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08.11.2018

HCT: Schon wieder ein Blutdrucksenker unter Krebsverdacht

Hydrochlorothiazid (HCT) ist ein Entwässerungsmittel, das bei Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetzt wird. Nun wird das Mittel mit weißem Hautkrebs in Verbindung gebracht. Kardiologen warnen jedoch vor voreiligen Rückschlüssen.
HCT, weißer Hautkrebs

Erhöhen HCT Blutdrucksenker das Risiko für weißen Hautkrebs? Experten beschwichtigen verunsicherte Patienten

Millionen Menschen nehmen HCT-Tabletten ein. Der Wirkstoff Hydrochlorothiazid wirkt entwässernd und senkt den Blutdruck und ist daher bei Herzschwäche und Bluthochdruck indiziert. HCT gehört zur Gruppe der Diuretika.

Zwei aktuelle Studien weisen nun auf ein erhöhtes Risiko für weißen Hautkrebs hin. Sie basieren auf Daten des dänischen Krebsregisters und dem nationalen Verschreibungsregister. Danach kommt bei mit HCT behandelten Patienten diese Form von Hautkrebs besonders häufig vor. Für den Laien sind solche Zusammenhänge nur schwer zu bewerten.

HCT nicht Absetzen!

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung (DGK) hat darum Stellung bezogen. Demnach sollten HCT-Präparate auf keinen Fall auf eigene Faust abgesetzt werden. Das Absetzen könne lebensbedrohlich sein.

„Die Senkung des systolischen Blutdrucks geht nachweislich auch mit einer Senkung der Sterblichkeit einher. Tatsächlich könnte das Absetzen von blutdrucksenkenden Medikamenten die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden oder eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, deutlich erhöhen“, so ein Sprecher der DGK.

Das sieht auch die Deutsche Herzstiftung so: „Hochdruckpatienten, die bereits medikamentös behandelt werden, sollten auf keinen Fall ihre Therapie eigenhändig unterbrechen, sagt Prof. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Sollten sie einen Wechsel auf ein anderes Hochdruckmedikament wünschen, müssen sie sich an ihren behandelnden Arzt wenden, der ihre Therapie gegebenenfalls anpasst.“

 

Herzgesundheit geht vor

Die Herzgesundheit geht demnach vor. Die Experten halten außerdem die Studienergebnisse nur für begrenzt aussagekräftig. Weitere Auslöser für den weißen Hautkrebs, wie die Sonnenexposition, die familiäre Krankheitsgeschichte oder die verschiedenen Hauttypen der Patienten seien nicht untersucht worden. Und: „Weißer Hautkrebs ist extrem selten“, sagt DGK-Sprecher Prof. Dr. Michael Böhm.

Bei hohem Hautkrebs-Risiko auf anderes Präparat wechseln

Die Kardiologen raten Patienten, die HCT als Einzel- oder Kombipräparate über mehrere Jahre eingenommen haben, ihre Haut regelmäßig auf Veränderungen vom Arzt untersuchen zu  lassen. Das Risiko aller Formen von Hautkrebs könne durch einen angemessenen Sonnenschutz bzw. das Vermeiden von übermäßiger Einwirkung von Sonnenlicht und UV-Strahlen vermindert werden. Bei einem Patienten mit einer Hautkrebsvorerkrankung oder auch dem Auftreten von Hautkrebs sei ein Wechsel zu alternativen Wirkstoffen ohne Frage angeraten.

Vor allem aber sollten Blutdruckmedikamente weiterhin gemäß dem Behandlungsplan eingenommen werden. „Eine mögliche Verunsicherung der Patienten ist nachvollziehbar“,  meint Herzspezialist Böhm. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass ein unbehandelter und unkontrollierter Bluthochdruck lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann.

Erst kürzlich wurden verschiedene Blutdrucksenker wegen Krebsgefahr zurückgerufen, darunter valsartanhaltige Präparate. 

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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