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Hepatitis verhindern

Donnerstag, 28. Juli 2016 – Autor: Angelika Friedl
NOhep – für eine Welt ohne Hepatitis, so lautet das Motto des diesjährigen Welt-Hepatitis-Tages. Bis zum Jahr 2030 sollen Hepatitis B und C weltweit ausgelöscht.
Schutzimpfung gegen Hepatitis A und B

Gegen Hepatitis A und B kann man sich mit einer Impfung schützen – Foto: betka82 - Fotolia

Die Zahlen sind wenig bekannt: Auf der ganzen Welt sterben mehr Menschen an einer Virushepatitis als an HIV und Malaria. 4000 sind es durchschnittlich jeden Tag. Nach den Schätzungen des Robert-Koch-Institutes sind in Deutschland etwa eine Million Menschen mit chronischer Hepatitis B und C infiziert. Viele wissen allerdings nicht, dass sie erkrankt sind. Hepatitis ist eine stille Krankheit. Die Leber leidet quasi stumm, denn viele Menschen spüren über viele Jahre überhaupt keine Symptome. Andere leiden an unspezifischen Gelenkschmerzen, an Müdigkeit oder einem Druckgefühl im Oberbauch. Oder der Urin ist dunkel verfärbt. An der angeblich typischen Gelbsucht erkranken übrigens nur relativ wenige Menschen. Wird jedoch eine Infektion nicht behandelt, kann sich über die Jahre eine Zirrhose oder ein Leberkrebs entwickeln – die manchmal sogar tödlich endet. Ein Bluttest liefert erste Hinweise, in welchem Ausmaß die Leber  geschädigt ist. Bei weiteren Diagnosen werden Ultraschall und eventuell Computertomographie eingesetzt. Außerdem ertastet der Arzt die Größe der Leber und der Milz und er klopft den Bauch ab, um festzustellen, ob sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle gesammelt hat. Bestimmte Hautmerkmale wie Gelbfärbung, sogenannte Gefäßspinnen und gerötete Hände können ebenfalls Anzeichen einer Leberzirrhose sein.

Neue Hepatitis C Medikamente – wirksam, aber teuer

Hepatitis C gilt als die schwierigste und komplizierteste aller Hepatitis-Erkrankungen. Vor allem, weil die Infektionen in den meisten Fällen einen chronischen Verlauf nehmen und zu schweren Leberschäden führen können. In der Regel ist Blut der Überträger des Virus. Anstecken kann man sich zum Beispiel durch verschmutztes Besteck beim Tätowieren, durch Piercing oder wenn Spritzen von Drogensüchtigen mehrfach benutzt werden. Je früher eine Hepatitis C behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die neuen Medikamente, die seit etwa zwei Jahren auf dem Markt sind, ermöglichen Heilungsraten von über 90 Prozent. Die Wirkstoffe schaffen es, die Vermehrung des Virus zu stoppen, indem sie in den Stoffwechsel-Zyklus eingreifen. In der Zukunft könnte Hepatitis C sogar wie einst die Pocken ganz ausgerottet werden. Das heißt auch, dass dann ein Viertel aller Lebertransplantationen wegfallen würden. Das sind all diejenigen Patienten, die bisher wegen einer schweren Hepatitis Infektion dringend eine neue Leber brauchen. Die neuen Wundermittel kosten allerdings einen stolzen Preis, mit bis zu 80.000 € für eine zwölfwöchige Therapie.

Schutzimpfung vor einer Hepatitis B Infektion

Im Gegensatz zur Hepatitis C kann man sich vor einer Hepatitis B Erkrankung mit einer Impfung schützen. Das B-Virus verursacht Beschwerden wie Durchfall, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Meist heilt die Krankheit von selbst aus. Nur zehn Prozent der Fälle gehen in eine chronische Verlaufsform über. Leider können chronisch kranke Patienten aber bisher nicht auf Heilung hoffen. Die Therapie mit Medikamenten wie Interferone und antiviralen Substanzen wie Lamivudir oder Tenofovir gehört in die Hand von Spezialisten. Die Patienten müssen die teuren Medikamente jahrelang regelmäßig einnehmen. Unangenehm und lästig sind auch die häufigen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Haarausfall, Gewichtsverlust und grippeähnliche Beschwerden. Das Virus wird durch Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Speichel oder Muttermilch übertragen.

Hepatitis A: hoch ansteckend

Relativ harmlos – jedenfalls im Vergleich zur Hepatitis C und B – tritt das Hepatitis A-Virus auf. Sehr viele Menschen merken nichts von einer Erkrankung. Andere leiden etwa zwei bis vier Wochen an meist leichten Magen-Darm-Beschwerden, erhöhter Körpertemperatur und Appetitlosigkeit. Eine weitere gute Nachricht: Hepatitis A heilt schnell ab und wird fast nie chronisch. Und wer einmal an Hepatitis A erkrankt war, bleibt lebenslang immun. Das Virus ist allerdings hoch ansteckend. Durch verunreinigte Lebensmittel, Wasser und Schmierinfektionen wird das Virus besonders schnell übertragen. Kein Wunder, dass die Hälfte der in Deutschland auftretenden Hepatitis A-Infektionen auf Reisen erworben werden. Gegen solche Mitbringsel kann man sich mit einer Impfung schützen. Oder man beherzigt die alte Regel: „Cook it, boil it, peel it – or forget it“ (Koch es, brat es, schäl es oder vergiss es).

foto: betka82

Hauptkategorie: Medizin
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