alles andere als harmlos sind, ist gewiss. Bestimmte Virentypen können in das zentrale Nervensystem einwandern und zum Beispiel eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung verursachen. Auch mit Alzheimer wurden Herpesviren jüngst in Verbindung gebracht. So hatten Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York Herpesviren vom Typ HHV-6A und HHV-7 in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten gefunden.

Herpes stört Entwicklung von Nervenzellen

Nun zeigt eine deutsch/amerikanische Studie, dass Herpes womöglich auch für viele Depressionen und bipolare Störungen verantwortlich sein könnte. In sogenannten Purkinje-Zellen des Kleinhirns von Erkrankten fanden die Forscher eine erhöhte Rate von Herpesviren vom Typ HHV-6A und HHV-6B. Diese Nervenzellen sind essenziell für motorisches Lernen, aber auch Gefühle, Wahrnehmung, Gedächtnis und Sprache werden hier gesteuert.

Die Forscher um Dr. Bhupesh Prusty vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg sehen durch ihren Fund belegt, dass Viren des Typs HHV-6 Nervenzellen infizieren können. Treten solche Infektionen im frühen Kindesalter auf, werde die Entwicklung der Nervenzellen gestört sowie die Interaktion mit dem Immunsystem in wichtigen Entwicklungsstadien behindert, berichten die Autoren im Fachblatt „frontiers in Microbiology. Ein Zusammenhang zwischen Herpesinfektionen im Kleinhirn und schweren Depressionen und bipolaren Störungen ist demnach sehr wahrscheinlich. Allerdings steht der kausale Beweis noch aus.

 

Biopsien aus den USA

Für ihre Studie nutzten die Forscher die menschlichen Hirnbiopsie-Kohorten des Stanley Medical Research Institute (USA). Bei den Biopsien von Patienten mit psychiatrischen Krankheiten fiel dann die hohe Infektionsrate mit Herpesviren auf.

Herpesviren sind weit verbreitet und eine Infektion geht in den meisten Fällen spurlos vorüber. Die Viren können jedoch in Organen, Gewebestrukturen und eben auch im zentralen Nervensystem verharren. Bisher glaubte man, dass die Viren dort nichts anrichten können. Prusty und Kollegen sehen diese Annahme nun durch ihre Studie widerlegt.

Foto: © Kateryna_Kon - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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