Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Helfen Probiotika bei Depressionen?

Montag, 13. Juni 2022 – Autor:
Die Wissenschaft vermutet, dass Darmmikrobiom und Psyche eng hängen zusammenhängen. Eine neue Studie aus der Schweiz bekräftigt das. Nehmen Depressive zusätzlich zu Antidepressiva Probiotika ein, verbessert sich ihr depressive Symptomatik.
Studie: Probiotika können die Wirkung von Antidepressiva unterstützen und Depressionen mildern

Studie: Probiotika können die Wirkung von Antidepressiva unterstützen und Depressionen mildern – Foto: © Adobe Stock/ Jeerasak

Gehirn und Darm sind über die sogenannte Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse miteinander verbunden. Darum spricht viel dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen Darmmikrobiom und Depressionen gibt. So können Darmbakterien unter anderem über Stoffwechselprodukte das Nervensystem beeinflussen. Studien zeigen, dass Patienten mit einer Depression überdurchschnittlich häufig an Darm- und Verdauungsproblemen leiden. Hinweise gibt es außerdem aus Tierexperimenten: Pflanzt man Mäusen, die steril – also ohne Darmflora – aufgezogen wurden, die Darmflora von depressiven Personen ein, entwickeln die Tiere ebenfalls ein depressions-ähnliches Verhalten. Sie sind beispielsweise energieloser und zeigen weniger Interesse an der Umgebung als ihre Artgenossen.

Probiotika scheinen Antidepressiva zu unterstützen

Ausgehend von der Annahme, dass die Zusammensetzung der Darmflora eine wichtige Rolle für die depressive Symptomatik spielt, haben Wissenschaftler der Universität Basel nun depressive Personen mit Probiotika behandelt. Probiotika enthalten gute Darmbakterien und sollen das Darmmikrobiom verbessern.

Alle Studienteilnehmer waren zur stationären Behandlung in psychiatrischen Kliniken und erhielten zusätzlich zu Antidepressiva während 31 Tagen ein Probiotikum (21 Personen) oder ein Placebo (26 Personen). Die Studie war verblindet, das heißt, weder die Patienten noch das medizinische Personal wusste wer welches Präparat bekam. Direkt vor der Behandlung, am Ende der 31 Tage sowie noch einmal vier Wochen später unterzogen die Forschenden die Teilnehmer einer Reihe von Tests.

Mehr gesundheitsfördernde Bakterien im Darm

Die Auswertung ergab, dass sich der depressive Zustand bei allen Studienteilnehmern besserte. Jedoch war der Erfolg in der Probiotika-Gruppe deutlich ausgeprägter. Stuhluntersuchungen zeigten: Probanden, die Probiotika eingenommen hatten, wiesen mehr Milchsäurebakterien in der Darmflora auf. Laut der Erstautorin Anna-Chiara Schaub ging dieser Effekt mit der Abnahme der depressiven Symptomatik einher. Jedoch nahm der Anteil dieser gesundheitsfördernden Darmbakterien im Laufe der folgenden vier Wochen wieder ab. “Womöglich sind vier Wochen Behandlung nicht lang genug und die neue Zusammensetzung der Darmflora stabilisiert sich erst nach einem längeren Zeitraum», erklärt die Wissenschaftlerin.

Hirnaktivität normalisierte sich

Die Probiotika-Einnahme veränderte außerdem die Hirnaktivität, wie die Forschenden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) herausfanden. „Bei Patientinnen und Patienten mit Depressionen verhalten sich bestimmte Hirnregionen für emotionale Verarbeitung anders als bei psychisch Gesunden“, berichtet Schaub. „Nach der vierwöchigen Probiotika-Einnahme normalisierte sich diese Hirnaktivität bei den Teilnehmenden, in der Placebo-Gruppe jedoch nicht.“

Fazit der Studie: Probiotika können die Wirkung von Antidepressiva unterstützen und Depressionen mildern. Allerdings sind sie den Forschern zufolge für eine alleinige Therapie gegen eine Depression ungeeignet.

 

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen

03.06.2022

Ketamin wirkt wesentlich schneller als herkömmliche Antidepressiva. Nun konnten Wissenschaftler einen Teil des Wirkmechanismus entschlüsseln. Der antidepressive Effekt wird offenbar durch das Epilepsie-Medikament Retigabin verstärkt. Eine neue Kombination scheint möglich.

09.04.2022

Auf der Suche nach organischen Ursachen von Depressionen haben Forscher eine interessante Entdeckung gemacht: Immunzellen von Menschen mit depressiven Störungen waren im Vergleich zu Gesunden deformierbarer. Die Veränderungen könnten depressive Symptome wie Erschöpfung gut erklären, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Translational Psychiatry“.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Wirkungen und Nebenwirkungen der Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise seien kaum zu beurteilen. Das erklärte Prof. Hendrik Streeck am Freitag in Berlin. Der Virologe gehört zu der Sachverständigenkommission, die diese evaluieren sollte.

Hunde haben einen außergewöhnlichen Geruchssinn. In Studien wurde bereits gezeigt, dass sie eine akute Covid-19-Infektion erkennen können. Jetzt wurde das auch für Long-Covid gezeigt. Über das Phänomen berichtet die Tierärztliche Hochschule Hannover.

 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin