. Exklusivverträge

Heilberufler wollen Zytostatika-Ausschreibungen stoppen

Mehrere medizinische Fachgesellschaften und Apothekerverbände haben den Gesetzgeber aufgefordert, Zytostatika-Ausschreibungen zu verbieten. Die Exklusivverträge gefährdeten die Versorgungsqualität.
Ärzte und Apotheker wehren sich gegen Ausschreibungen von Zytostatika

Ärzte und Apotheker wehren sich gegen Ausschreibungen von Zytostatika

Ärzte und Apotheker in Deutschland haben sich in einem Verbändepapier gegen die Ausschreibung von Zytostatika ausgesprochen und den Gesetzgeber aufgefordert, diese Praxis zu verbieten. Die Unterzeichner, darunter der Deutsche Apothekerverband (DAV), der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) und die Deutsche Krebsgesellschaft argumentieren, die Exklusivverträge gefährdeten die Versorgungsqualität ein und erhöhten das Risiko von Lieferengpässen. Ein organisatorisches Chaos sei vorprogrammiert.

Weiter sehen die Unterzeichner die Autonomie und Wahlfreiheit der Patienten eingeschränkt. Dafür gebe es aus ihrer Sicht jedoch keine rechtliche Grundlage. „Auch für krebskranke Patienten gilt, dass sie darüber entscheiden dürfen und sollen, von wem sie ärztlich betreut und von wem sie mit der notwendigen Medikation versorgt werden“, so die Ärzte und Apotheker. Die Ansicht des Bundessozialgerichts teile man nicht.

Bundessozialgericht erlaubt Zytostatika-Ausschreibungen

Das Bundessozialgericht hatte im November 2015 das Ausschreibungsverfahren für rechtmäßig erklärt. Die DAK und die AOK nutzen die Möglichkeit bereits, immer mehr Kassen ziehen nach. Betroffene Krebspatienten bzw. deren Onkologen können sich seither ihre Apotheke nicht mehr aussuchen, sondern sind an eine Vertragsapotheke gebunden. Das kann unter Umständen zu langen Transportwegen und Lieferzeiten führen. Da Zytostatika (Chemotherapien) aber für jeden Patienten einzeln angefertigt werden müssen und oft nur eine Haltbarkeit von wenigen Stunden haben, sehen die Verbände erhebliche „Qualitätsprobleme.“ Außerdem werden wegen der Konzentration auf einige wenige Vertragsapotheken Lieferengpässe befürchtet. 

Einschnitte in Versorgung von Krebspatienten befürchtet

„Der Gesetzgeber muss bald handeln und solche Ausschreibungen verbieten", sagte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes. Es könne nicht sein, dass die Krankenkassen die Zytostatika-Versorgung kaputt sparten. Ähnlich äußert sich Prof. Stephan Schmitz, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland e.V. (BNHO): „Mit Ausschreibungen dringen die Kassen nicht nur in die Entscheidungskompetenz des Arztes ein, sondern auch in das besonders geschützte Vertrauensverhältnis von Arzt und Patient“, sagte er.  Aus Sicht der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen sei dies nicht akzeptabel.

Bei Chemotherapien kooperieren die onkologischen Praxen eng mit den Apotheken. Die multiprofessionelle Zusammenarbeit sei Bestandteil einer hochwertigen Versorgung, und werde durch die Exklusivausschreibungen nun vernichtet, so Schmitz.

Foto: © sudok1 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Chemotherapie , Krankenkassen

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arzneimittel

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer abnehmen möchte, greift gerne auf Obst zurück. Es ist vergleichsweise kalorienarm und lecker. Ernährungsexperten raten allerdings von zu vielen Obstmahlzeiten am Tag ab. Die zuckerhaltigen Snacks könnte den gegenteiligen Effekt bewirken.
In Flugzeugen lauern viele Keime – einige davon können unsere Gesundheit gefährden. Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena legten nun eine erste systematische Übersichtsarbeit über Krankheitserreger auf Materialien in Flugzeugen vor.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.