. Tumortherapie

Hemibodys: Neue Krebstherapie mit wenig Nebenwirkungen?

15 Jahre lange haben Forscher der Universität Würzburg an „Hemibodys“ gearbeitet: einer neuen Form von Krebstherapie, die das Immunsystem in einer Weise stimulieren soll, dass es bösartige Tumorzellen zerstört. Jetzt soll diese neue Form der Immuntherapie in die klinische Erprobung gehen. Nach Aussagen der Wissenschaftler ist sie sicher und arm an Nebenwirkungen.
Krebszelle im Körper (mikroskopische Grafiksimulation) im Zentrum eines blauen Fadenkreuzes.

Neue Waffe im Kampf gegen Krebs? Die Antikörpertherapie mit Hemibodys soll auch Krebsarten bekämpfen können, die bisher auf Immuntherapie nicht ansprachen.

Hemibodys – das sind Fragmente von Antikörpern, die mit höchster Präzision zwischen Tumorzellen und gesundem Gewebe unterscheiden können. Finden sie auf der Oberfläche der Tumorzellen zu einer funktionalen Einheit zusammen, entwickeln sie die Eigenschaft, das Immunsystem zur Zerstörung der bösartigen Zellen zu stimulieren. „Diese Innovation erlaubt es, Tumorzellen anzugreifen, die bislang als immunologisch nicht ansprechbar gelten“, heißt es in einer Mitteilung der Universität Würzburg – Blutkrebs zum Beispiel. Hemibodys seien sicher und vergleichsweise arm an Nebenwirkungen und könnten gegen ganz verschiedene Arten von Tumoren eingesetzt werden.

Hemibody-Entwicklung in Würzburg startete 2005

Seit 2005 arbeitet ein Team um die Würzburger Mediziner Professor Gernot Stuhler und Dr. Thomas Bumm an einer neuartigen Immuntherapie gegen Krebs. Im Mittelpunkt stehen die genannten Hemibodys. „Hemibodys adressieren keine einzelnen Zielmoleküle, sondern Antigen-Kombinationen, die für Tumorzellen hochspezifisch sind“, erklärt Stuhler. Diese Innovation erlaube es, Tumorzellen anzugreifen, die bislang als immunologisch nicht ansprechbar gelten.

 

Neues Immuntherapeutikum: Erster Einsatz in Würzburg

Um diese medizinische Innovation auf den Markt und damit zu möglichst Patienten zu bringen, haben Stuhler und Bumm 2019 die Cherry Biolabs GmbH etabliert, eine Ausgründung der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Dort soll das neue Immuntherapeutikum in absehbarer Zeit eingesetzt werden. „Die Universität Würzburg und das Universitätsklinikum sind sehr daran interessiert, dass relevante Fortschritte für Krebspatientinnen und Krebspatienten erzielt werden“, erklärt Professor Hermann Einsele, Vizepräsident der JMU. „Mit der Weiterentwicklung der Hemibody-Technologie sind wir diesem Ziel einen Schritt nähergekommen.“ Würzburg ist auch die Universität, an der Wilhelm Conrad Röntgen 1895 die nach ihm benannten Röntgenstrahlen entdeckte und für die er wenige Jahre später, 1901, den Physiknobelpreis erhielt.

Einsatz gegen Knochenmarkskrebs ab 2022

Das aus der JMU entstandene Unternehmen Cherry Biolabs strebt den Aufbau einer eigenen Medikamentenpipeline und die Auslizenzierung der Technologie auf Basis der jeweiligen Zielmoleküle an. Das am weitesten fortgeschrittene Programm des universitätsnahen Herstellers ist ein Hemibody-Paar zur Behandlung des Multiplen Patienten erwartet.

Foto: AdobeStock/auntspray

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Hauptkategorie: Medizin
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