. Versorgungsforschung

Hepatitis-C-Register soll Versorgung verbessern

Neue Arzneimittel haben die Behandlung der chronischen Hepatitis C verbessert. Doch über ihren langfristigen Nutzen ist bislang wenig bekannt. Ein neues Hepatitis-C-Register soll die Informationslücke schließen.
Hepatitis-C-Register soll Versorgung verbessern

Versorgungsforschung bei Hepatitis C: Welche Tablette nützt wem am besten

Hepatitis C-Viren lösen bei manchen Menschen eine chronische Leberinfektion aus. Unbehandelt führt dies in vielen Fällen zu einer Leberzirrhose und dann zu Leberzellkrebs. Heute kann die chronische Hepatitis C aber gut behandelt werden. Die klassischen Wirkstoffe Interferon und Ribavirin wurden mittlerweile durch neue Medikamente ergänzt, so dass heute fast alle Patienten geheilt werden können– unabhängig vom Stadium ihrer Lebererkrankung. Im Unterschied zu früheren Medikamenten wirken die neuen Therapiemöglichkeiten direkt auf ein Enzym des Virus und blockieren so seine weitere Vermehrung. Dadurch hat sich die Therapiedauer von mehr als einem Jahr auf wenige Monate reduziert. Ein weiterer Vorteil ist, dass die neuen Medikamente als Tabletten verabreicht werden und nicht als Spritze.

Hepatitis-C-Register soll langfristige Effekte der Therapie erfassen

Doch gerade für die neuen - zum Teil interferonfreien - Medikamente sind weitere Daten erforderlich, um die Behandlung der Patienten zu optimieren. So weiß man zum Beispiel noch nicht genau, welche Nebenwirkungen im Laufe der Jahre eintreten können oder ob die Mittel auch für Patienten mit Begleiterkrankungen geeignet sind. Auch die Therapiekosten wurden bislang nicht erfasst. Diese Lücken soll nun ein neues Hepatitis-C-Register schließen. Es wurde von der Deutsche Leberstiftung und dem Berufsverband der Niedergelassenen Gastroenterologen Deutschlands (bng) ins Leben gerufen und der eigens dafür gegründeten Leberstiftungs-GmbH Deutschland geführt.

In dem Register wurden bereits über 40.000 Patienten mit einer chronischen Hepatitis C erfasst. Über 600 Zentren, Kliniken und Praxen in Deutschland waren an der Datenerfassung beteiligt. Künftig können in dem Register alle Therapieformen der Hepatitis C aufgenommen werden. Das soll auch für Medikamente gelten, die noch nicht zugelassen sind, so dass direkt nach Zulassung das Register erweitert werden kann.

 

Vergleich zwischen alten und neuen Therapien

Damit soll das Register eine einzigartige Quelle für wissenschaftliche Auswertungen der neuen Hepatitis C-Therapien bieten. Durch die Weiterführung des vorhandenen Registers und die Übernahme der Daten in das Deutsche Hepatitis C-Register besteht außerdem die Möglichkeit, die neuen und die alten Therapieformen miteinander zu vergleichen. „Mit den so gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen kann die Versorgung der Patienten mit einer Hepatitis C enorm verbessert werden“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung Michael P. Manns. Nach Auskunft des Experten handelt es sich bei dem Register um eines der größten prospektiven Register zur Dokumentation der neuen Hepatitis-C-Therapien weltweit. Durch die Weitergabe der bereits vorhandenen Datensätze ermögliche es außerdem auch eine breite retrospektive wissenschaftliche Auswertung. Langfristig erhoffen sich die Wissenschaftler von dem Register eine weitere Verbesserung der Hepatitis C-Therapie. Finanziell wird das Register von verschiedenen Pharmafirmen unterstützt.

Foto: © apops - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Hepatitis C
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hepatitis

| Chronisch gewordene Infektionen mit Hepatitis B und C können lange symptomfrei verlaufen. Ob ein Screening sinnvoll sein könnte, sollte nun das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchen. Das Ergebnis des Vorberichts: Ob der Nutzen den Schaden eines Screenings überwiegt, ist aufgrund fehlender Studien nicht zu sagen.
| Noch ist das Ziel weit entfernt: die weltweite Elimination von Hepatitis. Dennoch glaubt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass dies eines Tages Realität werden kann. Das meldet die Organisation anlässlich des diesjährigen Welt-Hepatitis-Gipfels in Sao Paolo.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Die Ursachen von Multipler Sklerose (MS) sind noch nicht hinreichend verstanden. Zunehmend geraten B-Zellen in Verdacht, Schäden in der Hirnhaut auszulösen. Eine neue Arbeit der TU München liefert nun wertvolle Erkenntnisse.
Die Deutschen nehmen immer mehr Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Ob das sinnvoll ist, bleibt jedoch fraglich. Die Verbraucherzentralen warnen unter anderen davor, dass viele Präparate zu hoch dosiert sind.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.